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Nationalisten wehren sich gegen Nordmazedonien

Mazedonien und Griechenland haben ihren 27 Jahre alten Namensstreit beigelegt. Doch in beiden Ländern mobilisieren Nationalisten ihre Anhänger gegen das Abkommen.
Rudolf Gruber, Wien

Das Treffen von Präsident Gjorge Ivanov mit Premier Zoran Zaev dauerte ganze zwei Minuten. Ivanov zeigte kein Interesse an der Lösung des Namensstreits, die Zaev Dienstagabend mit dem griechischen Premier Alexis Tsipras erzielt hatte. Ivanov steht der nationalistischen Opposition nahe und gilt als devoter Gefolgsmann von Ex-Premier Nikola Gruevski, der im Mai 2017 nach elf Jahren an der Macht abgewählt worden war. Dessen Partei VRMO-DPMNE wirft Zaev «Kapitulation vor Griechenland» vor, er habe für Mazedonien einen «falschen Sieg» ausgehandelt. Die griechischen Nationalisten wiederum werfen Tsipras Verrat am antiken Erbe Makedoniens vor.

Seit Beginn des Jahres haben sich die Linksregierungen in Athen und Skopje schrittweise angenähert. Tsipras und Zaev, die sich auch politisch gut verstehen und der gleichen Generation angehören, waren entschlossen, diesen leidigen Nachbarschaftskonflikt endlich beizulegen. Rund drei Monate haben beide Premiers zuletzt um eine Lösung gefeilscht, ehe es Dienstagabend schliesslich hiess: «Wir haben uns geeinigt.» Und zwar auf den neuen Staatsnamen «Republika Severna Makedonija» – Republik Nordmazedonien.

Damit ist die provisorische Bezeichnung FYROM (deutsch: «Ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien») Geschichte, mit der sich der Kleinstaat auf der Balkanbrücke seit der Unabhängigkeit von Jugoslawien 1991 hatte abfinden müssen.

Hymne und Flagge bleiben unverändert

Am Wochenende wollen die beiden Regierungschefs auf einem Gipfeltreffen am Prespasee im Dreiländereck Mazedonien-Albanien-Griechenland das Abkommen unterzeichnen, um so dessen Bedeutung für die Stabilität der Region zu unterstreichen. Ein weiterer Punkt der Einigung: Der neue Name soll nicht nur für beide Nachbarn, sondern für alle Staaten gelten. Die Landessprache soll künftig Nordmazedonisch genannt werden, mit der einschränkenden Fussnote, dass es sich um eine slawische Sprache handle, die nichts mit dem hellenistischen Makedonien zu tun habe. Hymne und Flagge bleiben gleich. Das Autokennzeichen ändert sich von MK auf NMK.

Nationalisten in Skopje und Athen werden sich weiterhin um den Alleinanspruch um das Erbe des antiken Königreichs streiten, dessen Grenzen einstmals die nördlichen und südlichen Regionen der heutigen Nachbarländer umfassten.

Ein Meilenstein auf dem Weg zum EU-Beitritt

Im Laufe der Gespräche hat Premier Zaev einer Verfassungsänderung zugestimmt, die garantieren soll, dass Skopje hinkünftig keinerlei territoriale Ansprüche auf die gleichnamige griechische Nordprovinz erheben werde. Worauf auch Tsipras einlenkte: Er hob das eherne Gesetz der letzten 27 Jahre, wonach der nördliche Nachbarstaat den Namen Mazedonien nicht verwenden dürfe, auf und gab sich mit der geografischen Anfügung «Nord» zufrieden. «Alle Vorbedingungen der griechischen Seite sind erfüllt», so der griechische Premier.

Die Vereinbarung muss vorher allerdings noch hohe Hürden nehmen – und könnte letztlich daran scheitern. Erst wenn das Parlament in Skopje das Abkommen ratifiziert hat, wird in Athen darüber abgestimmt. Danach wird Premier Tsipras die Blockade gegen Mazedoniens Beitritt zu EU und Nato auflösen; der Balkanstaat ist seit 2005 EU-Beitrittskandidat. Der nationalistischen Opposition im Parlament kontert Zaev mit einem Referendum im Herbst, bei dem er auch mit der Zustimmung der albanischen Volksgruppe, die rund ein Viertel der Bevölkerung ausmacht, rechnen kann. «Es gibt keinen Weg zurück mehr», liess Zaev verlauten.

Es ist grotesk: Die meisten EU- und Nato-Staaten sowie die Nachbarländer Bulgarien, Albanien und Kovoso begrüssen die Beilegung des Namensstreits einhellig als «historischen Schritt». Nur die beiden Länder, die dies betrifft, sind darüber zutiefst gespalten.

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