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Arktis-Wasser wird zum umstrittenen Verkaufsrenner

Das nördlichste Mineralwasser der Welt ist Tausende Jahre alt und kostet 85 Franken pro Flasche. Aus arktischem Gletscher gewonnen, wird es per Flugzeug in alle Welt geliefert. Die Firma argumentiert, dass sie nur «kleine Eingriffe in die Natur vornimmt».
Niels Anner, Kopenhagen

«Wir wissen, dass das in vieler­lei Hinsicht ein extremes Produkt ist», gibt Jamal Qureshi zu. Der norwegisch-amerikanische Doppelbürger ist Gründer und Geschäftsführer der Firma Svalbardi, die das nördlichste Mineralwasser der Welt produziert. Gewonnen wird es aus Eisbrocken tausend Kilometer südlich des Nordpols: Sie werden aus dem Kongsfjord in Svalbard (Spitzbergen) gefischt, nachdem die arktischen Gletscher sie abgekalbt haben.

Mit einem Fischerboot werden die tonnenschweren, Tausende Jahre alten Eisstücke aus dem Meer gefischt, in den Hauptort Longyearbyen gebracht, gekühlt gelagert und als exklusives Wasser in Designerflaschen abgefüllt. Die erste Produktionsrunde umfasste 13000 Flaschen, über die Gesamtproduktion schweigt sich die Firma aus – doch das edle Wasser ist ein Verkaufsrenner: Im Moment ist es ausverkauft, an Kunden weltweit.

Für globalen Luxusmarkt wie geschaffen

Zunächst war «Svalbardi» nur in einigen Läden in Longyearbyen erhältlich, dann startete der Verkauf auch im Londoner Luxus-Warenhaus Harrods. Dort kostete eine Flasche umgerechnet mehr als 100 Franken, auf der Website von Svalbardi sind es «bloss» 85 Franken. Geliefert wird in die ganze Welt, per Flugzeug schnell und direkt aus Longyearbyen. Das zu Norwegen gehörende Dorf mit 2100 Einwohnern kann nur durch eine gute Luftanbindung überhaupt existieren und hat einen gut ausgebauten Flughafen.

Laut eigenen Angaben hat «Svalbardi» mehrere internationale Mineralwasser- und Designauszeichnungen gewonnen. Qureshi, der mit einem lokalen Partner zusammenarbeitet, sagte dem norwegischen TV-Sender NRK, dass sein Produkt für den globalen Luxusmarkt wie geschaffen sei: «Für viele ist so eine Flasche ein Statussymbol, sicher. Aber auch normale Leute bestellen das Wasser, sei es als Geschenk oder für sich, statt einer Flasche Wein.» Auf ihrer Website schreibt die Firma, das «Gourmetwasser» passe perfekt zu geräuchertem Lachs, Kaviar, Hummer oder aber Foie gras.

Umweltschützer kritisieren das Produkt

Der frühere Ölanalytiker und Finanzhändler Qureshi machte 2013 in Svalbard Ferien, verliebte sich in die karge, arktische Inselgruppe und lebt heute mit seiner Familie dort. Wer hierherkomme, bezahle schnell einmal 80 Franken für ein Souvenir, rechtfertigt er den Preis des Gletscherwassers. Umweltschützer kritisieren das Produkt, weil die Produktion von Mineralwasser weit weg vom Ort der Konsumation umwelt- und klimaschädlich und gerade in der Arktis besonders unsinnig sei. Doch Qureshi entgegnet, er lege grossen Wert auf Nachhaltigkeit. Seine Firma sei als CO2-neutral zertifiziert, der CO2-Ausstoss für Produktion und Transport würden kompensiert durch Investitionen in Projekte zur Verbesserung der Wasserqualität in Uganda sowie in Windkraft in China.

Die aufgefischten Eisbrocken würden sowieso im Meer schmelzen und seien zu klein, dass sich Eisbären darauf aufhalten könnten. «Svalbardi» nehme also keine Eingriffe in die Natur vor. Im Gegenteil, sagt der Geschäftsführer, ihm liege viel daran, ein Bewusstsein für die Svalbard sehr stark betreffenden Klimaveränderungen und die fragile arktische Natur zu schaffen.

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