Baupläne

Ägypten will mit einer neuen Hauptstadt die Wirtschaft ankurbeln

Ägyptens Präsident al-Sisi will sein Land auf wirtschaftlichen Erfolg trimmen. Der Bau einer neuen Hauptstadt soll die nötigen Impulse liefern.

Martin Gehlen, Kairo
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«Dubai-besoffen?» – Ägyptens neue Hauptstadt soll in der Wüste östlich von Kairo entstehen. Vieles am Modell erinnert an Dubai am Persischen Golf.Keystone

«Dubai-besoffen?» – Ägyptens neue Hauptstadt soll in der Wüste östlich von Kairo entstehen. Vieles am Modell erinnert an Dubai am Persischen Golf.Keystone

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Aus ägyptischer Sicht war die dreitägige Investitionskonferenz im Badeort Sharm el-Sheikh am Roten Meer ein grosser Erfolg. Präsident Fattah al-Sisi hat anderthalb Jahre nach dem Umsturz durch die Armee sein Land wieder auf die internationale politische und ökonomische Bühne zurückgeführt – trotz der harten Unterdrückung im Inneren, der steigenden Zahl von Bombenanschlägen und der wachsenden Terrorgefahr.

Seine 90 Millionen Landsleute überraschte al-Sissi indes vor allem mit einem glitzernden Grossmodell einer neuen Hauptstadt, die in den nächsten fünf bis sieben Jahren in der Wüste östlich von Kairo entstehen soll. Federführend ist der Konzern Capital City Partners aus Dubai, der am Golf mit dem Burj Khalifa das höchste Gebäude der Welt errichtete. Der ägyptische Bauminister Mostafa Madbouly pries das Projekt als «Quelle von Stolz und Inspiration für die jungen Ägypter». Nach seinen Angaben belaufen sich die Kosten für die erste Phase bis 2022 auf 40 Milliarden Euro. Über die Finanzierung schwieg er sich aus.

Die Golf-Stadt als Exportschlager

Breite Bevölkerung profitiert nicht

Die ans Rote Meer angereisten Staats- und Konzernchefs sagten mindestens 40 Milliarden Euro für die kommenden Jahre zu. Der grösste Teil soll im Öl- und Gassektor, in der Stromerzeugung sowie in der Immobilienbranche umgesetzt werden. Dagegen mangelt es an Investitionen in Industrie, Produktion und Landwirtschaft, die die meisten Arbeitsplätze schaffen und der breiten Bevölkerung zugute-kommen. Christine Lagarde, die Präsidentin des Internationalen Währungsfonds, dämpfte daher die Euphorie der ägyptischen Machtelite und warnte, Wirtschaftswachstum müsse auch bei Frauen und jungen Leuten ankommen. (MG)

«CC» – für «Capital Cairo» und gleichzeitig die Initialen Sisis – haben enthusiastische Twitter-Befürworter das neue Gigaprojekt getauft. Andere reagierten entgeistert: «Unsere Dubai-besoffenen politischen, militärischen und ökonomischen Eliten wollen sich abkehren von einer Tausende Jahre alten Geschichte und so tun, als sei Ägypten ein unbeschriebenes Blatt», schrieb Khaled Fahmy, Historiker an der American University in Kairo. «Sie sehnen sich nach einem neuen Ägypten – mit einer neuen Hauptstadt und mit einem neuen Volk.»