Rücktritt

Berlusconi verliert seine «schönste Ministerin»

Die Fehden innerhalb von Berlusconis Partei PDL fordern ein neues, prominentes Opfer: Mara Carfagna, Gleichstellungsministerin und ehemaliges Nacktmodell, hat genug.

Dominik Straub, Rom
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Keystone

Das Fass zum Überlaufen gebracht hat Alessandra Mussolini. Die Duce-Enkelin in der Koalition von Silvio Berlusconi hatte letzte Woche ihr Handy gezückt, als Ministerin Carfa-gna im Parlament mit Italo Bocchino sprach – und schickte die Aufnahme an eine bekannte Klatsch-Website. Das von Mussolini dergestalt dokumentierte «Verbrechen» Carfagnas besteht darin, dass sie sich mit dem «Feind» unterhalten hat: Bocchino ist der Fraktionschef der von Gianfranco Fini gegründeten Gruppierung Futuro e Liberta per l’Italia (FLI).

Innerhalb des PDL wird sie als Verräterin betrachtet. «Die vulgären und bösartigen Attacken verletzen mich zutiefst», erklärte Carfagna und kündigte für den 15. Dezember ihren Rücktritt an. Das ist ein Tag nach der für den Regierungschef alles entscheidenden Vertrauensabstimmung in den beiden Parlamentskammern.

Gleichstellungsministerin

Die heute 35-jährige Carfagna ist nach ihrer Ernennung zur Gleichstellungsministerin im Frühling 2008 das Gesicht des «Systems Berlusconi» schlechthin geworden – eines Systems, das der ehemalige Forza-Italia-Parlamentarier Paolo Guzzanti schon vor dem Noemi- und dem Ruby-Skandal als «Mignottocrazia» (frei übersetzt: «Nuttokratie») bezeichnet hatte.

Carfagna wird jedoch attestiert, ihren Job als Gleichstellungsministerin bisher in Anstand erledigt zu haben. So hat sie ein Anti-Stalking-Gesetz durchgebracht und diverse Kampa-gnen gegen die Diskriminierung von Homosexuellen gestartet. Und sie hat sich auch von ihrem Mentor Silvio Berlusconi emanzipiert. Als dieser Anfang dieses Monats erklärte, er schaue lieber hübschen Mädchen hinterher, als schwul zu sein, erklärte Carfagna, dass es «opportun wäre, wenn jeder auf gewisse Sprüche verzichten würde».