Frankreich
Aviatik-Experte: «Piloten versuchten wohl keine Notlandung»

In Südfrankreich ist eine A320 von «Germanwings» abgestürzt. 150 Menschen waren an Bord. Die Unfallursache ist noch unklar. Für Aviatik-Experte Sepp Moser ist eher unwahrscheinlich, dass die Piloten eine Notlandung versuchten.

Stefanie Suter
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Für Aviatiker Sepp Moser ist es eher unwahrscheinlich, dass die Piloten eine Notlandung versuchten.

Für Aviatiker Sepp Moser ist es eher unwahrscheinlich, dass die Piloten eine Notlandung versuchten.

zvg/Keystone

Am Dienstag ist ein Flugzeug der deutschen Fluggesellschaft Germanwings abgestürzt. Höchstwahrscheinlich sind alle 150 Menschen an Bord umgekommen. Was könnte an Bord der A320 passiert sein?

Darüber kann ich nur spekulieren. Die A320 sank stetig und scheinbar kontrolliert – als ob der Autopilot dementsprechend eingestellt worden wäre und die eingegebene Route aus irgendeinem Grund nicht mehr geändert wurde. Das ist rätselhaft. Eine mögliche Erklärung wäre, dass es in der Kabine zu Druckverlust kam, beispielsweise durch eine geplatzte Fensterscheibe. Das ist höchst selten, aber nicht unmöglich. In solch einem Fall haben die Passagiere 20 Sekunden Zeit, die Sauerstoffmasken überzustreifen. Ansonsten wird man bewusstlos.

Die Piloten können ihre Masken direkt hinter ihrem Kopf ergreifen und sie innert Sekunden überstreifen. Aber vielleicht waren die Piloten aus einem anderen Grund nicht handlungsfähig und konnten deshalb die eingestellte Flugroute im Autopilot nicht mehr ändern – und die A320 sank Meter um Meter, bis sie ins Gelände krachte. Eine andere Variante geht in Richtung eines technischen Problems mit der Anzeige des Anstellwinkels. Auch in diesem Fall wäre der aufgezeichnete Flugweg aber kaum logisch erklärbar.

Die Suche nach dem Flugdatenschreiber nahm rund zehn Tage in Anspruch. Der Stimmenrekorder wurde schon kurz nach dem Absturz geborgen.
39 Bilder
72 Deutsche waren an Bord der Maschine.
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Trümmerteile liegen in der Berglandschaft
Trümmerteile am Absturzort
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Ein Hubschrauber über der Absturzstelle
Rettungskräfte in der Nähe der Absturzstelle
Rettungskräfte in der Nähe der Absturzstelle
Ein Hubschrauber sucht das Gelände ab.
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Der Airbus A320 der Germanwings, der abgestürzt sein soll.

Die Suche nach dem Flugdatenschreiber nahm rund zehn Tage in Anspruch. Der Stimmenrekorder wurde schon kurz nach dem Absturz geborgen.

Keystone

Das Flugzeug soll in den letzten Minuten über den Alpen rasch an Höhe verloren haben und von 12‘000 auf 2000 Meter gesunken sein. Versuchten die Piloten möglicherweise eine Notlandung?

Das ist eher unwahrscheinlich. Der Versuch einer Notlandung hätte die Piloten bestimmt nicht in Richtung der Hochalpen weiter fliegen lassen, sondern von diesen weg ins Tiefland. 20 Minuten vor dem Absturz flog die A320 der Germanwings nahe an Marseille vorbei, und auch Nizza wäre relativ nah gewesen, ebenso Turin und einige Luftwaffenstützpunkte in Frankreich. All diese Flughäfen hätten sich für eine Notlandung geeignet.

Laut dem Webdienst „Flightradar“ ist das Unfall-Flugzeug 24-jährig – zu alt, um noch im Dienst zu sein?

Das ist zwar relativ alt für ein Flugzeug, soll aber nichts heissen. Um einen Vergleich zu machen: das entspricht etwa 60 Jahren bei einem Menschen. Da gewinnt man keine olympischen Spiele mehr, aber man ist noch durchaus fit. Wie alle Flugzeuge der Fluggesellschaften in West-Europa ist auch das Unfallflugzeug laufend revidiert worden. In Westeuropa sind keine Wracks unterwegs.

Kurz nach dem Unglück sprach der Französische Präsident François Hollande von einer «Tragödie». Den Liveticker zum Flugzeugabsturz finden Sie hier.