Spanien
Anti-Falten-Crèmes geklaut: Überwachungsvideo überführt Regierungschefin

Cristina Cifuentes jagt von einem Skandal zum nächsten. Jetzt soll die Regierungschefin der Region Madrid auch noch Anti-Falten-Cremes geklaut haben. Ein Skandal zu viel, am Mittwoch trat sie von ihrem Amt zurück.

Deborah Gonzalez
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Wenn man die spanische Bevölkerung nach ihrer Meinung bezüglich Politikern fragt, dann lautet die Antwort oft: «Die klauen!» oder etwa «Sie berauben uns nur». Was die Regierungschefin der Region Madrid betrifft, bekommen die Kritiker nun ihre Bestätigung: Cristina Cifuentes soll tatsächlich geklaut haben. Zwei Anti-Aging-Cremes in einem Supermarkt. Nach grossem öffentlichen Druck erklärte Cifuentes gestern ihren Rücktritt.

Ein Video aus dem Jahr 2011 soll zeigen, wie Supermarktdetektive Cifuentes beim Ladendiebstahl erwischt haben. Auf dem Band des Detailhändlers «Eroski» ist die damalige Vizepräsidentin des Madrider Parlaments in Begleitung zweier Polizisten zu sehen.

Die spanische Politikerin Cristina Cifuentes.

Die spanische Politikerin Cristina Cifuentes.

KEYSTONE

Cifuentes wird gebeten, ihre Taschen auszupacken. Nach Bergen von Mappen kramt die nervös gestikulierende Frau zwei Anti-Aging-Cremes heraus, die sie dem Polizisten dann in die Hand drückt. Bei den zwei Produkten soll es sich um die gestohlene Ware handeln.

Daraufhin sucht Cifuentes nach den dazugehörigen Belegen. Sie liest jeden einzelnen Einkaufszettel, um sich dann geschlagen zu geben: Die Quittung ist nicht da. Gestohlen habe sie aber trotzdem nicht. Sie sei schon mit den Cremes in den Laden gekommen. Nur beweisen könne sie es nicht.

Geschlagene 45 Minuten musste die Politikerin in dem kleinen Raum verharren, bis ein weiterer Polizist eintraf. Der spanischen Zeitung «OK Diario» zufolge erkannte dieser die Politikerin und forderte, Cifuentes unverzüglich freizulassen. Letztendlich zahlte sie den Preis (rund 50 Franken) der zwei Anti-Aging-Cremes und verliess den Supermarkt durch die Hintertür.

Klage über «Hass-Kampagne»

Nun ist der Politikerin das Video zum Verhängnis geworden. Am Mittwochmittag gab sie ihren Rücktritt als Regierungschefin der Region Madrid bekannt. Sie sprach von einer «Hass-Kampagne», die nichts mehr mit Politik zu tun habe.

Denn Cifuentes kommt schon seit längerer Zeit nicht mehr aus den Schlagzeilen heraus. Erst kürzlich machte ihr ein anderer Skandal zu schaffen: Die Politikerin soll ihren Masterabschluss an der Universität Rey Juan Carlos gefälscht haben – Cifuentes soll nie an der Hochschule gewesen sein.

Schon damals lautete die populäre Meinung: Sie müsse zurücktreten. Doch Cifuentes entschuldigte sich und löschte lediglich den Master aus ihrem Lebenslauf. Der Direktor der Universität hingegen wurde ausgewechselt.

Die Sorgenfalten in Cristina Cifuentes’ Gesicht dürften durch den Rücktritt am Dienstag nicht kleiner geworden sein.