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BERLIN: Unter den Planern des neuen Berliner Stadions taucht ein heikler Name auf

Der Sohn von Hitlers Stararchitekt Albert Speer ist in die Planung eines neuen Fussballstadions in der Hauptstadt involviert. Dabei mied man in Berlin Speer junior lange.
Das Olympia Stadion in Berlin soll künftig nicht mehr die Heimat der Hertha sein. Ein neues Stadion soll gleich nebenan entstehen. (Bild: Keystone)

Das Olympia Stadion in Berlin soll künftig nicht mehr die Heimat der Hertha sein. Ein neues Stadion soll gleich nebenan entstehen. (Bild: Keystone)

Die Heimspielstätte des Fussball-Bundesligisten Hertha BSC ist das Berliner Olympiastadion. Mehr als 70000 Personen finden in dem markanten, für die Olympischen Sommerspiele 1936 errichteten und in den 2000er-Jahren renovierten Bau Platz, der bis heute deutliche Züge nationalsozialistischer Symbolik trägt. Nun liebäugelt der Bundesligist damit, in eine neue, reine Fussballarena in unmittelbarer Umgebung des Olympiageländes umzuziehen.

Bemerkenswert: Die Machbarkeitsstudie dazu hat das renommierte Frankfurter Architektur- und Planungsbüro AS+P erstellt. AS+P steht für Albert Speer + Partner. Das international ausgerichtete und äusserst erfolgreiche Unternehmen wurde 1984 gegründet von Albert Speer junior, dem Sohn von Hitlers Stararchitekten und dem späteren Rüstungsminister Albert Speer. Ausgerechnet der heute 82-jährige Nachkomme von Hitlers Chefausstatter ist also in Vorbereitungen für einen neuen Fussballtempel involviert, der einen deutlichen Kontrast zu jenem gigantischen Oval bilden dürfte, das auf Anordnung des Diktators in den 1930er-Jahren errichtet worden war.

«Vater spielte kaum eine Rolle»

Dieser Umstand ist allerdings in Deutschland kaum mehr der Rede wert. Der Sohn des bei den Nürnberger Kriegsprozessen zu 20 Jahren Haft verurteilten Albert Speers (1905 bis 1981) scheint sich also definitiv aus dem dunklen Schatten seines Vaters befreit zu haben. Der Stadtplaner entwickelt heute Konzepte für das Leben in Grossstädten rund um den Globus, auch Bahnhöfe, Flughäfen und Regierungsgebäude wurden von Speer entworfen, mehr als 180 Mitarbeiter beschäftigt das Architekturbüro.

Noch zu Beginn seiner Tätigkeit beteiligte er sich wegen des vorbelasteten Namens anonymisiert bei Architekturwettbewerben, heute geht Speer mit seiner Familiengeschichte sehr offen um. Auf seiner eigenen Webseite thematisiert er die dunkle Vergangenheit seines Vaters, der nach dem Krieg eine Verantwortung für sein Tun übernahm, aber jegliche persönliche Schuld etwa an der Judenverfolgung leugnete. Obwohl er den berühmten Vater als Belastung empfunden hatte, entschied sich Speer junior für ein Architekturstudium. «Der Vater spielte dabei kaum eine Rolle», erinnerte er sich später in einem Interview. Anders als sein Vater und auch sein Grossvater wurde Speer junior allerdings nicht Architekt, sondern Stadtplaner.

Dass Speer heute auch für Grossprojekte in Berlin angefragt wird, war lange Zeit nicht selbstverständlich. «Ich habe nirgends mit dem Namen Speer Schwierigkeiten. Ich habe manchmal den Eindruck, dass die einzige Ausnahme davon Berlin ist. Wo man – und das kann ich auch ein bisschen nachvollziehen – vor dem Namen Speer ein bisschen Angst hat aufgrund der Vergangenheit», sagte Speer in einer Fernsehdokumentation. Gegenüber dem «Spiegel» führte er einmal aus: «Ich verstehe auch, dass es nicht in aller Welt heissen soll, Albert Speer baut in Berlin.»

Ob das neue Hertha-Stadion überhaupt realisiert und dieses dann tatsächlich von Speer gebaut wird, ist noch offen. Der Mietvertrag des Bundesligisten im Olympiastadion läuft bis ins Jahr 2025. Dass man für die Machbarkeitsstudie auf das Architekturbüro Speer zurückgegriffen habe, sei keine Besonderheit, sagt Hertha-Sprecher Marcus Jung. «Das ist ein führendes Planungsbüro, auch für Stadionbauten. Deshalb ist die Wahl auf dieses Büro gefallen. Alles andere interessiert uns nicht.»

Christoph Reichmuth, Berlin

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