BERLIN: «Die Debatte wird schärfer»

Kommentar von Christoph Reichmuth/Berlin

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Sie gedachten am Dienstag der Opfer: Der Regierende Bürgermeister Michael Müller, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundes-Innenminister Thomas de Maizière und Aussenminister Frank-Walter Steinmeier in Berlin. (Bild: Michael Sohn / Keystone (Berlin, 20. Dezember 2016))

Sie gedachten am Dienstag der Opfer: Der Regierende Bürgermeister Michael Müller, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundes-Innenminister Thomas de Maizière und Aussenminister Frank-Walter Steinmeier in Berlin. (Bild: Michael Sohn / Keystone (Berlin, 20. Dezember 2016))

Die Hintergründe der schrecklichen Tat vom Montagabend sind noch unklar. Der Islamische Staat reklamiert den menschenverachtenden Anschlag für sich, doch bestätigt ist die Urheberschaft nicht. Eines lässt sich mit Sicherheit sagen: Der oder die Täter haben mit dem Massenmord am Weihnachtsmarkt auf unsere freie Art zu leben gezielt. Die Terroristen würden ihr Ziel erreichen, wenn sich die Gesellschaft durch solch tragische Ereignisse auseinanderdividieren liesse. Zumindest in den ersten Stunden der Trauer und des Schocks gab es gestern in Berlin Zeichen, dass das Gegenteil davon geschieht: Die Menschen rückten in diesem schweren Moment zusammen.

Einige Politiker schafften es allerdings nicht, sich wenigstens so lange mit politischen Forderungen zurückzuhalten, bis die Hintergründe der Tat geklärt sind. «Es sind Merkels Tote!», twitterte ein Politiker der Alternative für Deutschland. Der Versuch, aus dieser Tragödie politisches Kapital zu schlagen, ist zu verurteilen. Zumal unklar ist, wer hinter dem Anschlag vom Montag steht. Nichtsdestotrotz wird die Debatte über die Sicherheit im Land durch das Ereignis an Schärfe zulegen. Dabei wird, unabhängig von den Hintergründen der jetzigen Tat, die Zuwanderungsfrage aufs Tapet gehievt. Zu konstatieren wird sein, dass im Zuge der Flüchtlingskrise nicht nur Schutzsuchende und Verfolgte nach Deutschland gekommen sind. Es gibt Menschen, die sich hier radikalisieren oder mit der Absicht nach Deutschland gekommen sind, ein Blutbad anzurichten. Die Anschläge von Ansbach, Würzburg und das knapp vereitelte Attentat von Leipzig sind ein klares Indiz, dass das Sicherheitsgefüge im Land gelitten hat.