Kommentar
Am Patriots Day wurde Amerikas Wiege der Freiheit attackiert

Noch ist unklar, wer hinter dem Anschlag auf den Boston-Marathon steckt. Klar ist hingegen, dass mit dem Anschlag die Wiege der amerikanischen Freiheit attackiert wurde.

Christian Nünlist
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Noch ist unklar, wer hinter dem Anschlag auf den Boston-Marathon steckt.

Noch ist unklar, wer hinter dem Anschlag auf den Boston-Marathon steckt.

Keystone

In Amerika sitzt der Schock tief. Nach 9/11 war es stets die grösste Sorge gewesen, dass Terroristen auch in den USA auf Selbstmordgürtel oder Bomben zurückgreifen und damit Angst und Schrecken verbreiten würden. Nun gelang dies erstmals seit 2001 auf amerikanischem Boden - und öffnete alte Wunden.

Noch ist unklar, wer hinter dem Anschlag auf den Boston-Marathon steckt. 1995 fiel der Verdacht in Oklahoma City anfangs zu Unrecht auf die Muslime. Egal, ob ein lokaler Timothy McVeigh, ein fehlgeleiteter US-Patriot, oder ein Dschihadist die Bombe zündete: Klar ist, es war ein heimtückischer Terrorakt an einem symbolträchtigen Tag, an einem symbolträchtigen Ort.

Die Pilgerväter landeten 1620 mit der «Mayflower» südlich von Boston. Hier gründeten die englischen Siedler ihre «Stadt auf einem Hügel», die von der ganzen Welt beobachtet würde, wie es der Stadtvater John Winthrop formuliert hatte. Die Bomben gingen am lokal wichtigsten Feiertag im Jahr los.

Im April 1775 eröffnete in Lexington bei Boston «der Schuss, der um die ganze Welt gehört wurde», den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. 238 Jahre später stürzen zwei Bomben, die um die ganze Welt gehört wurden, Amerika in kollektive Trauer. Hatten die Anschläge an 9/11 das Wirtschafts- und Militärzentrum getroffen, so wurde am Patriots Day Amerikas Wiege der Freiheit attackiert.