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Deutschland: Belastungsprobe
für «AKK»

Annegret Kramp-Karrenbauer muss die gespaltene CDU schnell einigen. Hohe Verluste für die Partei bei den Wahlen 2019 könnten ihre Karriere ins Stocken bringen.
Christoph Reichmuth, Berlin
Kramp-Karrenbauer nach ihrer Wahl zur CDU-Chefin vergangenen Freitag in Hamburg. (Bild: F. Strangmann/EPA)

Kramp-Karrenbauer nach ihrer Wahl zur CDU-Chefin vergangenen Freitag in Hamburg. (Bild: F. Strangmann/EPA)

Annegret Kramp-Karrenbauer muss sich noch daran gewöhnen, nun endgültig zur Politprominenz zu gehören. Im Telefonbuch der 18000-Einwohner-Gemeinde Püttlingen im Saarland findet sich noch heute ihre Nummer und Adresse unter «Karrenbauer Helmut und Kramp-Karrenbauer Annegret». Seit AKK, wie sie genannt wird, am Freitag an die Spitze der CDU gewählt worden ist, klingelt in Püttlingen mehrmals am Tag das Telefon der Karrenbauers. «Nicht wenige Bürger verletzen dabei», erzählt AKK, «die Grenze des guten Umgangs und Geschmacks». Da die 56-Jährige gerade selten zu Hause ist, treffen die Wutbürger-Anrufe vor allem ihren Mann.

Die Nummer jener Frau, die vielleicht in ein paar Jahren ins Kanzleramt einziehen wird, im öffentlichen Telefonbuch? Ein zu schöner Gedanke an eine heile Welt, die es vermutlich nicht einmal mehr in Provinznestern wie Püttlingen gibt. Kramp-Karrenbauer wird den Eintrag nun wohl löschen lassen.

Partei mit zwei Lagern

Die Anekdote passt gut ins Bild einer Frau, die fast unbemerkt eine steile Politkarriere im winzigen Saarland hingelegt hat, und nun plötzlich als Kanzlerin in spe gehandelt wird. Im beschaulichen Püttlingen ist AKK mit fünf Geschwistern in einem katholischen Haushalt aufgewachsen. Hier, wo jeder jeden kennt, ist sie geblieben, abgesehen von Abstechern fürs Studium der Politik- und Rechtswissenschaften nach Trier und Saarbrücken.

«S Annegret», wird sie in der Gemeinde bis heute gerufen. Und wo die Heimat so klar definiert ist, lässt man eben auch seine Telefonnummer im öffentlichen Verzeichnis stehen. Auch dann, wenn man – wie AKK – in dem an Frankreich grenzenden Bundesland mit nicht einmal 1 Million Einwohnern zuvor 18 Jahre lang in der saarländischen Regierung mitgewirkt hatte, zuletzt als Ministerpräsidentin. Erst im Februar dieses Jahres wechselte sie in die Parteizentrale nach Berlin, um sich als Generalsekretärin zu betätigen.

Als Vorsitzende der vielleicht letzten verbliebenen Volkspartei in Deutschland ist AKK wahrscheinlich auch die kommende Kanzlerkandidatin der CDU. Jedenfalls dann, wenn es ihr gelingt, die Partei zu einen und Wahlen erfolgreich zu gestalten. Die Erwartungen sind gross – ebenso der Druck, der auf Kramp-Karrenbauer lastet. Ihre Wahl zur Nachfolgerin Merkels erfolgte beim CDU-Parteitag äusserst knapp. 52 Prozent votierten für AKK, 48 Prozent für den Wunschkandidaten des CDU-Wirtschaftsflügels und der meisten Konservativen, Friedrich Merz.

Am Ende des Parteitages war die CDU aufgeteilt in zwei Lager. Die Anhänger Friedrich Merz’ hofften, dass sich die Partei unter dem früheren Fraktionschef auf deutlich konservativere Werte zurück besinnt.

Merkels Wunschnachfolgerin AKK hingegen steht eher für die Beibehaltung des Mitte-Kurses. Sozialpolitisch positioniert sie sich liberal, gesellschaftspolitisch hingegen zeigt sich AKK durchaus konservativ. So stellt sie sich etwa gegen die Ehe für alle und will das Werbeverbot für Abtreibungen beibehalten. In der Migrationspolitik verspricht sie einen restriktiveren Kurs als Merkel. AKK unterscheidet sich durchaus politisch, aber auch vom Auftreten her von der Kanzlerin – doch das Signal, dass sie die CDU neu aufstellen möchte, sendet sie nicht aus.

Gespräch mit Friedrich Merz

Nun ist AKK gefordert, beide Flügel in die künftige Parteipolitik zu integrieren, um die CDU geschlossen in das wichtige Jahr 2019 mit mehreren Wahlen zu führen. Dafür will sie Friedrich Merz für die Partei gewinnen, noch in dieser Woche sollen Gespräche zwischen den beiden stattfinden. Zugleich muss sie aber auch die Liberalen ansprechen, denn durch einen zu starken Rechtsruck könnte die CDU noch mehr Wähler an die erstarkten Grünen verlieren.

So oder so hat die Einigkeit der Partei – sollte AKK diese überhaupt herstellen können – bald grosse Belastungsproben zu überstehen. Im Mai 2019 stehen die Europawahlen an, im Spätsommer drei wichtige Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen. Hohe Verluste für die CDU, und die nun unterlegenen Merz-Anhänger würden ihre Unzufriedenheit lauthals kundtun.

Kramp-Karrenbauers Karriere kann also schon bald ins Stocken geraten. Oder aber ihr Weg führt von Püttlingen über Hamburg direkt ins Kanzleramt. Die Nummer direkt in ihr Büro stünde dann garantiert in keinem öffentlichen Telefonbuch.

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