Belarus
Lukaschenko zwingt Flugzeug zur Landung und lässt Blogger festnehmen

Mit einer beispiellosen Operation hat Alexander Lukaschenko, Präsident von Belarus, ein Flugzeug der Ryanair zur Landung gezwungen. Dann liess er einen von ihm gesuchten oppositionellen Blogger festnehmen. International ist das Entsetzen gross.

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Alexander Lukaschenko sorgt für Empörung. (Archiv)

Alexander Lukaschenko sorgt für Empörung. (Archiv)

Maxim Guchek / Belta Pool / EPA

(dpa) Behörden in der autoritär regierten Republik Belarus haben ein Flugzeug auf dem Weg von Athen nach Vilnius (Litauen) umgeleitet und in der Hauptstadt Minsk zur Landung gezwungen. An Bord der Passagiermaschine der Fluggesellschaft Ryanair war unter den mehr als 100 Passagieren auch der vom belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko international gesuchte Blogger Roman Protassewitsch. Er wurde nach Angaben des Menschenrechtszentrums Wesna auf dem Airport festgenommen. Der Vorfall löste in der EU breites Entsetzen aus.

Oppositionelle sprachen von einem beispiellosen Eingriff in den internationalen Luftraum. Auch der regierungskritische Nachrichtenkanal Nexta (Gesprochen Nechta) bestätigte die Festnahme seines Mitbegründers und früheren Redakteurs, der an Bord einer Ryanair-Maschine gewesen sei.

Protassewitsch sei schon in Athen vor dem Einstieg ins Flugzeug verfolgt worden, hiess es. Lukaschenko habe mit einem Verstoss gegen alle Gesetze ein Flugzeug «gekapert», kritisierte der Kanal. Nexta forderte Ryanair auf, den Vorfall aufzuklären.

Eine solche Maschine wurde zur Landung gezwungen.

Eine solche Maschine wurde zur Landung gezwungen.

Boris Roessler / dpa

Wie die Airline auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilt, sei die Besatzung des Fluges von belarussischer Seite über eine mögliche Sicherheitsbedrohung an Bord in Kenntnis gesetzt und angewiesen worden, zum nächstgelegenen Flughafen in Minsk zu fliegen.

Die Maschine sei sicher gelandet, und die Passagiere seien von Bord gegangen, während die lokalen Behörden Sicherheitsüberprüfungen erledigt hätten. Von einer angeblichen Bombe fehlte aber jede Spur.

Mit mehr als achtstündiger Verspätung landete die Maschine schliesslich um 21.25 Uhr in Vilnius.

Kampfjet begleitete Flugzeug

Der frühere Kulturminister Pawel Latuschko, der in der EU als Oppositioneller im Exil ist, sagte unter Berufung auf seine Kontakte, dass die Flugleitzentrale in Minsk den Piloten mit einem Abschuss der Maschine gedroht habe, wenn sie nicht landen. Dazu sei auch ein mit Raketen bewaffneter Kampfjet MiG-29 aufgestiegen, um das Flugzeug zur Umkehr und auf den Boden zu zwingen.

Dass ein Kampfjet aufstieg, haben die Behörden in Minsk zwar bestätigt, nicht aber die Drohung gegen die Piloten.

Thema am EU-Sondergipfel

Das Auswärtige Amt in Berlin forderte eine Erklärung zu der ausserplanmässigen Landung. Die EU-Spitzen verurteilten die Umleitung der Maschine. «Es ist absolut inakzeptabel, den Ryanair-Flug von Athen nach Vilnius zu zwingen, in Minsk zu landen», schrieb EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen am Sonntag auf Twitter. Verletzungen der internationalen Luftverkehrsregeln müssten Konsequenzen haben.

Der Pole Morawiecki schrieb, die «Entführung eines Zivilflugzeugs» sei ein «beispielloser Akt von Staatsterrorismus» und könne nicht ungestraft bleiben. Litauens Präsident Gitanas Nauseda forderte die sofortige Freilassung des Aktivisten Protassewitsch. «Das ist ein nie dagewesener Vorfall (...) Das Regime von Belarus steht hinter dieser abscheulichen Aktion», schrieb er auf Twitter.

Die erzwungene Flugzeug-Landung und mögliche Sanktionen gegen Belarus werden am Montagabend Thema bei einem ohnehin geplanten EU-Sondergipfel in Brüssel. EU-Ratspräsident Charles Michel werde den Vorfall thematisieren, teilte sein Sprecher am Sonntagabend mit. «Konsequenzen und mögliche Sanktionen werden bei dieser Gelegenheit diskutiert.»