Anschlag in Berlin

Automatisches Bremssystem beendete die Amokfahrt

Die Polizei hat in Berlin einen möglichen Kontaktmann des mutmasslichen Attentäters Anis Amri festgenommen. Ausserdem hat sich gezeigt, dass die Amok-Fahrt dank des automatischen Bremssystems endete.

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Terroranschlag mit LKW an Berliner Weihnachtsmarkt (19.12.2016)
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Der Lastwagen kracht durch die Gasse zwischen den Buden und überfährt Menschen. Nach 60 bis 80 Metern durchbricht er die linke Reihe der Buden und kommt halb auf der Budapester Strasse zum Stehen.
Der Fahrer klettert aus dem LKW und flüchtet. Ein zweiter Mann bleibt bewegungslos auf dem Beifahrersitz sitzen.
Mindestens 12 Menschen sterben, etwa 50 werden verletzt.
Ein Grossaufgebot von Rettungskräften kümmert sich um die Verletzten nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt.
Die Polizei sperrt den Breitscheidplatz weiträumig ab. Die Kriminalpolizei beginnt mit ersten Untersuchungen des Tatorts.
Notärzte und Sanitäter versorgen verletzte Menschen. Die Feuerwehrleute decken Leichen ab.
20:56 Uhr: Eine Polizeistreife aus einem Funkwagen nimmt einen Verdächtigen nahe der Siegessäule fest. Der Mann war nach einem Medienbericht von einem Zeugen durch den Tiergarten verfolgt worden, der gleichzeitig über sein Telefon die Polizei verständigte. Der Verdächtige wird in den folgenden Stunden befragt.
Medien berichten vom Ort des Geschehens. Im Hintergrund die Berliner Gedächtniskirche.
Der Morgen danach: Der Lkw-Anhänger neben zerstörten Weihnachtsstände und -hütten.
Der polnische Lastwagen war von Turin nach Berlin gefahren.
Route des Lastwagens von Turin nach Berlin – und dort zum Breitscheidplatz
Die Zugmaschine des Lastwagens, deren Windschutzscheibe zersplittert ist, wird am Morgen nach der Tat abgeschleppt und soll weiter untersucht werden.
18.54 Uhr am 20.12.: Der festgenommene Verdächtige kommt wieder frei. Die bisherigen Ermittlungsergebnisse hätten keinen dringenden Tatverdacht gegen den Beschuldigten ergeben, teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit.
Augenzeugen hätten den Lastwagenfahrer nach dem Anschlag nicht lückenlos verfolgt, die kriminaltechnischen Untersuchungen hätten ausserdem bislang keinen Beleg erbracht, dass der Mann im Führerhaus des Lastwagens gewesen sei.
20.13 Uhr: Fast genau 24 Stunden nach dem Anschlag nimmt die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) den Angriff für sich in Anspruch. Der Täter sei ein "Soldat des Islamischen Staates" gewesen, meldete das IS-Sprachrohr Amak.
Die Menschen trauern in Berlin um die Opfer des Terroranschlags.
Die Bundeskanzlerin schreibt in der Gedächtniskirche ins Kondolenzbuch.
Bundeskanzlerin Angela Merkel legt am Berliner Weihnachtsmarkt Blumen nieder, neben ihr Innenminister Thomas de Maiziere (CDU), Aussenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Berlins Bürgermeister Michael Müller.
Bundeskanzlerin Angela Merkel und andere legen Blumen nieder.
Nach dem Anschlag werden an den Weihnachtsmärkten die Sicherheitsmassnahmen verschärft.
Der Spediteur und Besitzer des Todes-Lastwagens erteilt den Medien Auskunft. Er ist auch der Cousin des LKW-Chauffeurs. Die Polizei geht davon aus, dass der Täter bei einem Kampf im Fahrerhaus des Camions mit dem polnischen Chauffeur verletzt worden ist und den Polen tötete.
Das Brandenburger Tor leuchtet am Abend nach dem Anschlag in den Berliner Farben.
21.12.2016: Zwei Tage nach dem Terroranschlag von Berlin wird ein tunesischer Tatverdächtiger öffentlich zur Fahndung ausgeschrieben: Es handelt sich um den 24-jährigen Anis Amri. Für Hinweise wurden bis zu 100'000 Euro Belohnung ausgeschrieben.
Der Name Anis Amri war auf einem Ausweisdokument im Fahrerhaus des Lastwagens gefunden worden, mit dem am Montag der Anschlag verübt wurde. Nach Informationen aus Sicherheitskreisen hatte der Tatverdächtige mehrere Identitäten genutzt.
MIt Kerzen und Blumen trauert Berlin um die Opfer.
Berlin trauert - hier mit Kerzen auf dem Breitscheidplatz im alten Westberliner Zentrum.
Am 23. Dezember wird Anis Amri bei einer Polizeikontrolle in Mailand getötet. Um 3 Uhr wollen ihn Polizisten kontrollieren, da zieht er eine Waffe, schiesst und verletzt einen Polizisten. Der andere Polizist verfolgt den Terroristen und erschiesst ihn.

