Terror in Christchurch
Auch Kinder und Flüchtlinge unter den 49 Todesopfern

Bei dem Mordanschlag auf zwei Moscheen in Neuseeland hat der mutmasslich rechtsextremistische Täter auch mehrere Kinder getötet. Dies teilte Premierministerin Jacinda Ardern am Samstag bei einem Besuch in der Stadt Christchurch mit.

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In Christchurch haben Trauernde Blumen zum Gedenken an die Opfer niedergelegt.

In Christchurch haben Trauernde Blumen zum Gedenken an die Opfer niedergelegt.

MICK TSIKAS

Einen Tag nach der Terror-Attacke machte sie sich vor Ort ein Bild von der Lage. Insgesamt 39 Menschen lagen noch mit Schusswunden in verschiedenen Spitälern der neuseeländischen Grossstadt. Elf davon befanden sich in Intensivbehandlung.

Ardern kam auch mit Vertretern der muslimischen Gemeinschaft zusammen. Vermutet wird, dass es sich bei allen 49 Todesopfern um Muslime handelt. Mit etwa 50'000 Gläubigen - darunter viele Einwanderer aus Staaten wie Pakistan und Bangladesch - sind Muslime in Neuseeland eine Minderheit.

Unter den Todesopfern des Attentats sind auch Flüchtlinge, die erst vor kurzem aus Ländern wie Syrien nach Neuseeland gekommen waren. Beim Besuch eines Flüchtlingsheims mit Muslimen sagte Ardern: "Neuseeland ist in Trauer vereint." Abermals sprach sie von einem "terroristischen Akt". Der Pazifikstaat mit knapp fünf Millionen Einwohnern war bislang von Terrorismus und Amokläufen weitgehend verschont geblieben.

Lasche Waffengesetze

Als Konsequenz aus dem Anschlag verschärft die neuseeländische Regierung das Waffenrecht. "Unsere Waffengesetze werden sich ändern", kündigte Ardern an.

In dem Pazifikstaat darf man bislang nach einer Überprüfung durch die Behörden schon mit 16 Jahren Waffen besitzen. Dazu benötigt man einen Waffenschein, muss die Waffen aber nicht alle einzeln anmelden.

Der mutmassliche Täter, ein seit mehreren Jahren in Neuseeland lebender Australier, hatte einen Waffenschein. Er war auch Mitglied in einem Schützenverein.

Verdächtiger vor Gericht

Dem 28-Jährigen wird vielfacher Mord zur Last gelegt. Er sitzt nun in einem Untersuchungsgefängnis. Bei einer Verurteilung droht ihm lebenslange Haft. Nach aktuellem Stand der Ermittlungen scheint er die Schüsse in den Moscheen alleine abgefeuert zu haben.

Zum Gerichtstermin wurde der mutmassliche Täter in Handschellen und weisser Häftlingskleidung vorgeführt. Dabei zeigte er das "Okay"-Zeichen in die Kameras, wie es in der englischsprachigen Welt verbreitet ist: Daumen und Zeigefinger zusammengehalten, die anderen Finger abgespreizt.

Nach neuseeländischen Medienberichten äusserte er sich zu den Vorwürfen nicht. Am 5. April soll es den nächsten Gerichtstermin geben.

