Uli Hoeness
Als Freigänger könnte Hoeness schon nach Wochen draussen sein

Wenn der Gefängnisleiter es erlaubt, könnte Uli Hoeness schon nach wenigen Wochen den Status eines Freigängers erlangen. Das heisst, dass er tagsüber das Gefängnis verlassen und arbeiten könnte. Nur über Nacht müsste er in seine Zelle zurückkehren.

Merken
Drucken
Teilen
Wenn der Gefängnisleiter es erlaubt, erhält Uli Hoeness schon nach wenigen Wochen den Status eines Freigängers.

Wenn der Gefängnisleiter es erlaubt, erhält Uli Hoeness schon nach wenigen Wochen den Status eines Freigängers.

Keystone

Uli Hoeness wird seine Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung nicht umgehend antreten müssen. Zunächst muss noch die Staatsanwaltschaft entscheiden, ob sie das Urteil akzeptiert oder in Berufung geht. Der Entscheid soll Anfang nächste Woche gefällt werden.

Merkel: «Hoher Respekt» für Entscheid von Uli Hoeness

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat "hohen Respekt" für den Entscheid von Uli Hoeness geäussert, das Hafturteil wegen Steuerbetrugs zu akzeptieren und nicht in Revision zu gehen. "Ich kommentiere natürlich Gerichtsentscheidungen nicht, kann aber sagen: Die Tatsache, dass Uli Hoeness jetzt dieses Urteil so angenommen hat, nötigt mir hohen Respekt ab", sagte Merkel bei einem Termin mit den grossen Wirtschaftsverbänden in München.

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) begrüsst den Entscheid von Hoeness ebenfalls. "Seine Erklärung zeigt, dass er ein Mensch mit Format ist. Er hat sehr verantwortlich gehandelt, indem er auf die Revision verzichtet und seine Ämter niedergelegt hat."

"Im Gefängnis gibt es keinen Promibonus", betonte derweil der Vorsitzende des Bundes der Strafvollzugsbediensteten in Deutschland, Anton Bachl, in Straubing. Hoeness werde behandelt wie jeder andere Häftling auch.

Dies sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft München II, Ken Heidenreich, am Freitag. Nur wenn auch die Staatsanwaltschaft auf eine Revision verzichtet, kann die Verurteilung von Hoeness zu dreieinhalb Jahren Haft rechtskräftig werden.

Falls die Staatsanwaltschaft in Revision gehen sollte, müsste der Bundesgerichtshof entscheiden. Das Urteil vom Donnerstag über dreieinhalb Jahre Haft lag zwei Jahre unter der Forderung der Anklage.

Auch wenn die Staatsanwaltschaft auf eine Berufung verzichtet, wird Hoeness nicht sofort ins Gefängnis kommen. "Es wird sicherlich noch einige Wochen in Anspruch nehmen, bevor er in Haft gehen wird", sagte die Sprecherin des Oberlandesgerichts München, Andrea Titz, am Freitag.

Der gegen Hoeness bestehende Haftbefehl hat Titz zufolge keine Gültigkeit mehr, wenn das Urteil rechtskräftig wird, da es sich um einen Untersuchungshaftbefehl handelt. Hoeness bekomme dann eine Ladung zum Strafantritt. Dafür müsse zunächst mit der für ihn zuständigen Justizvollzugsanstalt Landsberg geklärt werden, wann ein Haftplatz frei ist.

Wolfgang Niersbach, DFB-Präsident «Die Dimension des gesamten Vorgangs hat uns überrascht. Die grossen Verdienste von Uli Hoeness für Bayern München und den gesamten deutschen Fussball bleiben trotzdem bestehen.»
6 Bilder
Horst Seehofer, bayrischer Ministerpräsident «Ich bin zuallererst menschlich betroffen, weil eine Freiheitsstrafe natürlich für jeden Menschen, und damit auch für Uli Hoeness, ein gravierender Eingriff ist.»
Christoph Daum, Trainer des türkischen Fussballclubs Bursasport «Ich denke nur an den Menschen Hoeness und seine Familie. Ich wünsche ihnen viel Kraft. Die werden sie brauchen, um diese schwierige Zeit gemeinsam gut durchzustehen.»
Angela Merkel, deutsche Bundeskanzlerin «Ich äussere mich generell nicht zu Urteilen von Gerichtsprozessen.»
Sahra Wagenknecht, deutsche Bundestagsabgeordnete von Die Linke «Das ist ein guter Tag für den Rechtsstaat.»
Fredy Bickel, Sportchef bei den BSC Young Boys «Kein Kommentar.»

Wolfgang Niersbach, DFB-Präsident «Die Dimension des gesamten Vorgangs hat uns überrascht. Die grossen Verdienste von Uli Hoeness für Bayern München und den gesamten deutschen Fussball bleiben trotzdem bestehen.»

Keystone

Bei guter Führung Freigänger-Status

Mit etwas Glück muss Hoeness indes nur die Hälfte der Strafe hinter Gitter verbringen, also 21 Monate - und diese dann womöglich auch nur nachts. Denn das deutsche Strafgesetzbuch ermöglicht so genannte Halbstrafen, wenn "Milderungsgründe von besonderem Gewicht vorliegen".

Über den Freigang zur Arbeit in Freiheit entscheidet - womöglich schon nach wenigen Wochen - der Gefängnisleiter. Den Status als sogenannten Freigänger erhält Hoeness aber nur, wenn er gezeigt hat, dass er sich ordnungsgemäss führt und das von ihm keine Fluchtgefahr droht.

Sobald er dies unter Beweis gestellt habe, setze der Freigängerstatus dann noch voraus, dass er sozial eingebunden sei und ein geordnetes Leben führe. Sollte dies der Fall sein, könnte Hoeness im offenen Vollzug morgens das Gefängnis verlassen, zur Arbeit gehen und nach Feierabend in seine Zelle zurückkehren, erläuterte Gerichtssprecherin Titz die Rechtslage. (sda)