Deutschland
Angela Merkel, der Youtube-Star: Die Kanzlerin stand vier Video-Bloggern Rede und Antwort

In mehreren Interviews mit bekannten Video-Bloggern verriet die deutsche Bundeskanzlerin auch, was ihr Lieblings-Emoji ist. Merkel erreichte mit dieser Aktion in der Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen mehr Publikum als in den deutschen Fernsehsendern.

Birgit Baumann, Berlin
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Ischtar Isik, Angela Merkel: «Machen Sie denn sonst nur… Selbstdarstellung?», fragte die Kanzlerin, nachdem ihre Gesprächspartnerin gestanden hatte, dass es ihr erstes Interview überhaupt war.

Ischtar Isik, Angela Merkel: «Machen Sie denn sonst nur… Selbstdarstellung?», fragte die Kanzlerin, nachdem ihre Gesprächspartnerin gestanden hatte, dass es ihr erstes Interview überhaupt war.

Screenshot/Youtube

Es war ein Termin für die «Generation Youtube»: Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel stellte sich vier Internetstars im Interview und verriet dabei, dass der Smiley ihr Lieblings-Emoji ist. Es ist nicht das erste Mal, dass die Regierungschefin dieses Format wählt. Schon 2015 hatte sie dem Youtube-Star LeFloid ein Interview gegeben. Er war damals zu ihr ins Kanzleramt gekommen.

Nun jedoch begab sich Merkel ins Youtube-Studio in Berlin und stellte sich den Fragen von vier Video-Bloggern, die in der Szene allesamt Millionen Abonnenten haben. Merkel erreichte damit in der Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen mehr Publikum als in den deutschen Fernsehsendern: Bis gestern Mittag verzeichnete die Aufzeichnung über 1,1 Millionen Views.

Seit Merkel aus den Ferien im Südtirol zurückgekehrt ist, hat sie aber auch schon einige klassische Wahlkampftermine absolviert. Die heisse Phase des Wahlkampfes begann – recht harmlos – in Dortmund. Merkel sprach vor den Arbeitnehmern der CDU, also vor gewogenem Publikum. Danach standen in sechs anderen Städten jedoch Auftritte auf der grossen Bühne vor Bürgerinnen und Bürgern auf dem Programm.

In Hessen gab es laute Zwischenrufe von AfD-Anhängern, in Bremen von Linken, was die Kanzlerin mit der Bemerkung quittierte: «So hat jeder seine Schwerpunkte: Manche haben sich vorgenommen, dass sie einfach vier Jahre lang nur schreien.»

Apropos AfD und Linke: Nur mit ihnen schliesst Merkel eine Koalition aus. SPD, Grüne und FDP sind potenzielle Partner. Enttäuscht jedoch wurde, wer meinte, Merkel könnte eine Präferenz erkennen lassen. Gefragt, ob die FDP der natürliche Partner sei, antwortet sie: «Wenn es einen natürlichen Partner gibt, dann ist es die CSU.»

Martin Schulz gibt nicht auf

Geht es nach SPD-Chef Martin Schulz, muss sich Merkel nach dem 24. September ohnehin nicht mehr mit dieser Frage beschäftigen. Obwohl die SPD seit Wochen zwischen 23 und 25 Prozent und die Union bei 38 bis 40 Prozent liegt, bemüht sich Schulz, Zuversicht zu verbreiten: «Ich rechne damit, dass ich eine gute Chance habe, die nächste Bundesregierung anzuführen.» Er habe auch nichts gegen eine Grosse Koalition – «unter meiner Führung».

Sein Ton ist schärfer geworden. Er wirft Merkel einen Schlingerkurs in der Autopolitik vor: «Am Wochenende hat sie eine Quote für Elektroautos abgelehnt. Heute fordert sie ein Dieselverbot.» Die Kanzlerin habe weder für die Zukunft der deutschen Automobilindustrie noch für die Zukunft des Landes einen Plan.

«Die Schonzeit ist vorbei»

Die Angriffe sind Teil einer Strategie, die SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann so beschreibt: «Die Schonzeit für Frau Merkel ist vorbei.» Bis zur Wahl werde die SPD Merkel «Tag für Tag mit den Herausforderungen und Problemen unseres Landes konfrontieren, aber auch mit den Chancen, die sie verspielt hat. Das Land lebt von der Substanz, unser Wohlstand steht auf dem Spiel, weil Merkel keinen Plan für die Zukunft hat.»

Merkel hingegen spricht den Namen Schulz nach wie vor nicht aus. Wenn sie Missstände anspricht, dann erwähnt sie Fachminister – etwa Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) im Zusammenhang mit Langzeitarbeitslosen. Und sie beteuert: «Ich unterschätze meine Mitbewerber nie.» An die eigenen Leute hat sie auch eine Botschaft: «Wir müssen werben, wir müssen kämpfen.»