Einen Tag nach den Terroranschlägen auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch ist der 28-jährige Australier Brenton Tarrant am Samstag offiziell des Mordes beschuldigt worden.
37 Bilder
Der Australier Brenton Tarrant (28) ist ein Todesschütze beim Attentat von Christchurch/Neuseeland. Der Rechtsextreme hat sich bei den Taten selbst gefilmt und dies im Video live gestreamt.
Trauernde vor einem Spital in Christchurch.
Eine Frau, die beim Attentat ihren Ehemann verlor, ist fassungslos.
Blumenmeer von Trauernden in Christchurch.
Diese Nachricht wurde vor dem Spital in Christchurch niedergelegt.
«Das ist nicht Neuseeland»: Vor der Al Noor Masjid Moschee in Christchurch haben Trauernde Blumen zum Gedenken an die Opfer niedergelegt.
Nach Augenzeugenberichten hatte ein Mann zunächst in einer Moschee in der Innenstadt um sich geschossen, wo sich Hunderte Muslime zum Freitagsgebet versammelt hatten.
Später fielen auch noch in einer anderen Moschee Schüsse. Es handelte sich um die Masjid-al-Noor-Moschee im Stadtzentrum und um eine Moschee im Vorort Linwood.
Am Tag nach dem Attentat ist Tarrant vor Gericht erschienen.
Blumenmeer für die Opfer.
Menschen trauern um die Opfer.
Menschen trauern um die Opfer.
Forensiker vor der Al Noor Masjid-Moschee in Christchurch.
Vorbild für Brenton Tarrant: Der norwegische Massenörder Anders Breivik.
Ebenso Vorbild für Brenton Tarrant: Radovan Karadzic, serbischer Kriegsverbrecher.
Die Masjid Al Noor Mosque-Moschee in Christchurch.
Sicherheitskräfte riegelten nach der Tat die komplette Innenstadt von Christchurch ab,
Neuseeländische Medien berichteten von Dutzenden Toten und Verletzten: Um 9.30 Uhr lag die Zahl der Todesopfer bei 49.
Rechter Terror in Neuseeland: Ein Mann weint, als er die Schreckensnachricht am Telefon erzählt.
Die Sicherheitskräfte gaben bekannt, dass vier Verdächtige festgenommen worden seien.
Es handele sich um drei Männer und eine Frau.
Im Internet kursieren ein Video und verschiedene Botschaften, die angeblich von einem der Täter stammen.
Dies ist ein weiterer Screenshot aus dem Video.
Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern verurteilte den Angriff aufs Schärfste. Die sozialdemokratische Politikerin sprach von einem der "dunkelsten Tage" in der Geschichte ihres Landes.
Australiens Premierminister Scott Morrison bestätigt, dass einer der Täter ein Australier ist. Der Angriff sei von einem "extremistischen, rechtsgerichteten, gewalttätigen Terroristen" verübt worden, sagte Morrison er.
Zeugen eines Anschlags werden von der Polizei eskortiert.
Rechter Terror in Neuseeland.
Rechter Terror in Neuseeland.
Rechter Terror in Neuseeland.
Rechter Terror in Neuseeland.
Rechter Terror in Neuseeland.
Rechter Terror in Neuseeland.
Rechter Terror in Neuseeland.
Rechter Terror in Neuseeland.
Rechter Terror in Neuseeland.
Rechter Terror in Neuseeland.

Einen Tag nach den Terroranschlägen auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch ist der 28-jährige Australier Brenton Tarrant am Samstag offiziell des Mordes beschuldigt worden.

KEYSTONE/EPA SNPA POOL/MARTIN HUNTER / POOL

Manipulierte Schnellfeuerwaffen

Christchurch steht immer noch unter Schock. In der Nähe der Tatorte legten viele Menschen Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Insgesamt war es in der Stadt jedoch viel ruhiger als an normalen Samstagen. Viele Geschäfte blieben geschlossen.

Nach bisherigem Ermittlungsstand drang der Täter zunächst in die Al-Nur-Moschee ein, in der sich mehr als 300 Menschen zum Freitagsgebet versammelt hatten. Dort schoss er mit mindestens zwei Schnellfeuerwaffen um sich und tötete 41 Menschen. Ardern zufolge hatte er die Waffen manipuliert, um die Schusskraft zu erhöhen.

Anschliessend fuhr er zu einer zweiten Moschee und brachte acht weitere Menschen um. Mit einer Helmkamera filmte er die Tat und übertrug sie live ins Internet. Das Video davon ist 17 Minuten lang.

Weitere Gewalttaten geplant

Der Premierministerin zufolge wollte der Schütze dann auch noch anderswo morden. "Er hatte absolut die Absicht, seine Attacke fortzuführen", sagte Ardern.

Nachdem er die zweite Moschee verlassen hatte, sei er aber in seinem Auto von der Polizei gestoppt worden. Dort wurden auch zwei weitere Feuerwaffen und Sprengstoff sichergestellt.

Nach Angaben der Polizei vergingen vom ersten Alarm bis zur Festnahme 36 Minuten. Unklar blieb, ob zwei andere Verdächtige, die ebenfalls schon am Freitag festgenommen wurden, mit dem Australier in Kontakt standen.

Im Internet kursiert auch ein 74-seitiges "Manifest" mit rechtsextremen Parolen, das von dem Australier stammen soll. Die Ermittler bestätigten bislang allerdings nicht, dass er tatsächlich der Urheber des Schreibens ist.