Terroranschlag mit LKW an Berliner Weihnachtsmarkt (19.12.2016)

Keystone

Die deutschen Ermittler haben offenbar Anhaltspunkte, dass der mutmassliche Attentäter von Berlin ein Netzwerk gehabt hatte. Die Bundesanwaltschaft liess deshalb einen möglichen Kontaktmann des tatverdächtigen Tunesiers festnehmen.

"Die weiteren Ermittlungen deuten darauf hin, dass er in den Anschlag eingebunden gewesen sein könnte", erklärte die Bundesanwaltschaft am Mittwoch in Karlsruhe. Die Telefonnummer des 40-jährigen Tunesiers fand sich auf dem sichergestellten Handy des mutmasslichen Attentäters. Bis zum Donnerstag werde nun geprüft, ob Haftbefehl gegen den Mann beantragt werde.

Einem Sprecher der Bundesanwaltschaft zufolge wurde der Mann in Berlin festgenommen. Auch dessen Wohn- und Geschäftsräume wurden durchsucht.

Parallel prüfen die Ermittler, ob Anis Amri bei seiner Flucht auch durch die Niederlande reiste. Im Rucksack des am Freitag in Italien erschossenen Tunesiers wurde eine niederländische SIM-Karte gefunden, wie die Nachrichtenagentur dpa von Ermittlern in Mailand erfuhr.

Amri war den bisherigen Ermittlungen zufolge am Montag vor Weihnachten mit einem Lastwagen über den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche im Herzen Berlins gefahren. Elf Menschen starben dabei, 55 wurden verletzt.

Automatisch gebremst

Zudem wurde der polnische Lastwagen-Fahrer erschossen auf dem Beifahrersitz gefunden. Er soll am Freitag beigesetzt werden. Zunächst war spekuliert worden, dass der Pole während des Anschlags noch am Leben gewesen war und Schlimmeres verhindert habe.

Deutsche Medien berichteten nun am Mittwoch, dass der Tunesier dem polnischen Chauffeur schon vor Anschlagsbeginn in den Kopf geschossen habe. Dass der Lastwagen nach rund 80 Metern zum Stillstand gekommen war sei einem automatischen Bremssystem zu verdanken. Dieses reagiere auf einem Aufprall und betätige automatisch die Bremsen, meldeten die "Süddeutsche Zeitung" und die Sender NDR und WDR unter Berufung auf Ermittler.

Vier Tage nach dem Anschlag hatten italienische Polizisten den tatverdächtigen Tunesier Freitagnacht in Sesto San Giovanni nördlich von Mailand erschossen, nachdem dieser bei einer Personenkontrolle das Feuer auf die Beamten eröffnet hatte.

Mit Fernbus geflüchtet

Französische Medien berichteten, dass Amri per Fernbus aus den Niederlanden ins ostfranzösische Lyon gereist sei, bevor er von dort nach Italien fuhr. Nach Mailand reiste er über Turin: Die italienische Polizei veröffentlichte auf Twitter ein Foto, auf dem er am Turiner Bahnhof Porta Nuova am vergangenen Donnerstagabend von hinten zu sehen ist. Er ist alleine in der Bahnhofshalle unterwegs.

Amris Leiche befindet sich italienischen Ermittlern zufolge nach wie vor in der Gerichtsmedizin in Mailand, da die Obduktion noch nicht abgeschlossen ist.

In Rom soll in den kommenden Tagen geklärt werden, ob Amri mit derselben Waffe auf die Polizisten in Mailand schoss, mit der auch der Lastwagenfahrer beim Terroranschlag am Berliner Breitscheidplatz getötet wurde.

Noch immer ist unklar, warum sich Amri nach Italien absetzte. Die Behörden prüfen derzeit, ob der 24-Jährige im Land Unterstützer hatte. Er war 2011 als Flüchtling nach Italien gekommen, wurde zu einer Haftstrafe von vier Jahren verurteilt und verbüsste diese in verschiedenen Gefängnissen.