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ATTENTAT: Breivik-Ausstellung holt Entsetzen wieder an Oberfläche

Norwegen gedenkt vier Jahre nach den Breivik-Attentaten der Opfer. Wie heikel dies ist, zeigt sich gerade in diesen Tagen.
Anders Breivik während seines Prozesses im August 2012. (Bild: Keystone)

Anders Breivik während seines Prozesses im August 2012. (Bild: Keystone)

Am 22. Juli ist es vier Jahre her, dass Anders Behring Breivik in Oslo mit einer Autobombe acht Personen tötete. Als Polizist verkleidet erschoss der Rechtsradikale danach auf der Insel Utöya im Sommerlager der sozialdemokratischen Jugendorganisation AUF 69 Menschen. Ein Trauma, von dem sich Norwegen längst noch nicht erholt hat. Wie heikel der Umgang damit ist, zeigte sich diese Woche, als eine Ausstellung Proteste auslöste, bevor sie überhaupt eröffnet wurde.

Seit längerem war klar, dass am 22. Juli ein Informationszentrum eröffnet werden sollte; im Regierungsviertel, in dem Breivik mehrere Ministerien zerstörte. Nun wurde bekannt, dass dort Trümmer des Bombenautos ausgestellt werden, dazu Breiviks falsche Polizeiuniform und sein «Werkzeugkoffer» mit mehreren Magazinen für sein Maschinengewehr. Die Reaktionen sind heftig. «Ein Breivik-Museum? Nein danke», erklärte der Anwalt John Elden. Er hat 115 Angehörige im Gerichtsprozess gegen Breivik vertreten, als dieser 2012 zu 21 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Angestellte, die beinahe getötet wurden, sollten nicht täglich an den Attentäter erinnert werden, sagte Elden: «Eine Gedenkstätte ist vernünftig, aber wir müssen der Opfer gedenken, nicht des Täters.» Ein Sprecher der Grünen warnte vor einer «Pilgerstätte für Rechtsextreme». Der Buchautor und Breivik-Experte Kjetil Stormark sagte der Zeitung «Dagbladet», die Ausstellungsstücke dürften «Breivik-Sympathisanten wie die Fliegen anziehen». Auch andere Experten sagten, Breivik gelte auf rechtsextremen Websites als Kultfigur.

Wissen als «wichtigste Waffe»

Die Ausstellung wird deshalb gesichert und überwacht. Der zuständige Minister für Kommunales, Jan Tore Sanner, verteidigte aber das Konzept. Es handle sich nicht um eine Gedenkstätte, sondern um ein Informationszentrum. Und Wissen über das Geschehene sei die «wichtigste Waffe im Kampf gegen Gewalt und Extremismus». Man habe, erklärte der für die Ausstellung verantwortliche Historiker Tor Fagerland, bewusst auf interpretierende Texte verzichtet, sondern einzig Auszüge aus dem Gerichtsurteil gegen Breivik verwendet. «Aber es ist klar, es schmerzt, dies zu lesen.» Für AUF-Chef Mani Hussaini zeigt die Ausstellung die «nackte Wahrheit über den 22. Juli», der nun einmal ein unfassbar brutaler Tag gewesen sei. Er verstehe aber, so der 27-Jährige, dass nicht alle dies aushielten. Auch die Präsidentin der Angehörigenvereinigung sagte, sie erhalte sehr gemischte Reaktionen. Es werde für direkt Betroffene geschlossene Führungen geben mit Personal zur psychischen Betreuung.

Auf «Gräbern herumtrampeln?»

Eine heftige Debatte gibt es um die 40 Kilometer von Oslo entfernt gelegene Insel Utöya. Dorthin kehrt das AUF-Treffen Anfang August zum ersten Mal seit dem Massaker zurück. 2014 fand das Ferienlager, in dem Jusos seit Generationen zu Spiel, Spass und politischen Diskussionen zusammenkommen, einige Kilometer von Utöya entfernt statt. Doch die AUF-Spitze hat eine Rückkehr auf die kleine Insel seit langem geplant – auch, um Breivik «nicht siegen zu lassen». Einige alte Gebäude sind nun abgebrochen worden, es ist ein Neubau mit multifunktionalen Räumen entstanden. Das frühere Café, wo viele Jugendliche den Tod fanden, blieb erhalten. Zentral ist auch ein Mahnmal, ein zwischen Bäumen aufgehängter Metallkreis mit den Namen der Getöteten.

Angehörige und Überlebende wehren sich allerdings bis heute gegen eine Rückkehr. Man dürfe nicht auf Gräbern herumtrampeln, sagte eine Mutter, die ihren Sohn auf Utöya verlor. Cathrine Lie, die mit ihrer Schwester auf der Insel war, als diese getötet wurde, spricht von Verzweiflung: Die AUF «löscht eine Erinnerung» an den Ort der Trauer, sagt die heute 20-Jährige, die selber von Kugeln getroffen wurde. Mit dem Umbau werde die Insel völlig unpassend zu einer Art Vergnügungspark.

AUF-Chef Hussaini anerkennt, dass man zunächst zu forsch vorgegangen sei. Doch nun sei die Zeit reif – und eine Mehrheit der AUF wünsche sich, nach Utöya zurückzukehren. «Wir wollen uns an die Menschen, die wir verloren haben, erinnern – aber auch an die guten Stunden von früher.» Zukünftigen Generationen könne man deutlich machen, dass die AUF als Antwort auf den Attentäter ihre Ideale weiterhin hochhalte.

Niels Anner, Kopenhagen

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