USA
Anklage wegen Falschaussagen: Bringt diese Freundschaft Trump zu Fall?

Politstratege Roger Stone war lange ein enger Vertrauter Trumps. Jetzt wurde er wegen Falschaussagen und Zeugenbeeinflussung angeklagt.

Renzo Ruf, Washington
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Siegessicher: Trump-Berater Roger Stone nach seinem ersten Auftritt vor Gericht. Er wurde gegen eine Kaution von 250000 Dollar freigelassen.KeY

Siegessicher: Trump-Berater Roger Stone nach seinem ersten Auftritt vor Gericht. Er wurde gegen eine Kaution von 250000 Dollar freigelassen.KeY

KEYSTONE

Roger Stone scheint das Rampenlicht, in dem er einmal mehr steht, zu geniessen – ganz getreu seinem bei Oscar Wilde abgeschauten Lebensmotto: «Es ist besser, berühmt-berüchtigt zu sein, als niemals berühmt zu sein.» Am Sonntag war der 66-jährige republikanische Politstratege Gast in einer Fernsehsendung, in der er sich erneut wortgewaltig gegen die juristischen Vorwürfe verteidigte, die Sonderermittler Robert Mueller am Freitag publik gemacht hatte. Von «Gestapo-Methoden» sprach Stone auf dem Sender ABC, von «haltlosen» Anklagepunkten und davon, dass keine Beweise vorlägen, wonach er in der russischen Desinformationskampagne während der US-Präsidentschaftswahlen 2016 eine zentrale Rolle gespielt habe.

Mueller wirft Stone vor, er habe während seiner Aussagen vor einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss die Unwahrheit über seine (indirekten) Kontakte zur Enthüllungsplattform WikiLeaks gesagt. Auch habe Stone die Arbeit der Ermittlungsbehörden behindert, indem er Zeugen zu beeinflussen versuchte – unter anderem mit Aussprüchen aus dem legendären Mafiafilm «Der Pate – Teil II». Dies sei ein Witz gewesen, beteuerte der Angeklagte am Sonntag. Und wie so häufig bei Stone wusste man nicht so recht, ob der stets tipptopp gekleidete Republikaner die Wahrheit sagte oder Seemannsgarn spann, um einen seiner Freunde zu verteidigen.

Der Freund in dieser Geschichte ist US-Präsident Donald Trump. Mit ihm ist Stone seit den frühen Achtzigerjahren vertraut. Für den Politstrategen Stone ging mit Trumps Wahl ein Traum in Erfüllung, den er seit zwei Jahrzehnten gehegt hatte. Schon als Trump im Jahr 2000 mit einer Präsidentschaftskandidatur für die Kleinpartei «Reform Party» flirtete, diente ihm Stone als Stratege. Stone beteuerte am Sonntag einmal mehr, es habe keine geheimen Absprachen zwischen Trumps Wahlkampfstab und russischen Regierungskreisen gegeben. Trump wiederum distanzierte sich von seinem Freund auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Der Präsident schrieb, Roger Stone habe in der entscheidenden Phase des Wahlkampfes nicht für ihn gearbeitet.

Stone verdankt seinen Ruf, ein «Dirty Trickster» zu sein, einer Episode aus dem Jahr 1972. Damals liess er einem parteiinternen Gegner des republikanischen Präsidenten Richard Nixon eine Spende im Namen einer trotzkistischen Jugendgruppe zukommen, die er sofort publik machte. Lange Jahre galt Stone als einer der grössten Anhänger von Präsident Nixon, der nach seinem Rücktritt im Zuge des Watergate-Skandals in Washington wie die Pest gemieden wurde. «Er liess sich nicht zerstören und war widerstandsfähig. Er gab nie auf», sagte Stone einst über den Mann, dessen Antlitz er sich auf seinen Rücken tätowieren liess.