Auch China schiesst sich ins eigene Knie

Asienkorrespondent Felix Lee zum drohenden Handelskrieg zwischen China und den USA.

Felix Lee, Peking
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Felix Lee

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Wie unter Raufbolden im Kindergarten: Auf Schlag folgt Gegenschlag.Zwar scheint die US-Regierung ein Stück weit zurückzurudern. Donald Trumps neuer Wirtschaftsberater Larry Kudlow sagte gestern, die angekündigten Massnahmen seien nur Vorschläge. Es gebe noch jede Menge Verhandlungsspielraum. Dennoch droht der Streit in den nächsten Wochen zu einem handfesten Handelskrieg auszuarten.

Denn inzwischen feuert China kräftig zurück. Nur wenige Stunden nachdem die US-Regierung eine Liste mit 1333 chinesischen Produkten vorgelegt hat, auf die ein Strafzoll in Höhe von 25 Prozent erhoben werden soll, konterte die chinesische Führung am Mittwoch mit einer eigenen Liste. Und die steht der amerikanischen in nichts nach.

Sojabohnen, Rindfleisch, Autos, Chemikalien, Tabak, Orangensaft, aber auch symbolstarkes wie Whiskey oder Flugzeuge – 106 US-Produkte listet Chinas Führung auf, die sie mit Strafzöllen in gleicher Höhe zu belegen gedenkt – sollte die US-Regierung ihre Drohung wahr machen und nach den bereits verhängten Strafzöllen auf Stahl und Aluminium auch die Einfuhr von Autos, Fernsehern und industriellen Vorprodukten aus China belasten.

Was dabei auffällt: Die Strafzölle der USA zielen vor allem auf Produkte der chinesischen Hochtechnologie-Industrien ab, darunter der Maschinenbau, die Raumfahrt sowie die Informa­tions- und Kommunikationstechnik. Dabei handelt es sich ausgerechnet um jene Branchen, in denen die chinesische Führung mit ihrer Strategie «Made in China 2025» zur Weltspitze aufsteigen will. Mit dem Instrument des Strafzolls will die US-Regierung Chinas Aufstieg zur technologischen Supermacht stoppen.

Das könnte allerdings nach hinten losgehen. Laut dem China-Analysten Arthur Kroeber vom Pekinger Wirtschaftsberatungsinstitut Gavekal haben gerade US-Techfirmen zuletzt besonders kräftig im Reich der Mitte investiert. Es sei halt schwierig, «Strafzölle zu finden, die China mehr schaden als den USA», sagt Kroeber. Mit Strafzöllen auf Soja und Rindfleisch will China wiederum vor allem den ländlichen Raum in den USA treffen – Trumps Kern­wählerschaft. Sojabohnen gehören zu den profitabelsten landwirtschaftlichen Export­gütern der USA.

Doch auch für China könnte diese Massnahme nach hinten losgehen. Die Sojabohne ist seit Jahrhunderten neben Reis eines der wichtigsten Nahrungsmittel der Chinesen. Hinzu kommt der rasant gestiegene Fleischkonsum. Aktuell beziehen sie rund 70 Prozent ihres Sojaverbrauchs aus dem Ausland, ein Drittel davon aus den USA. «Nur Bra­silien hat ähnlich grosse Kapa­zitäten, hat sein Limit jedoch bereits erreicht», sagt der chi­nesische Ökonom Shi Hanbing. Sollten die Strafzölle auf US- Soja in Kraft treten, werde es in China einen Engpass geben. Die Folge: ein massiver Preisanstieg bei Soja und Fleisch.

China könnte jedoch noch in anderer Hinsicht als Verlierer aus dem Handelsstreit hervorgehen. Denn mit der Kritik an China wegen Technologieklau, Joint-Venture-Zwang und anderer Formen des Protektionismus stehen die USA keineswegs alleine da. Auch europäische Unternehmen kritisieren den ungleichen Marktzugang in der Volksrepublik.

Westliche Diplomaten in Peking halten es daher für möglich, dass China sich doch gezwungen sieht, Konzessionen zu machen. Vorschläge in diese Richtung hat der chinesische Vizepremier Liu He Anfang März in Washington bereits gemacht. Zu der Zeit war das Weisse Haus noch nicht verhandlungsbereit. Das ist jetzt anders. Das Geschacher kann also beginnen.

Felix Lee, Peking