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Angriffe auf Tanker im Golf von Oman: Was ist dran an den US-Vorwürfen gegenüber dem Iran?

Ein amerikanisches Video soll die iranischen Angriffe auf zwei Tanker im Golf von Oman beweisen. Es handle sich um «haltlose Behauptungen», entgegnet Teheran.
Michael Wrase, Limassol
Einer der zwei attackierten Öltanker im Golf von Oman. (Bild: AP (13. Juni 2019))

Einer der zwei attackierten Öltanker im Golf von Oman. (Bild: AP (13. Juni 2019))

Es ist ein unscharfes, verwackeltes Schwarz-Weiss-Video, mit dem das US-Zentralkommando Centcom in Bahrain am späten Donnerstagabend die Mitwirkung iranischer Revolutionsgardisten beim Anschlag auf zwei Öltanker im Golf von Oman zu beweisen versuchte. Zu sehen sind mehr als zehn Menschen auf einem Schnellboot, von denen einige an der Wand eines Öltankers hantieren, von dort womöglich etwas entfernen. Das «Corpus Delicti», nach US-Behauptungen «eine nicht explodierte Haftmine», ist nicht erkennbar.

Der Centcom-Einschätzung, nach der es sich bei der Attacke auf den Tanker «Kokuka Courarageous» um einen Haftminenangriff handelte, widersprach am Freitag der japanische Chef des Besitzerunternehmens, Yataka Katada. Er sei nicht der Meinung, dass das Schiff durch Minen beschädigt worden sei. Ein iranisches Marineschiff sei zwar in der Nähe gesehen worden. Ob vor oder nach den Angriffen, sei allerdings unklar. Bestätigt wurde dagegen, dass der ebenfalls am Donnerstag angegriffene norwegische Tanker Altair von der iranischen Marine übernommen wurde, nachdem die Crew aufs iranische Festland evakuiert worden war.

Bedeutsame Meerenge

Die lückenhafte Beweisführung der USA ist in Teheran scharf verurteilt worden. Es handle sich um «haltlose Behauptungen der USA». Der ökonomische Krieg und Terrorismus der USA seien die Hauptursachen für Unsicherheit und Instabilität in der Persischen Golfregion, sagte ein Regierungssprecher. Würde der Iran nicht unter den «härtesten Sanktionen aller Zeiten», wie sie Donald Trump einmal bezeichnet hatte, leiden, könnten alle Staaten der Region in Sicherheit und Frieden leben, lautet die iranische Logik, welche unlängst präzisiert wurde: «Solange wir unser Öl exportieren können, bleibt die Strasse von Hormuz offen», erklärte der Marinekommandeur der Revolutionsgardisten, Aliresa Tangsiri. Sei der Ölexport für die Islamische Republik nicht mehr möglich, gäbe es für die Offenhaltung der Meerenge «keine Logik mehr». Mit anderen Worten: Das Nadelöhr zwischen dem Golf von Oman und dem Persischen Golf, durch das täglich zwischen 17 und 19 Millionen Fässer geschleust werden, könnte dann blockiert werden.

Vorrangig zum Einsatz würden dann vor allem Seeminen kommen. Diese spielten in der asymmetrischen Kriegsführung der Iraner die wichtigste Rolle, betont Bryan Clark vom Center for Stretegic and Budgetary Assessments in Washington. Während des von Saddam Hussein begonnenen Tankerkrieges Mitte der 1980er-Jahre habe Iran noch «Minenmodelle aus dem ersten Weltkrieg» eingesetzt. Heute verfüge das Land über 6000 moderne Minen mit Sprengköpfen von fast 1200 Kilogramm, vermutet die US-Denkfabrik Center for Strategic and International Studies. Iran sei auch im Besitz von sogenannten «intelligenten Minen», welche mehrere Ziele verfolgen und verschiedene Schiffstypen erkennen könnten. Für Feinde seien diese nur schwer aufzufinden, weil sie sich in der Regel nahe dem Meeresboden befänden. Mit ihren schwimmenden Bomben könnte Teheran den Schiffsverkehr in der Strasse von Hormuz lahmlegen, «ohne auch nur einen Finger zu rühren».

Drohung genügt

«Alles, was die Iraner tun müssen, ist zu behaupten, dass sie die Meerenge vermint haben», sagt Marineexperte Jon Rosamund. «Der gesamte Tankerverkehr würde sofort zum Erliegen kommen.» Selbst mit einer geringen Anzahl von Seeminen, verstreut an viel befahrenen Stellen, könnten die Iraner eine grosse Wirkung erzielen, glaubt auch Bryan Clarke. Die USA und ihre Partner wären dann nicht in der Lage, die Strasse von Hormuz «in wenigen Tagen wieder zu öffnen», befürchtet der frühere US-Admiral James Stavridis. Selbst wenn es den USA und ihren Verbündeten gelingen sollte, einen minenfreien Kanal in der Meerenge zu schaffen, würde der Schiffsverkehr ins Stocken geraten, weil jedes Schiff militärischen Begleitschutz der US-Navy bräuchte.

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