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Grossbritannien: Aufstehen gegen
den Brexit

Die Finanzmanagerin Gina Miller will mit einer zweiten Volksabstimmung den britischen EU-Austritt verhindern.
Sebastian Borger, London
Die Vermögensverwalterin Gina Miller mischt sich engagiert ins politische Leben ein. (Bild: Will Oliver/EPA; 8. Dezember 2016)

Die Vermögensverwalterin Gina Miller mischt sich engagiert ins politische Leben ein. (Bild: Will Oliver/EPA; 8. Dezember 2016)

«Rise» heisst Gina Millers neues Buch, was man als «Aufstieg» übersetzen könnte oder als Aufforderung zum «Aufstehen!». Kein schlechter Name für eine neue politische Bewegung in Zeiten von Emmanuel Macrons «En Marche». Tatsächlich ist die aus dem südamerikanischen Guyana stammende 53-jährige Britin Miller ein hochpolitischer Mensch. Als Vermögensverwalterin im Londoner Finanzzen­trum City eckte sie an mit einer Kampagne gegen die «legalisierte Plünderung» von Pensionsfonds durch die grossen Banken und musste sich in Anlehnung an die Giftspinne als «Schwarze Witwe» beschimpfen lassen. Für die oppositionelle Labour-Party schrieb sie 2015 mit am Programm für die später verloren gegangenen Parlamentswahlen. Und schliesslich beteiligte sie sich schon früh an der Kampagne für Grossbritanniens EU-Verbleib im Vorfeld des Referendums im Juni 2016.

Dass sie anschliessend vor Gericht zog,um die Beteiligung des Londoner Parlaments am Austrittsprozess zu erzwingen, hat sie ins Rampenlicht der Öffentlichkeit katapultiert. Sowohl der High Court wie zuletzt auch der Supreme Court gaben Miller Recht und fügten der Regierung von Premierministerin Theresa May eine blamable Niederlage zu. Diese hatte sich auf das «königliche Vorrecht» berufen und Termin und Konditionen des EU-Austritts allein bestimmen wollen.

Allerlei anzügliche Gerüchte

Auf die Blamage reagierten fanatische EU-Hasser und die sie unterstützenden Medien giftig. Rechte Boulevardblätter wie «Sun» und «Daily Mail» sprachen von einer «fremden Elite» – Miller ist dunkelhäutig – und streuten allerlei anzügliche Gerüchte über die toughe Finanzmanagerin. Fanatische EU-Hasser stellten ihr in den asozialen Netzwerken eine Massenvergewaltigung und die Enthauptung in Aussicht; Millers drei Kindern, darunter eine behinderte Tochter, werde man «die Kehle durchschneiden». Ob sie zwischendurch aufgeben wollte? Natürlich habe sie manchmal im stillen Kämmerlein geweint und sich um die Kinder sorgen gemacht, sagt die makellos gekleidete Frau. Aber hinschmeissen? «Je schlimmer man mich beleidigt, desto härter kämpfe ich.»

Der neue Kampf gilt nun einem zweiten Brexit-Referendum, bei dem Miller aber drei Optionen zur Wahl stellen will: die für den Herbst in Aussicht gestellte Vereinbarung zwischen Regierung und EU, den als «no deal» bekannten Chaos-Brexit und den EU-Verbleib, der aber an Reformen geknüpft sein solle. Zur Untermauerung ihrer Hoffnung, ein neues Referendum werde anders ausgehen als vor zwei Jahren, verweist Miller auf die damaligen Abstimmungsmuffel sowie auf rund zwei Millionen junge Menschen, die seither die Volljährigkeit erreichten und der EU viel positiver gegenüber stehen als Britinnen über 65 Jahre. Nach vielen Reisen durchs Land wisse sie: «Die Stimmung hat sich definitiv verändert.» Um die Führung der kleinen liberaldemokratischen Partei bewerben, wie kürzlich zu lesen war, will sich Miller nicht: «Die Parteipolitik ist nichts für mich.» Aber vielleicht Chefin von Rise? Eine neue politische Bewegung sei gewiss möglich, sagt sie. «Aber zunächst müssen wir die Brexit-Schlacht schlagen.»

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