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ANTI-TERROR-KAMPF: Irakische Armee ruft Sieg in Mossul aus

Der irakische Verteidigungsminister hat den Fall der IS-Bastion proklamiert. Der Wiederaufbau wird zur Herkulesaufgabe – US-Generäle vergleichen die Zerstörung mit derjenigen des zerbombten Dresden im Zweiten Weltkrieg.
Michael Wrase, Limassol
Irakische Sicherheitskräfte und Zivilisten feiern die gestrige Befreiung von Mossul. (Bild: Ahmad Al-Rubaye/AFP (Mossul, 9. Juli 2017))

Irakische Sicherheitskräfte und Zivilisten feiern die gestrige Befreiung von Mossul. (Bild: Ahmad Al-Rubaye/AFP (Mossul, 9. Juli 2017))

Michael Wrase, Limassol

Mit Gesten der Verzweiflung soll die tiefverschleierte Frau die anrückenden irakischen Soldaten um Hilfe gerufen haben. Sie könne nicht mehr laufen, hätte sie gebrüllt. Als ein junger Soldat die Frau auf den Armen in Sicherheit bringen wollte, brachte sie ihren Sprengstoffgürtel zur Explosion, tötete sich selbst, ihren mutigen Helfer sowie einige weitere Soldaten. Der entsetzliche Terroranschlag wurde gestern von den irakischen Staatsmedien aus Mossul gemeldet. Ob er sich so zugetragen hat, kann derzeit nicht überprüft werden. Vieles spricht aber dafür, dass der Vorfall der Wahrheit entspricht.

Bis gestern Vormittag kontrollierte die Terrormiliz Islamischer Staat nur noch einige wenige Wohnblöcke am Westufer des Tigris. Eine geordnete Evakuierung der Dschihadisten, wie im vergangenen Jahr in Aleppo, wo sichere Fluchtwege für Zivilisten und Dschihadisten vereinbart worden waren, hatte die irakische Regierung kategorisch abgelehnt.

Wiederaufbau wird wohl 100 Milliarden Dollar kosten

Die verbliebenen IS-Terroristen wussten, dass sie getötet werden. Ihr proklamiertes Ziel war es, auch die letzten Stunden der neunmonatigen Abwehrschlacht so blutig wie möglich zu gestalten. Aus der Sicht der angreifenden irakischen Soldaten, Polizisten und Milizionäre ist es daher nachvollziehbar, dass sie schon vor dem Fall der allerletzten IS-Bastion am Westufer des Tigris ausgelassen ihren «Sieg» über die Terroristen feiern. Nüchtern betrachtet gibt es in Mossul keinen Grund zum Feiern. Darüber dürfte sich auch der irakische Ministerpräsident Haydar al-Abadi im Klaren sein, der gestern in Mossul eintraf, um sich als «Sieger» feiern zu lassen. Voller Stolz gratulierte er der «heroischen irakischen Armee» und dem irakischen Volk zu dem «historischen Erfolg» im Norden des Landes.

Fast die Hälfte von West-Mossul ist zerstört. Ein amerikanischer General soll die von Bomben verwüstete Altstadt der Tigris-Metropole mit Dresden nach dem Zweiten Weltkrieg verglichen haben. Die Kosten für den Wiederaufbau werden auf 100 Milliarden Dollar geschätzt. So viel soll auch der neunmonatige Krieg gekostet haben, bei dem nach US-Schätzungen bis zu 40 Prozent der Angreifer ihr Leben verloren haben. Sie hätten noch niemals so tapfere Soldaten gesehen, beschreiben amerikanische Militärberater die siegreichen irakischen Truppen, die in der Gluthitze des mesopotamischen Sommers nur wenig Zeit zum Verschnaufen haben werden. Denn auch nach der Befreiung wird der IS mit Kamikazeattacken versuchen, ein halbwegs geordnetes Leben in Mossul zu verhindern. Auch ohne die ständige Gefahr neuer Angriffe sind die bevorstehenden Aufgaben gewaltig: 900 000 der zwei Millionen Einwohner haben Haus und Hof verloren. Wie langsam der Wiederaufbau vorangeht, zeigt sich im vor sechs Monaten befreiten Osten der Grossstadt, wo die Strom- und Wasserversorgung nur mühsam wiederhergestellt wird. In den Schulen wird zwar wieder unterrichtet. Auf ihre Gehälter warten die Lehrer bislang vergeblich.

«Entwurzelte Terrorbande»

Nicht nur sie stellen inzwischen die Kompetenz der schiitisch dominierten irakischen Regierung in Frage. Diese habe im Sommer 2014 Mossul den Dschihadisten überlassen und komme nun zurück, um die Stadt zu zerstören, empört sich ein Student der Universität von Mossul. Der Verlust seiner wichtigsten Basis in Mossul sei eine katastrophale Niederlage, bedeute aber noch längst nicht das Ende der Terrororganisation, analysiert der libanesische Terrorismusexperte Ali Haschem in einem Beitrag für «Al Monitor». Solange der IS noch «seinen Staat» hatte, seien die Aktionen der Dschihadisten einigermassen berechenbar gewesen. Mit dem Verlust von Mossul habe sich das geändert. «Die entwurzelte Terrorbande», befürchtet er, stelle jetzt eine noch grössere Gefahr dar.

Gebiete Kriegsparteien Syrien Irak (Bild: Grafik: Oliver Marx)

Gebiete Kriegsparteien Syrien Irak (Bild: Grafik: Oliver Marx)

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