Stuttgart 21
Bahnhof Stuttgart besetzt – und gleich geräumt

Trotz des Starts der Schlichtungsgespräche ist es am Wochenende erneut zu massiven Protestaktionen gegen das umstrittene Bahnprojekt «Stuttgart 21» gekommen.

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Keystone

Im Anschluss an eine friedliche Kundgebung besetzten rund 60 Aktivisten am Samstagabend den Südflügel des Stuttgarter Hauptbahnhofs.

Sie hatten eine Zugangstür der ehemaligen Expressguthalle aufgebrochen und waren so in den Südflügel gelangt, wo sie sich verbarrikadierten. Die Aktivisten wollten damit gegen den weiteren Abriss des Bahnhofs protestieren und hielten ein Plakat mit der Aufschrift «Schluss jetzt, wir stoppen ‹Stuttgart 21›» aus einem Fenster. Wer zu dieser erneuten Aktion aufgerufen hatte, blieb unklar. Schliesslich räumte die Polizei mit rund 300 Einsatzkräften das besetzte Gebäude. Ein Beamter erlitt dabei einen Fingerbruch, als ein Aktivist mit einem Gegenstand auf ihn einschlug. Von allen rund 60 Aktivisten wurden die Personalien festgestellt. Sie müssen mit einer Anzeige wegen Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung rechnen. Mehrere hundert Personen blockierten zudem einen zivilen Einsatzwagen der Polizei.

Schlichter Heiner Geissler kritisierte unterdessen die Entscheidungsprozesse. Er sagte: «Staatliche Entscheidungen bei solch gravierenden Projekten ohne Einbindung der Bürger gehören dem vorherigen Jahrhundert an.» Die Schlichtung sei ein deutliches Signal dafür, «dass in Deutschland die Zeit der Basta-Entscheidungen vorbei ist.» (ddp)