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BERLIN: Steinbrück kommt vor Kanzlerduell in Fahrt

Gut die Hälfte der Deutschen wird am Sonntag das Kanzlerduell verfolgen. Der ZDF-Chef hat Angst, dass einer allen die Show stiehlt: TV-Blödler Stefan Raab.
Christoph Reichmuth, Berlin
Plakate der beiden Kanzlerkandidaten in Duisburg. Bisher vermochte Steinbrück aber Merkel nicht in Bedrängnis zu bringen. (Bild: Keystone)

Plakate der beiden Kanzlerkandidaten in Duisburg. Bisher vermochte Steinbrück aber Merkel nicht in Bedrängnis zu bringen. (Bild: Keystone)

Der laue Wahlkampf in Deutschland hat zuletzt Fahrt aufgenommen. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sei Dank. Kurz vor dem Showdown am 22. September plapperte er wie aus dem Nichts bei einem Wahlkampfanlass über ein drittes Hilfspaket für die Griechen, das sich nicht vermeiden liesse. Angela Merkel versuchte zu beschwichtigen. Zu spät. Die Kanzlerin habe das wahre Ausmass der Griechenland-Hilfe verschweigen wollen, polterte die Opposition aus SPD und Grünen. Kommt es zu einem Schuldenschnitt? Wie viele Milliarden drohen die Deutschen zu verlieren?

Für neutrale Beobachter hatte Schäubles Äusserung etwas Gutes. Denn zuvor gestaltete sich der Versuch der Opposition, der überlegenen Union (CDU/CSU) ein paar Wähler abzugrasen, als fast dilettantisch. Die SPD-Führung um Sigmar Gabriel (Parteichef), Frank-Walter Steinmeier (Fraktionschef) und Peer Steinbrück (Kanzlerkandidat) harmonierte nicht. In Umfragewerten blieben die Sozialdemokraten auf den historisch tiefen 24 Prozent kleben.

Man darf Schäuble also dankbar sein, nicht zuletzt im Hinblick auf den kommenden Sonntag. Um 20.30 Uhr duellieren sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr Herausforderer Peer Steinbrück (SPD) beim TV-Kanzlerduell. Über die Hälfte der Deutschen wollen die Auseinandersetzung mitverfolgen. Es geht um den Syrien-Konflikt, die Griechenland-Hilfe, aber vor allem um innenpolitische Themen wie Bildung, Frauenquote, gesetzlichen Mindestlohn.

Kritik von ZDF-Chef an Raab

Doch das TV-Duell steht heuer unter einem besonderen Stern. Bereits seit dem Frühling wird über die von den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF sowie den privaten RTL und Pro 7/Sat 1 gestaltete Sendung gestritten. Grund ist der Entertainer Stefan Raab, der bislang mit eher dürftigen Sendeformaten wie «Schlag den Raab» oder den Weltmeisterschaften im Chinapfannen-Wettrennen auf sich aufmerksam machte. Der TV-Blödler wird für den Privatsender Pro 7 die Fragen an die Kanzlerkandidaten stellen.

Über die Auswahl des Moderators ist ZDF-Chefredaktor Peter Frey alles andere als glücklich. Er befürchtet, dass nach der Sendung nicht darüber gestritten werde, welche Person das Land künftig führen werde. «Nach der Sendung soll Deutschland nicht darüber diskutieren, ob Raab auch Politik kann. Das Duell ist keine Showbühne für die Mätzchen von Moderatoren», so Frey und fügt hinzu: «Wir brauchen fürs Duell keinen Unterhaltungsmoderator, um junges Publikum zu erreichen.»

Idee lancierte Edmund Stoiber

Doch genau das ist der Grund, weshalb Raab ins Spiel gebracht worden ist. Denn die Idee für den Moderator Raab bei der wichtigsten Politsendung hatte mit dem CSU-Ehrenvorsitzenden Edmund Stoiber ausgerechnet ein Mann, der eigentlich wissen sollte, dass Politiker nicht auf Klamauk stehen. Der 71-jährige ehemalige bayrische Ministerpräsident lancierte Raab in einem «Spiegel»-Interview im Februar. «Mein Anliegen ist es, wieder mehr junge Menschen mit Politik in Verbindung zu bringen. Da liegt es nicht fern, auch an Moderatoren zu denken, die die Jugend erreichen.»

Stoiber palaverte nicht ohne Eigeninteressen: Er ist Beiratsvorsitzender des Münchner TV-Unternehmens Pro Sieben Sat 1, bei dem Raab unter Vertrag steht. Es gäbe auch noch den Politiker Stoiber, der hinter der Idee stecke, mutmasst man: Beim ersten TV-Kanzlerduell 2002 unterlag Stoiber Kanzler Schröder deutlich. Elf Jahre später darf er das Kanzler-Duell indirekt mitbeeinflussen und späte Rache üben.

Die falsche Reaktion Steinbrücks

Das ist dem 71-Jährigen gelungen. Denn Peer Steinbrück tat genau das, was er nicht hätte tun sollen: Kaum hörte er von den Plänen, raunzte er, Raab sei ungeeignet. Das wurde dem ehemaligen Finanzminister als Arroganz dem durchschnittlichen Pro 7-Publikum gegenüber ausgelegt. Zudem hagelte es Kritik, ein Kandidat dürfte in einem freien Staat mitnichten einem Sender den Moderator diktieren. Da machte es das Kanzlerinnen-Lager geschickter: «Die Journalisten, die die Fragen stellen, werden selbstverständlich von den Fernsehsendern benannt», liess Merkel ausrichten.

Viel Narrenfreiheit wird Raab kaum geniessen. Es wird penibel darauf geachtet, dass jeder Kandidat gleich viel Redezeit hat – und die Fragenthemen sind bereits fixiert. Einen schweren Stand hat Peer Steinbrück im Duell gegen die in Deutschland beliebte Kanzlerin: In der jüngsten Umfrage würden 57 Prozent für Merkel stimmen, wenn der Kanzler direkt gewählt werden könnte. Nur 21 Prozent der Stimmen gingen auf Peer Steinbrück. Allerdings ist augenfällig, dass Kandidat Steinbrück langsam in Fahrt zu kommen scheint. Angesprochen auf das TV-Duell am Sonntag, meinte er: «Es wird sportlich, entspannt, unterhaltsam und ganz bestimmt nicht langweilig!»

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