Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

BALKAN: Mord an serbischem Politiker beendet Dialog zwischen Kosovo und Serbien

Nach über einem Jahr Funkstille sind gestern Vertreter Kosovos und Serbiens wieder an einem Tisch gesessen – bis der Mord am serbischen Politiker Oliver Ivanovic in Mitrovica die Gespräche jäh beendete.
Dominik Weingartner
epa06442632 (FILE) - Serb politician in Kosovo, the former State Secretary for Kosovo and Metohija and a subject of a controversial war crimes trial and retrial, Oliver Ivanovic, gestures during an interview in Belgrade, Serbia, 14 December 2015 (reissued 16 January 2018). The prominent Ivanovic was shot in front of his office in Mitrovica, Kosovo, 16 January 2018, according to media reports. EPA/ANDREJ CUKIC (Bild: Andrej Cukic / EPA)

epa06442632 (FILE) - Serb politician in Kosovo, the former State Secretary for Kosovo and Metohija and a subject of a controversial war crimes trial and retrial, Oliver Ivanovic, gestures during an interview in Belgrade, Serbia, 14 December 2015 (reissued 16 January 2018). The prominent Ivanovic was shot in front of his office in Mitrovica, Kosovo, 16 January 2018, according to media reports. EPA/ANDREJ CUKIC (Bild: Andrej Cukic / EPA)

Ein Mord stellt den fragilen Frieden im Kosovo auf die Probe. Der als moderat geltende serbische Politiker Oliver Ivanovic ist am Dienstagmorgen in Mitrovica im Norden des Landes erschossen worden. Fünf Kugeln, die von einem Auto aus abgefeuert wurden, trafen den 64-Jährigen vor der Zentrale seiner Partei SDP. Lokale Medien zeigten am Dienstag Bilder eines ausgebrannten Autos, von dem aus die Schüsse abgegeben worden sein sollen. Dennoch war bis Dienstagabend unklar, wer hinter dem Mordanschlag steckt.

Auch die Hintergründe waren nicht bekannt. Trotzdem schossen die Spekulationen kurz nach dem Anschlag ins Kraut. Ein politischer Mord ist durchaus denkbar. Ivanovic hatte viele Feinde, sowohl unter Serben als auch unter Kosovaren. Bereits 2005 war ein Anschlag auf ihn verübt worden – ein Sprengsatz zerstörte das Auto des Politikers. Der Anschlag auf Ivanovic erfolgte just an dem Tag, an dem die Regierungen Serbiens und des Kosovos erstmals seit über einem Jahr wieder über die Normalisierung der Beziehung der beiden Länder sprachen.

Vucic: Attacke auf alle Serben

Noch immer anerkennt Serbien die ehemalige Provinz, die sich 2008 für unabhängig erklärt hat, nicht an. Serbische Medien berichteten am Dienstag, dass die ­serbische Delegation nach Bekanntwerden des Mordes die ­Gesprächsrunde in Brüssel verlassen habe. Der Leiter der Delegation, Marko Djuric, bezeichnete das Attentat als «kriminelle, terroristische Tat gegen das gesamte serbische Volk».

Serbiens Präsident Aleksandar Vucic berief eine Dringlichkeitssitzung des Nationalen Sicherheitsrates ein. «Serbien be­trachtet den Anschlag als Akt des ­Terrorismus und wird ihn entsprechend behandeln», sagte er laut dem Portal «Balkan Insight» gegenüber Medienvertretern. Weiter sprach er von einer Attacke auf «alle Serben». Aussenminister Ivica Dacic sagte, der Mord gefährde nicht nur die Stabilität im Norden Kosovos, sondern «der ganzen Region.» Hashim Thaci, Präsident des Kosovos, verurteilte den Mord an Ivanovic gemäss dem Onlineportal der ­kosovarischen Zeitung «Koha ­Ditore». Er appellierte an die Bürger aller Gemeinden im Norden des Landes, mit den Justizbehörden zu kooperieren, damit diese den Mord so schnell wie möglich aufklären können.

Mitrovica – die geteilte Stadt

In Mitrovica gibt es immer wieder Spannungen zwischen Serben und Kosovo-Albanern. Die Polizei sperrte nach dem Mord grosse Teile des vor allem von Serben bewohnten Nordens der Stadt ab. Von den 85'000 Einwohnern gehören 13'000 der serbischen Minderheit an. Im Kosovo leben bei einer Gesamtbevölkerung von 1,8 Millionen Einwohnern rund 120'000 Serben.

Oliver Ivanovic war eine durch­aus kontroverse Figur. Wegen seiner Rolle im Kosovokrieg zwischen Februar 1998 und Juni 1999 wurde er 2014 auf Antrag der EU-Mission für Polizei und Justiz (Eulex) verhaftet und 2015 zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren verurteilt. Ivanovic wurde vorgeworfen, serbische Paramilitärs zur Tötung von vier Kosovo-Albanern angestiftet zu haben. Im Februar 2017 kassierte das Appellationsgericht in Pristina das Urteil und ordnete einen neuen Prozess an.

Trotz seiner umstrittenen Vergangenheit galt Ivanovic nach dem Krieg als wichtiger Vermittler zwischen Serben und Kosovaren. Er war einer der wenigen serbischen Politiker im Kosovo, der Albanisch sprach und die Politik der Regierung in Belgrad öffentlich kritisierte. Im Parlament in Pristina vertrat er die serbische Minderheit im Land. Später war er als Staatssekretär in der serbischen Regierung zuständig für den Kosovo.

Dominik Weingartner

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.