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ATOMSTREIT: Korea-Konflikt spitzt sich weiter zu

Nach dem jüngsten nordkoreanischen Raketentest hat US-Präsident Donald Trump China vorgeworfen, nichts gegen Pjöngjangs fortwährende Provokationen zu unternehmen. Die Vorwürfe klingen wie eine Rechtfertigung für einen Präventivschlag.
Angela Köhler, Tokio
Nordkorea feuerte am vergangenen Freitag erneut eine Interkontinentalrakete ab. (Bild: EPA)

Nordkorea feuerte am vergangenen Freitag erneut eine Interkontinentalrakete ab. (Bild: EPA)

Angela Köhler, Tokio

Der schwelende Korea-Konflikt hat sich am Wochenende weiter zugespitzt. Washington reagiert heftig auf den jüngsten Test einer Interkontinentalrakete Nordkoreas vom Freitag, die angeblich auf eine Reichweite von 11000 Kilometern oder mehr ausgerichtet sein soll und damit faktisch die gesamten USA erreichen könnte. Washington schickte daraufhin zwei B-1B-Bomber von einem Air-Force-Stützpunkt in Texas als Drohung.

Die USA legen es jetzt offenbar auf eine Machtdemonstration an, um dem Regime in Pjöngjang, aber auch dessen chinesischen Schutzherren zu zeigen: bis hierher und nicht weiter. Zum ersten Mal seit Ausbruch des Atom- und Raketenkonflikts auf der koreanischen Halbinsel patrouillierten im Luftraum an der Grenze zwischen Nord- und Südkorea eigens dafür herangeführte US-Bomber, begleitet von südkoreanischen Kampfjets. Bereits beim Überfliegen Japans waren auch zwei japanische Kampfjets beteiligt. Bisher hatten sich die drei gegen Diktator Kim Jong Un Verbündeten auf eine eher symbolische Kampfbereitschaft mit der Entsendung von Flugzeugträgern und Raketenmanövern beschränkt.

Als gezielte Eskalation zu bewerten sind auch die heftigen Verbalattacken von Präsident Trump. Er sei «sehr enttäuscht von China», twitterte Trump. «Bisher tun sie nichts für uns mit Nordkorea, lediglich reden.» Bis jetzt hatte das Weisse Haus mit Rücksicht auf die diplomatischen und die Handelsbeziehungen zu Peking darauf verzichtet, die chinesische Führung direkt zu attackieren. Nun werfen die USA der Schutzmacht Pjöngjangs vor, «Hunderte Milliarden Dollar jährlich durch Handel mit Nordkorea erwirtschaftet» zu haben. Und als direkte Drohung fügte der Präsident hinzu: «Wir werden das nicht länger zulassen. China könnte dieses Problem leicht lösen.»

Südkorea erlaubt Aufbau von Raketenabwehr

Politische Beobachter in Tokio und Seoul sehen darin eine vorgezogene Rechtfertigung für einen möglichen einseitigen Präventivschlag der USA. In Militärkreisen ist jetzt die Rede von einer verstärkten Stationierung «strategischer Mittel» und dem «treffgenauen Einsatz taktischer Raketen». Was unter «strategischen Mitteln» zu verstehen ist, kann leicht nachvollzogen werden. Die neue linksliberale Regierung in Seoul wird den USA den Aufbau weiterer vier Raketenabwehrbatterien genehmigen, obwohl Präsident Moon im Wahlkampf genau gegen dieses Abwehrsystem zu Felde gezogen war.

Nach Nordkoreas vorangegangenem Raketenstart am 4. Juli hatten sich die USA und Südkorea bei einem Manöver noch darauf beschränkt, Diktator Kim mit dem Abschuss eigener Raketen zu demonstrieren, dass sie auf eine glaubwürdige Verteidigung vorbereitet sind. Signale deuten nun aber darauf hin, dass auch militärische Mittel für einen Präzisionsschlag gegen nordkoreanische Abschussrampen und vielleicht sogar den Kommandostand von Führer Kim getestet wurden. In einem Manövercommuniqué heisst es, diese Waffen seien «bei jedem Wetter sehr kurzfristig für zeitkritische Aufgaben einsetzbar». Zudem fällt in einer Pressemitteilung über das Telefongespräch der beiden ranghöchsten US-Generäle im pazifischen Raum mit Südkoreas Generalstabschef der Satz auf, man habe «ausnahmslos alle militärischen Optionen diskutiert». Damit wird auch klarer, was CIA-Chef Mike Pompeo vor wenigen Tagen mit seiner kryptischen Andeutung gemeint haben könnte, ein «Regimewechsel» in Nordkorea sei wünschenswert, und es sei sinnvoll, Kim Jong Un auszuschalten, weil er das Kernproblem um Nordkorea sei.

Der CIA-Chef machte den Diktator auch wörtlich für die jüngste Eskalation verantwortlich. «Es wäre schön, die koreanische Halbinsel zu denuklearisieren. Aber das Gefährlichste an ihnen ist die Person, in deren Hand sie heute sind. Aus unserer Sicht ist es deshalb am wichtigsten, die beiden voneinander abzugrenzen. Also die Technik von jemandem zu trennen, der sie vielleicht tatsächlich einsetzen will, diese Verbindung zu zerschlagen.»

Pompeo räumt aber auch ein, dass er einen Sturz von Kim Jong Un nicht wirklich als Patentlösung oder «ungetrübte Freude» für die USA empfinde, weil unübersehbare Folgen möglich seien. Zu diesem Kalkül muss auch gehören: Nordkorea könnte in ein Chaos gestürzt werden, das eine Flüchtlingswelle auslöst. Ein Grosskonflikt würde ausserdem sehr wahrscheinlich Chinas militärisches Eingreifen provozieren, und es besteht die reale Gefahr, dass die bereits fertigen Atombomben und Raketen auf geheimen Wegen in die Hände des Irans oder anderer interessierter Staaten gerieten.

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