Syrien
Aleppo steht vor dem härtesten Winter seit Jahren

Der Osten der belagerten Stadt braucht dringend Hilfe.

Jan Dirk Herbermann, Genf
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Die Menschen in Ost-Aleppo leiden. Sie frieren, haben nichts zu essen und keine medizinische Versorgung.Reuters

Die Menschen in Ost-Aleppo leiden. Sie frieren, haben nichts zu essen und keine medizinische Versorgung.Reuters

REUTERS

Die humanitäre Katastrophe im Osten Aleppos spitzt sich weiter zu. Noch immer warten die Vereinten Nationen auf das grüne Licht des Assad-Regimes, um die verzweifelten Menschen in dem belagerten Teil der syrischen Stadt mit Hilfsgütern zu versorgen. «Es ist keine Nahrung der UNO mehr übrig», betonte der Berater der UNO für die humanitäre Lage in Syrien, Jan Egeland, gestern Donnerstag in Genf. Den 275 000 Bewohnern in dem Gebiet, das von Assad-Truppen umzingelt ist, droht laut Egeland der «schlimmste Winter» in dem mehr als fünfeinhalb Jahre tobenden Syrien-Konflikt.

Rebellen sagen Ja zu Feuerpause

Die letzten Rationen wurden Mitte November in Ost-Aleppo verteilt. Dennoch verweigert die Führung um Machthaber Baschar al-Assad hartnäckig die nötigen Genehmigungen und Sicherheitsgarantien für humanitäre Konvois: «Wir warten auf das grüne Licht», erklärte Egeland. Die Rebellen, die Ost-Aleppo halten, seien mit einer humanitären Feuerpause und den Lieferungen einverstanden. Die Oppositionellen sagten ebenso Ja zu Evakuierungen von Verletzten und Kranken, erklärte Egeland.

Aus dem russischen Verteidigungsministerium hatte es bereits am Mittwoch geheissen, dass Moskau einer vorläufigen Feuerpause zustimmen würde, wenn die Vereinten Nationen die Beteiligung der Rebellen garantieren könnte. Egeland forderte aber eine schriftliche Erklärung Russlands und «bedingungslose Unterstützung».

Die Trucks der UNO und anderer Organisationen stehen unter anderem in der Türkei bereit. Nahrungsmittel, Medikamente und andere Gütern sind auch vorhanden. Die letzten Hilfslieferungen waren Anfang Juli im Osten Aleppos eingetroffen.

Insgesamt harren nach Angaben der UNO fast eine Million Menschen in belagerten Orten und Gebieten in dem Bürgerkriegsland Syrien aus. Die meisten Gebiete sind von Assad-Einheiten abgeschnitten. UNO-Vertreter werfen dem Regime vor, das Aushungern der Menschen bewusst als Waffe in dem Konflikt einzusetzen.

Die Vereinten Nationen hatten den Kriegsparteien Anfang November einen 4-Punkte-Plan für Ost-Aleppo übermittelt. Der Plan sieht den umgehenden Transport von Lebensmitteln, medizinischen Gütern und Gesundheitspersonal durch die UNO und andere Hilfsorganisationen nach Ost-Aleppo und die Evakuierung von Patienten vor.