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Andreas Koestler: «Viele haben Entsetzliches erlebt»

Hilfsorganisationen Der Schweizer Andreas Koestler ist Teamleader des Feldhospitals, das die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond­gesellschaften am Rande des Lagers Kutupalong hochgezogen hat. Das Krankenhaus hat einen Operationssaal und 60 Betten, 40 lokale Mediziner vom Roten Halbmond und 35 internationale Ärzte und Pfleger. Wenn Koestler nicht in Krisenregionen arbeitet, lehrt der 64-jährige Geologe an der Universität St. Gallen «Leadership in Disaster Management and Development Aid Projects».

Andreas Koestler, woran leiden die Menschen, die ins Krankenhaus kommen?

Es gibt inzwischen in den Camps eine ganze Reihe von Anlaufstellen für Kranke, die die schweren Fälle an uns überweisen. Das sind oft Brüche und Brandverletzungen, wenn die Leute auf den steilen Pfaden des Camps stürzen oder sich an Herdfeuern verbrennen. Es gibt viel Unterernährung und schwere Fieberkrankheiten wie Dengue. Leider haben wir sehr viele Früh- und Totgeburten, das hängt auch mit dem Stress der Flucht zusammen.

Das Krankenhaus ist ein Provisorium. Wie lange wird es bleiben?

Bei Naturkatastrophen planen wir immer erst einmal für vier Monate. Aber die durchschnittliche Aufenthaltsdauer von Flüchtlingen in Lagern liegt weltweit bei 17 Jahren. Wir müssen sehen, was wird. Wobei wir beim Roten Kreuz auch im Fall der Rohingya nicht von Flüchtlingen sprechen. Um absolute Neutralität zu wahren, bezeichnen wir die Vorgänge jetzt als «Bevölkerungsbewegung» und sprechen von «Neuankömmlingen», nicht von Flüchtlingen.

In den Lagern leben die Menschen unter erbärmlichen Zuständen. Wie kommen die Helfer damit klar?

Es ist ein harter Einsatz, deshalb bleiben wir nur einen Monat und werden dann abgelöst. Unsere Arbeits- und Lebensbedingungen sind spartanisch. Wir essen aufgewärmte Militärrationen, die Ärzte wohnen zu zweit in Zelten. Das ist okay, nur wird es nach Sonnenuntergang wahnsinnig laut, weil Tausende Grillen zirpen. Doch hilft, dass wir hier jeden Tag viele Leben retten. Das stimmt positiv.

Wie steht es um die seelische Gesundheit der Lagerbewohner? Kann das Spital da Hilfe leisten?

Viele haben Entsetzliches erlebt. Wir sehen Leute mit schweren Traumata, die entweder ganz passiv oder aber hyperaktiv sind. Wir haben immer wieder Sterbende, das muss begleitet werden. Mit Kindern machen wir spielerisch Therapie. Sie müssen das Erlebte verarbeiten, damit es keine Spätfolgen gibt. (up)

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