Amerika
«Null Gefahr» trotz sieben Toten: Donald Trump sorgt mit Aussagen zum Kapitolsturm für Empörung

Der abgewählte Präsident Donald Trump behauptet, dass der Sturm auf das Kapitol am Dreikönigstag harmlos gewesen sei. Einige seiner Anhänger, sagte er in einem Fernsehinterview, hätten die Polizisten «umarmt und geküsst».

Renzo Ruf aus Washington
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Spielt die Ereignisse vom 6. Januar herunter: Ex-Präsdient Donald Trump.

Spielt die Ereignisse vom 6. Januar herunter: Ex-Präsdient Donald Trump.

John Raoux / AP

Die Kampagne, den Sturm auf das Kapitol in Washington am 6. Januar weisszuwaschen, dauert an. Und führende Republikaner spielen dabei eine wichtige Rolle. Nun meldete sich am Donnerstag auch der abgewählte Präsident zu Wort.

Donald Trump sagte über die gewalttätigen Ausschreitungen, bei denen — direkt oder indirekt — sieben Menschen starben: «Von Beginn weg» sei «null Gefahr» von den Demonstranten ausgegangen, die das Ziel hatten, die Zertifizierung des Wahlsieges von Joe Biden zu stoppen. «Einige» seiner Anhänger hätten Polizisten und Sicherheitsleute «umarmt und geküsst». Andere seien buchstäblich dazu aufgefordert worden, das Kapitol zu betreten, «und sie kamen rein und sie gingen raus».

Zwar räumte Trump ein, dass die Demonstranten das Kapitol nicht hätten betreten sollen. Im Gespräch mit der Moderatorin Laura Ingraham auf dem «Fox News Channel» behauptete er aber auch, dass seine Anhänger nun von den Strafbehörden geradezu «verfolgt» würden — während linksextremen Demonstranten kein Haar gekrümmt werde.

Wahr daran ist: Beim Sturm auf das Kapitol wurden 140 Polizisten verletzt. Ein Mitglied der Capitol Police starb. In den vergangenen fast drei Monaten haben die Ermittlungsbehörden Anklage gegen mehr als 320 Menschen erhoben. Etliche Anklagepunkte sind vergleichsweise harmlos; die Staatsanwälte sprechen in diesem Zusammenhang von «MAGA-Touristen», von Anhänger des Wahl-Slogans «Make America Great Again», die am Dreikönigstag Teil der Masse waren, die sich unerlaubterweise Zutritt zum Kapitol verschafften.

Etliche Demonstranten aber wendeten Gewalt an, lieferten sich heftige Zweikämpfe mit den überforderten Polizisten oder zerstörten Gegenstände in den Hallen des Kapitols. Sie müssen mit mehrjährigen Gefängnisstrafen rechnen. Ihr Erklärungsversuch, sie hätten auf Anweisung Trumps gehandelt, wird ihnen dabei nicht helfen.

Selbst Laura Ingraham, eine treue Alliierte Trumps, fand deshalb am Donnerstag, dass sie die Aussagen des Präsidenten präzisieren müsse. Sinngemäss sagte sie zu ihrem Gesprächspartner: Habe ich sie richtig verstanden, dass sie die Gewaltexzesse ihrer Anhänger nicht verteidigen, sondern einfach fordern, dass sämtliche Straftäter, egal welche politische Heimat sie haben, vor Gericht gestellt werden müssten? Trump nahm den Wink mit dem Zaunpfahl zur Kenntnis und sagte: «Genau! Ich hoffe, dass ich das auch so gesagt habe.»

Nein, hatte er nicht.