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BERN: Philippe der Bange – ein allzu menschlicher König

Der König der Belgier weilt auf Staatsbesuch in der Schweiz. Allzu viel Pomp ist dem schüchternen Regenten allerdings eher unangenehm.
König Philippe von Belgien. (Symbolbild Keystone)

König Philippe von Belgien. (Symbolbild Keystone)

Royaler Besuch heute für Bundespräsidentin Doris Leuthard: Am Nachmittag empfängt sie Ihre Majestät König Philippe, König der Belgier. Begleitet von einer Regierungsdelegation ist der 57-Jährige auf Arbeitsvisite in der Schweiz. Besonderes Interesse hat der Monarch am System der dualen Berufsbildung.

Es ist der erste offizielle Besuch König Philippes in der Schweiz, seit er von seinem Vater Albert II. (83) 2013 die Nachfolge übernommen hat. Doch eigentlich hätte Philippe schon längst an der Stelle seines Vaters auf dem Thron Platz nehmen sollen. König Baudouin, der kinderlose Bruder Alberts, hatte seinen Lieblingsneffen Philippe als Nachfolger vorgesehen. Als Baudouin, von seinen Untertanen liebevoll «der einzige Belgier» genannt, 1993 überraschend verstarb, wurde Philippe jedoch Opfer eines palastinternen Ränkespiels und in der Thronfolge zu Gunsten seines Vaters zurückgestellt. Die Begründung: «Er kann es nicht.» Dem damals 33-Jährigen wurde vorgehalten, zu introvertiert, zu schüchtern für die repräsentativen Aufgaben eines Königs zu sein. Dies im Gegensatz zum Vater, der als Lebemann bekannt war und sich für schnelle Motorräder gleichermassen begeistert wie für schöne Frauen.

In der Zwischenzeit habe König Philippe viel an sich gear­beitet, heisst es. Sein Sohn sei bereit, beteuerte auch Vater Albert vor der Inthronisierung seines Sohnes am belgischen Nationalfeiertag am 21. Juli 2013. Wesentlich beigetragen zur Stärkung des königlichen Selbstbewusstseins hat Gemahlin Mathilde (44). Im Gegensatz zum hölzern und distanziert wirkenden Philippe tritt die Logopädin, die einem Grafen­ge­schlecht entstammt, stets charmant und gewinnend auf und machte ihrem Gatten vor, wie es geht.

Das Königspaar hat vier Kinder, Kronprinzessin Elisabeth (16), Gabriel (14), Emmanuel (12) und Eleonore (9). Philippe ist ein Familienmensch durch und durch. Das hat wahrscheinlich auch mit seiner Kindheit zu tun. In einem Interview 2014 räumte Albert ein, dem Prinzen ein schlechter Vater gewesen zu sein. Schuld sei die anhaltende Ehekrise zwischen ihm und seiner Frau Paola (79) gewesen. Albert: «Es gab heftige Auseinandersetzungen, es gab keine Harmonie – und darunter haben unsere Kinder sehr gelitten.» Ab seinem 11. Lebensjahr weilte Philippe deshalb in der Obhut Onkel Baudouins und dessen Gattin Königin Fabiola als Ersatzmutter. Als sie 2014 verstarb, beobachtete die Nation an der Gedenkfeier einen sichtlich gerührten König Philippe. Zu seinen Eltern und zu seinem Bruder Laurent hat er dagegen ein kühles Verhältnis.

Daneben, dass Philippe regelmässig Ferien im Walliser Skiort Verbier verbringt, hat die belgische Königsfamilie noch einen anderen Bezug zur Schweiz: 1935 kam in Küssnacht am Rigi das Auto mit König Leopold III. und seiner Gattin Astrid an Bord von der Strasse ab. Entgegen den Gepflogenheiten lenkte der König den Wagen selbst. Astrid kam beim Unfall ums Leben. Anlässlich des 80. Todestags 2015 besuchte Philippe die zu Ehren seiner Grossmutter errichtete Gedenkstätte am Vierwaldstättersee.

Remo Hess, Brüssel

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