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«Viagra für Frauen» lockt vor allem die Männer in die Apotheken

Als erstes arabisches Land genehmigt Ägypten den Verkauf einer vermeintlichen Lustpille für Frauen. Käufer sind vor allem Männer. Das «Viagra für Frauen» sorgt im Land am Nil für eine Kontroverse.
Michael Wrase, Beirut
Experten erwarten, dass Flibanserin überwiegend negative Auswirkungen auf die ägyptische Ehe haben wird. Bild: Mohamed Hossam (Aswan, 3. September 2018)

Experten erwarten, dass Flibanserin überwiegend negative Auswirkungen auf die ägyptische Ehe haben wird. Bild: Mohamed Hossam (Aswan, 3. September 2018)

Ägypten geht voran. Als erstes arabisches Land hat es den Verkauf des Medikaments Flibanserin genehmigt. Das vor dreieinhalb Jahren in den USA zugelassene Arzneimittel soll Frauen helfen, ihre sexuelle Lust zu steigern. Es wirkt angeblich auf die Neurotransmitter Serotonin und Dopamin. Ursprünglich wurde es zur Behandlung von Depressionen entwickelt. Der Vertrieb der sogenannten «rosa Pille», die auch am Nil fälschlicherweise als das «Viagra für Frauen» gilt, wird von den lokalen Herstellern als «eine Revolution» gefeiert. Drei von zehn ägyptischen Frauen – behaupten sie dreist – hätten einen «zu niedrigen Sexualtrieb» und müssten daher mit Flibanserin «behandelt» werden.

Käufer der vermeintlichen Lustpille sind nach lokalen Medienberichten vor allem Männer. Obwohl ohne Rezept erhältlich, würden es in dem erzkonservativen Land Frauen nur selten wagen, nach dem Medikament zu fragen, berichten Apotheker in Kairo. Sie sprechen von «guten Umsätzen».

Kaum Aufklärung über die Nebenwirkungen

Frauen, die Flibanserin einnahmen, klagten über Schwindel, Übelkeit und Herzrasen. Ihr Blutdruck sei nach der Einnahme des Medikaments rapide gesunken. Allerdings würden nur wenige Apotheker ihre Kunden über die verheerenden Nebenwirkungen der «Lustpille» aufklären. «Dies wird bei Frauen, die psychische Probleme haben, ohnehin nicht funktionieren – und davon gibt es in Ägypten viele», betonte die ägyptische Sexualtherapeutin Heba Qotb in einem Interview mit der BBC. Und weiter: «Niemals kann eine Frau eine gesunde Beziehung zu ihrem Mann haben, wenn sie von diesem schlecht behandelt wird. Kein Medikament der Welt kann da helfen.»

Flibanserin werde auf die ägyptische Ehe überwiegend negative Auswirkungen haben, erwartet Heba Qotb. Wenn ein Mann feststelle, dass sich der Sexualtrieb seiner Gattin durch die Einnahme der «rosa Pille» nicht steigere, werde er zwangsläufig der Frau und nicht der angespannten Beziehung oder der Unwirksamkeit des Medikamentes die Schuld geben. Nicht wenige Männer könnten den vermeintlichen Misserfolg einer Behandlung mit Flibanserin als Ausrede gebrauchen, um ihre Frauen zu verstossen, befürchtet die Sexualtherapeutin.

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