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Auch Frankreich zieht Truppen aus Syrien ab

Emmanuel Macron muss in Syrien eine empfindliche Niederlage einstecken. Der Einfluss Frankreichs in der Region schwindet.
Stefan Brändle aus Paris
Der französische Präsident Emmanuel Macron. (Bild: Ludovic Marin/EPA, Paris, 13. Oktober 2019)

Der französische Präsident Emmanuel Macron. (Bild: Ludovic Marin/EPA, Paris, 13. Oktober 2019)

Das Communiqué aus dem Élysée-Palast ist bewusst vage gehalten: «Massnahmen werden ergriffen, um die Sicherheit des militärischen und zivilen Personals von Frankreich im Nordosten Syriens zu gewährleisten» Welche Massnahmen Präsident Emmanuel Macron nach einer Geheimsitzung mit dem militärischen Krisenstab beschlossen hat, unterliegt keinem Zweifel: Es kann sich nur um einen geordneten Rückzug von mehreren hundert Soldaten handeln.

Ohne die logistische und nachrichtendienstliche Hilfe der Amerikaner sind Frankreichs Luftwaffe und Spezialeinheiten in Syrien nicht mehr einsatzfähig. Dasselbe gilt für die britischen Verbände, die nach unbestätigten Meldungen den amerikanischen Einheiten folgen und ihrerseits Syrien verlassen.

Für Frankreich ist der Schritt besonders hart: Mit seiner Militärmission wollte die ehemalige Mandatsmacht in Syrien (1920-1946) einen gewissen Einfluss aufrechterhalten. Vor allem aber sollte dieser Einsatz gefährliche IS-Dschihadisten von Frankreich und seinen Banlieue-Vierteln fernhalten.

Diese Strategie droht nun zu scheitern, wie auch Aussenminister Jean-Yves Le Drian einräumt: «Die Offensive der Türkei gefährdet fünf Jahre Einsatz gegen den IS.» Macron meinte ohne diplomatische Umschweife, die einseitige Operation der Türkei müsse «sofort aufhören». Denn sie könne nur den IS-Milizen helfen, ihr Kalifat wieder aufzubauen.

Viele Franzosen in IS-Gefangenenlager

Frankreich steht unter dem Eindruck des jüngsten Messer-Attentates in Paris. Macron kündigte einen entschlossenen Kampf gegen die «islamistische Hydra» an. Dazu passen Meldungen über «Rückkehrer» aus Syrien schlecht. Der Ex-Chef der französischen Polizei, Frédéric Péchenard, erklärte, ein «beträchtlicher Teil» der 2500 ausländischen IS-Kämpfer, die sich in kurdischer Haft befänden, seien Franzosen. Wenn sie in Freiheit kämen, sei das für Frankreich «äusserst besorgniserregend».

Diese Befürchtung erklärt Macrons Wut auf den türkischen Präsidenten Recep Tayyib Erdogan aber nur zum Teil. Die Franzosen verlieren auch ihre kurdischen Verbündeten an den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Ihre Doppelstrategie gegen den IS wie auch gegen das syrische Gewaltregime droht nun doppelt zu scheitern.

Bereits werden in Paris Stimmen laut, die eine Annäherung an Damaskus für unumgänglich erachten – eine Schmach für Frankreich, das den Amtsverzicht Assads seit Jahren zur Vorbedingung für jede politische Befriedung macht. Der Pariser Sicherheitsexperte Jean-Dominique Merchet meint deshalb, das französische Engagement in Syrien ende in einem Fiasko: «Kaum je in der jüngeren Geschichte haben wir einen solchen Einbruch Frankreichs erlebt.»

Macrons Ärger über die Türkei zeuge von seiner Ohnmacht, denn ohne die USA könnten die Franzosen und Briten in Syrien und Irak nichts bewirken.

Auch gegen die Türkei hat Frankreich nichts in der Hand. Paris will zwar wie Berlin keine Waffen mehr nach Ankara liefern. Ein EU-Embargo scheiterte aber am Widerstand der Briten. Ausserdem wahrt Erdogan das Drohmittel der Syrien-Flüchtlinge. In Paris herrscht der Eindruck, in Syrien nach dem militärischen Sieg über die IS-Milizen über Nacht auf die Verliererseite gelangt zu sein.

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