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Bauern stellen sich gegen Bolsonaro

Der Präsident gefährde brasilianische Exporte, befürchten die Landwirte.
Philipp Lichterbeck aus Rio de Janeiro
Ist seit Anfang Jahr Brasiliens Präsident: Jair Bolsonaro. (Bild: AP)

Ist seit Anfang Jahr Brasiliens Präsident: Jair Bolsonaro. (Bild: AP)

Die riesigen Feuer im Amazonasbecken lassen Brasiliens Bauern nervös werden. Sie haben die entsetzten Reaktionen im Ausland registriert und fürchten nun, dass ihnen Absatzmärkte verloren gehen könnten. In internationalen Medienberichten werden sie für die Brände mitverantwortlich gemacht. Der Vorwurf lautet: Die Bauern brennen den Amazonaswald ab, um ihre Anbau- und Weideflächen illegal auszudehnen.

Von Präsident Jair Bolsonaro würden sich die Bauern wünschen, dass er beschwichtigend auf Brasiliens Handelspartner einwirkt. Stattdessen aber giesst der Präsident Öl ins Feuer. Angela Merkel, sagte er beispielsweise, solle sich lieber um die Aufforstung Deutschlands kümmern, als sich in die Angelegenheiten Brasiliens einzumischen. Zuletzt sorgte Bolsonaro für Kopfschütteln, als er Emmanuel Macrons Frau Brigitte beleidigte, weil diese 25 Jahre älter ist als ihr Ehemann. Ein Vergleich mit seiner 29 Jahre jüngeren Ehefrau sei für Frau Macron eine «Demütigung», so Bolsonaro.

Diese Pöbeleien passen Brasiliens Landwirten immer weniger. Sie sehen sich als das wirtschaftliche Rückgrat des Landes. Fast die Hälfte aller Exporte stammt aus der Landwirtschaft, angeführt von Kaffee, Sojabohnen, Rindfleisch, Zuckerrohrzucker, Ethanol und Hühnchenfleisch. Sie bringen jährlich rund 85 Milliarden Dollar ein. Rund 20 Prozent der Exporte gehen in die EU. Bolsonaro setzt diese Handelsbeziehungen nun aufs Spiel.

Boykottaufrufe in Europa

Wie unzufrieden die Bauernschaft ist, zeigt die Reaktion von Blairo Maggi. Er ist Brasiliens grösster Sojabauer. In einem Interview sagte er, dass er sich weniger Lärm aus dem Präsidentenpalast wünschte. Brasilien laufe Gefahr, seine Abnehmer in Europa zu vergraulen. Tatsächlich gibt es bereits Boykottaufrufe gegen brasilianische Agrarprodukte. Der wirtschaftsfreundliche britische «Economist» schrieb unter dem Titel «Totenwache für den Amazonas», dass die Konsumenten Fleisch und Soja meiden sollten, das auf illegal gerodeten Flächen produziert wurde. Brasiliens Bauern fürchten, dass das Freihandelsabkommen zwischen der EU und der südamerikanischen Handelsunion Mercosul scheitert. Macron hat sich bereits dagegen ausgesprochen.

Für Brasiliens Bauern kommt all das extrem ungelegen. Sie zweifeln zunehmend daran, ob Bolsonaro noch der beste Vertreter ihrer Interessen ist. Im Wahlkampf gehörte Brasiliens Agrarindustrie zu dessen grössten Unterstützern. Er hatte ihnen versprochen, keine Indio-Reservate mehr auszuweisen, weil die Ureinwohner oft Land beanspruchen, das die Bauern bewirtschaften. Zudem hat Bolsonaro fast 300 neue Pestizide zugelassen, von denen einige in der EU und den USA verboten sind. Nun merken die Bauern, wie wichtig im internationalen Handel Image und Nachhaltigkeit geworden sind.

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