Papstwahl
Babylon in Rom: Wer italienisch spricht, ist im Vorteil

In Rom haben sich am Dienstag die Kardinäle zum Konklave versammelt. Ihre Aufgabe ist es, das neue Kirchenoberhaupt zu bestimmen. Die Chancen, gewählt zu werden sind von vielen Faktoren abhängig. Darunter auch von Sprachkenntnissen.

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Kardinäle aus der ganzen Welt sorgen für Sprachenvielfalt

Kardinäle aus der ganzen Welt sorgen für Sprachenvielfalt

Keystone

Nicht alle Kirchenmänner sind so sprachbegabt wie der zurückgetretene Papst Benedikt XVI., oder wie sein verstorbener Vorgänger Johannes Paul II.

In welcher Sprache werden sich die Kardinäle aus Europa, Amerika, Asien, Afrika und Ozeanien unterhalten? Das altehrwürdige Latein spricht nur noch eine Minderheit der Geistlichen. Und auch Italienisch, neben dem Lateinischen zweite Amtssprache des Vatikan, sprechen nur wenige perfekt.

Ein Pilger auf dem Petersplatz
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Unzählige Medienleute berichten vor Ort
Auftakt zur Papst-Wahl
Die Kardinäle betreten die Sixtinische Kapelle
Schweizer Gardisten bewachen das Konklave
Tausende harren im Regen aus
Auftakt zur Papst-Wahl
Auftakt zur Papst-Wahl
Auftakt zur Papst-Wahl
Auftakt zur Papst-Wahl
Auftakt zur Papst-Wahl
Auftakt zur Papst-Wahl
Auftakt zur Papst-Wahl

Ein Pilger auf dem Petersplatz

Keystone

Daher dürfte so mancher Kardinal einfach bei seiner Muttersprache bleiben - auf die Gefahr hin, nicht verstanden zu werden. Bis zum Beginn des Konklaves halfen nach Angaben des Vatikans Dolmetscher den Kardinälen aus aller Welt bei ihren Diskussionen.

Eingeschlossen in der Sixtinischen Kapelle sind sie aber auf sich selbst angewiesen. Wer seine Gedanken da nicht gewandt auf italienisch ausdrücken kann, könnte im Nachteil sein. Schlechtes oder kein Italienisch dürfte selbst den besten Papst-Kandidaten disqualifizieren.

Grundkenntnisse unabdingbar

Damit auch alle Teilnehmer mitbekommen, was gerade auf der Tagesordnung steht, war es in früheren Konklaven offenbar Brauch, sich in Sprachgruppen oder nach Kontinenten aufgeteilt zusammenzusetzen. Diese Praxis wird wahrscheinlich auch ab Dienstag wieder aufleben.

Dennoch sind gewisse Grundkenntnisse des Lateinischen weiter unabdingbar. Die Kardinäle tagen "cum clave" ("mit Schlüssel"), also "in Klausur". Und der Kardinalprotodiakon, der nach erfolgreicher Wahl auf den Balkon des Petersdoms tritt, kleidet die frohe Botschaft traditionell in die Formel "Habemus Papam" ("Wir haben einen Papst").

Latein war über Jahrhunderte die Sprache der Kirche und ist es offiziell auch heute noch. Doch seit den späten 1960er Jahren, als Reformen Messen auch in der jeweiligen Landessprache ermöglichten, befindet sich Latein unter den Kirchenleuten auf dem Rückzug.

Neue Umgangssprache muss gefunden werden

Die beiden Konklaven 1978 waren die letzten, in denen die Umgangssprache unter den überwiegend alten Kardinälen noch Lateinisch war. Ob Italienisch als Umgangssprache funktioniert, wird sich nun beim derzeitigen Konklave zeigen.

Von den 115 Kardinälen, die an der Papstwahl beteiligt sind, kommen 28 aus Italien. Viele andere haben Italienisch an theologischen Instituten oder Universitäten in Rom studiert, an denen sie ihre Kirchenkarriere begannen.

Unter den Kardinälen im Konklave sind auch 19 Lateinamerikaner. Einige Beobachter glauben, dass der neue Papst aus dieser Region kommen könnte. Als einer der Favoriten wird dabei der Kardinal aus Honduras, Oscar Andres Rodriguez Maradiaga, genannt.

Wie Johannes Paul II., der erste Nicht-Italiener als Papst seit 455 Jahren, spricht auch Rodriguez Maradiaga mehrere Sprachen, darunter Italienisch und Deutsch - er studierte nämlich in den siebziger Jahren Psychotherapie und Klinische Psychologie in Innsbruck.