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Anfängerin düpiert Parteiboss

Eine junge Aktivistin entthront bei den Vorwahlen der Demokraten in New York den einflussreichen Joseph Crowley. Er hatte bereits mit dem Fraktionsvorsitz im Repräsentantenhaus geliebäugelt.
Renzo Ruf, Washington
Alexandria Ocasio-Cortez setzt sich bei den Vorwahlen der Demokraten in New York durch. Bild: Scott Heins /Getty (26. Juni 2018)

Alexandria Ocasio-Cortez setzt sich bei den Vorwahlen der Demokraten in New York durch. Bild: Scott Heins /Getty (26. Juni 2018)

Als seine Niederlage bei den Vorwahlen feststand, griff der Parlamentarier zur Akustikgitarre – und stimmte, passenderweise, den Gassenhauer «Born to Run» an. Er widme dieses Lied, sagte Joseph Crowley (56), seiner Herausforderin Alexandria Ocasio-Cortez (28), und einen Moment lang wirkte der musikalisch begabte Demokrat, als sei er mit sich im Reinen.

Man darf annehmen, dass dieser Eindruck täuschte. Denn der aus dem New Yorker Stadtteil Queens stammende Crowley ist die Nummer vier in der Führungsriege der Demokraten im nationalen Repräsentantenhaus und einer der einflussreichsten Parteibosse in der Region (Spitzname: «King of Queens»), galt als ambitioniert. In Hinterzimmergesprächen versuchte er in den vergangenen Monaten gar, den Weg für eine Kandidatur um den demokratischen Fraktionsvorsitz zu bereiten – ein Posten, den Nancy Pelosi (78) seit 2003 innehat. Dabei erwähnte er oft, dass er aus demselben Quartier wie Donald Trump stamme und er deshalb wisse, wie der Präsident ticke. «Ich bin dafür geboren, auf der nationalen Bühne eine wichtige Rolle zu spielen», sagte Crowley.

Herausforderin hat Finger am Puls der Bevölkerung

Bei der Umsetzung dieser Pläne vernachlässigte er allerdings seinen tiefblauen Wahlbezirk in der grössten amerikanischen Stadt – in dem Bürger mit weisser Hautfarbe notabene nur noch 18 Prozent der Bevölkerung stellen.

Auch unterliefen Crowley im Wahlkampf einige grobe Schnitzer. So entschied er sich in der vorigen Woche, eine Debatte mit seiner Herausforderin zu schwänzen. Stattdessen delegierte er eine junge Latina an die Diskussion mit Ocasio-Cortez ab. Für diesen Schachzug erntete er auch in der «New York Times», die auf ihrer Meinungsseite normalerweise viel Verständnis für die Spitzenriege der Demokraten zeigt, scharfe Kritik. Crowley könne nur darauf hoffen, dass die Wähler «seine Brüskierungen» nicht an der Wahlurne bestraften, kommentierte die Zeitung.

Entscheidend für die Niederlage Crowleys war aber, dass seine Herausforderin den Finger am Puls der Bevölkerung hatte. Ocasio-Cortez trat in ihrem Wahlkampf selbstbewusst auf und wies oft und gerne darauf hin, dass sie wenig gemein habe mit einem klassischen Abgeordneten im Repräsentantenhaus. Ihresgleichen, sagte die blitzgescheite Aktivistin in einem Video, das 1,7 Millionen Mal angeklickt wurde, bewerbe sich normalerweise nicht um ein politisches Amt, habe sie doch weder Geld noch Macht. Aber die Bevölkerung in ihrem Wahlbezirk in Queens und der Bronx habe einen besseren Vertreter als Crowley verdient, sagte die Latina, deren Mutter aus Puerto Rico stammt.

Immer und immer wieder erwähnte sie dabei auch, dass die Familie des Amtsinhabers in der Agglomeration von Washington wohne, er seine Kinder in eine Schule in Virginia schicke und weder das Wasser in New York trinke noch die Luft in der Grossstadt einatme.

Migrationsdebatte als Wahlhelfer

Ganz allein kämpfte Ocasio-Cortez dabei nicht. Sie wurde unterstützt von einem losen Netz linker und sozialistischer Organisationen – darunter auch «Our Revolution», dem Wahlkampfarm der Unterstützer des ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Bernie Sanders. Auch kam ihr in den letzten Tagen zugute, dass gerade unter Amerikanern mit Wurzeln in Zentral- und Südamerika die Wut und Empörung über die Einwanderungspolitik der Regierung von Präsident Trump immer grösser wurde. Ocasio-Cortez vertritt die recht radikale Position, dass die Einwanderungsbehörde ICE abgeschafft werden müsse.

Mit einem derart deutlichen Sieg – 57 Prozent der Stimmen, bei einer Wahlbeteiligung von gegen 11 Prozent – hatte aber auch Ocasio-Cortez nicht gerechnet. Als sie am Dienstagabend von einer Journalistin des New Yorker Nachrichtensender NY1 gefragt wurde, ob sie beschreiben könne, wie sie sich fühle, sagte die überwältigt wirkende Neo-Parlamentarierin: «Nein.»

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