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APULIEN: Zur Untätigkeit verdammt

Sie gehen jeden Tag in ihr Büro, haben aber nichts zu tun: In Italien gibt der Fall von 85 Polizisten zu reden, die zwar angestellt, aber seit über zwei Jahren arbeitslos sind.
Dominik Straub, Rom

Dominik Straub, Rom

Ihr Arbeitstag beginnt um 7.30 Uhr: Die Polizisten stecken ihre Karte in die Stechuhr und verschwinden in ihren Büros. Doch ihre Schreibtische sind leer, die Telefone nicht angeschlossen: Es gibt nichts zu tun. Nach sechs Stunden dürfen sie wieder ihre Karte in die Stechuhr stecken und nach Hause gehen. In der Zwischenzeit starren sie in ihrem Büro an die Wände. Oder sie lesen Zeitung oder ein Buch. Und der eine oder andere wird wohl auch auf seinem Mobiltelefon herumspielen. So geht das fünf Tage pro Woche. Fürs Nichtstun erhalten die Polizisten im Durchschnitt 1200 Euro netto pro Monat.

Ihre Büros befinden sich in Taranto, Bari, Brindisi, Lecce und Foggia in Apulien. Die bedauernswerten Polizisten drehen nicht freiwillig Daumen: Sie sind Opfer einer Staatsreform, nämlich der Abschaffung der Provinzverwaltungen, bei denen sie angestellt waren. Die Reform ist Anfang 2015 in Kraft getreten. Mit anderen Worten: Die Polizisten haben seit über zwei Jahren nichts zu tun. «Es ist absurd: Alle Polizisten sind bestens ausgebildet, haben Berufserfahrung und würden gerne wieder arbeiten; für sie ist das eine schwierige Situation», sagt Paolo Taurino von der Gewerkschaft CGIL. Einige der Beamten hätten psychologische Hilfe in Anspruch nehmen müssen.

Die Idee hinter der Abschaffung der landesweit insgesamt einhundert Provinzen war, dass Italien neben dem Zentralstaat, den Regionen und den Gemeinden keine vierte Staatsebene benötige. Die Reform sah vor, dass die bisherigen Funktionen der Provinzen mitsamt Personal entweder an die Regionen, die Gemeinden oder an die neugeschaffenen «Città metropolitane» ­(Metropol-Städte) transferiert werden. Das geschah dann auch. In Apulien waren rund 2800 Provinz-Beamte von der Abschaffung ihres Arbeitgebers betroffen, darunter die 85 Polizisten.

Es kann «nur noch Monate dauern»

Während das Personal der anderen Provinzabteilungen in relativ kurzer Zeit in die Verwaltungsstrukturen der Region, der Gemeinden oder der «Città metro­politana» von Bari integriert werden konnte, wusste man in Apulien nicht so richtig, was man mit den 85 Polizisten anfangen sollte. Für 34 ehemalige Provinzpolizisten in Lecce hatte man zunächst nicht einmal ein Büro – die ersten acht Monate verbrachten sie ihre «Arbeitszeit» in einem leerstehenden Konferenzsaal ohne Schreibtisch.

Schliesslich wurden alle Polizisten der Regionalverwaltung zugeteilt. Doch weil die meisten ihrer bisherigen Aufgaben bereits von den Carabinieri abgedeckt werden, musste sich die Regionalregierung erst einmal eine neue Funktion für sie einfallen lassen. Der entsprechende administrative Erlass liegt inzwischen vor. Ein Problem muss freilich noch gelöst werden: Die Polizisten brauchen neue Uniformen, neue Dienstwaffen und neue Polizeiautos. Die entsprechenden Ausschreibungen seien erfolgt, versicherte unlängst der Präsident der Region Apulien, Michele Emiliano. Bis die Ausrüstung komplett sei, könne es «nur noch Monate dauern».

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