USA
Alle Augen richten sich auf Iowa

Der republikanische Präsidentschaftswahlkampf geht mit einer Testabstimmung in Ames in eine neue Runde. Die Erwartungen an die Präsidentschaftskandidaten ist gross.

Renzo Ruf, Washington
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Rick Perry, Gouverneur von Texas, ist noch kein offizieller Kandidat.
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Rick Perry, Gouverneur von Texas, ist noch kein offizieller Kandidat.

Armer Tim Pawlenty: Seit Tagen schrauben die Medien die Erwartungen an den republikanischen Präsidentschaftskandidaten derart in die Höhe, dass der ehemalige Gouverneur von Minnesota am Samstag nur verlieren kann. «Ames or bust» lautete gestern eine Schlagzeile der Washingtoner Publikation «Politico» - übersetzt heisst dies: Falls Pawlenty bei der anstehenden Testwahl in Ames (Iowa) kein annehmbares Resultat erzielt, kann der 50-Jährige einpacken.

Denn schon jetzt fehlt der Enthusiasmus für den methodischen Konservativen aus dem Mittleren Westen, und die Spendengelder fliessen weit spärlicher als erwartet. Kassiert er nun in Iowa, ein eigentlich fruchtbares Terrain für einen Politiker, der Werte wie Sparsamkeit, Zuverlässigkeit und Heimatliebe vertritt, eine Niederlage, dann ist die Luft draussen.

Verkappte Spendengala

Nun liesse sich darüber streiten, ob der «Ames Straw Poll» tatsächlich eine verlässliche Wasserstandsmeldung liefert: Kritiker wie der Kolumnist George F. Will sagen schon lange, die Testabstimmung vom kommenden Samstag sei eine verkappte Spendengala für die lokale Republikanische Partei. Denn in Ames kann nur antreten, wer tief in die Portokasse greift. Bereits für einen Marktstand im Universitätsauditorium von Ames, in dem normalerweise die Iowa-State-Cyclones-Footballer Hof halten, zahlt der staatskritische Präsidentschaftskandidat Ron Paul dieses Jahr 31 500 Dollar. Hinzu kommen Ausgaben für das leibliche Wohl der potenziellen Wählerinnen und Wähler - Essen, Trinken und Unterhaltung. So lässt Pawlenty extra die christliche Rockgruppe Sonicflood einfliegen. Auch die Stimmabgabe ist nicht gratis: Ein Ticket, das zur Teilnahme am Straw Poll berechtigt, kostet 30 Dollar pro Person - Ausgaben, die letztlich aus den Wahlkampfkassen beglichen werden müssen.

Karneval von Ames

Trotz dieser substanziellen Kosten, die rasch in die Millionen gehen können, ist der Straw Poll ein unzuverlässiger Prognostiker für den Ausgang der Wahlversammlungen von Iowa - der ersten wichtigen Entscheidung im Vorwahl-Marathon. (Nur in drei von fünf Fällen sagte die Testabstimmung bisher den Sieger der Wahlversammlungen in Iowa voraus.) Und dennoch hat sich der Karneval von Ames etabliert, insbesondere als Zerstreuungsritual für die amerikanischen Medien, und Pawlenty kämpft deshalb um sein politisches Überleben.

Michele Bachmanns Höhenflug

Mitverantwortlich für den Absturz des einstigen Top-Kandidaten ist Michele Bachmann, die ebenfalls in Minnesota wohnt. Die nationale Abgeordnete überrascht seit ihrem späten Aufsprung aufs Kandidatenkarussell Anhänger wie Kritiker: Die eine Gruppe feiert die charismatische 55-Jährige wie einen Rockstar, die andere schlägt regelmässig die Hände über dem Kopf zusammen - weil die frömmelnde Bachmann für ihre absurden Behauptungen berüchtigt ist. So sagte sie im Juni, der Westernheld John Wayne stamme aus ihrer Geburtsstadt Waterloo in Iowa. Das war falsch, wie ein Kolumnist der «Los Angeles Times» herausfand: Vielmehr stammt John Wayne Gacy, der in den 1970er-Jahren mehr als 30 junge Männer bestialisch ermordet hatte, aus Waterloo.

Perry will nach Washington umziehen

Solche Schnitzer haben Bachmann nicht zugesetzt. Sie führt die Umfragen in Iowa an, zusammen mit Mitt Romney, dem Favoriten des republikanischen Establishments. Da dieser am Samstag in Ames nicht um Stimmen kämpfen wird - nachdem er vor vier Jahren Millionen für einen letztlich nutzlosen Sieg in den Sand gesetzt hatte -, gilt Bachmann als Favoritin für den Straw Poll. Allerdings muss auch die Abgeordnete um die Aufmerksamkeit der Medien kämpfen. Denn ebenfalls am Samstag will der langjährige Gouverneur von Texas, Rick Perry, erstmals öffentlich bestätigen, was Washington schon lange zu wissen glaubt: Nach über zehn Jahren in Austin liebäugelt Perry mit einem Umzug nach Washington.

Der 61-Jährige wäre ein formidabler Präsidentschaftskandidat. Zum einen ist er «schlau wie ein Fuchs», wie einer der besten Kenner der texanischen Politszene einst treffend schrieb - Perry wurde im vorigen Herbst in seinem Amt bestätigt, obwohl die Wähler quer durchs ganze Land Berufspolitiker in die Wüste schickten.

Zum andern ist Perry just in den beiden Bereichen stark, in denen seine innerparteilichen Kandidaten und der aktuelle Bewohner des Weissen Hauses schwächelt: Texas gilt landesweit als wirtschaftspolitisches Vorbild, dank einer gelungenen Mischung aus tiefen Steuern und schwachen staatlichen Auflagen. Auch gilt Perry als begabter Kommunikator. Sein einziges Problem: Bereits der letzte republikanische Präsident stammte aus Texas, und nur wenige Amerikaner haben gute Erinnerungen an ihn.