Bernie Sanders gibt auf – jetzt heisst es: Biden gegen Trump

Nun hat auch der letzte Gegner des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden seinen Wahlkampf eingestellt. Am Mittwoch verzichtete Bernie Sanders aber vorerst darauf, seine Niederlage einzugestehen. Sein Kampf werde weitergehen, sagte er stattdessen.

Renzo Ruf, Washington
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Hat sich gegen seinen letzten innerparteilichen Herausforderer durchgesetzt: Joe Biden. Jetzt ist der Weg für das Duell gegen Präsident Trump frei.

Hat sich gegen seinen letzten innerparteilichen Herausforderer durchgesetzt: Joe Biden. Jetzt ist der Weg für das Duell gegen Präsident Trump frei.

Chris Carlson / AP

Joe Biden reagierte umgehend. Kaum hatte Bernie Sanders, sein letzter Konkurrent im Ringen um die Nomination zum demokratischen Präsidentschaftskandidaten, am Mittwoch das Handtuch geworfen, veröffentlichte Biden eine schriftliche Stellungnahme. Darin lobte der designierte Herausforderer von Präsident Donald Trump seinen Ex-Kontrahenten über den grünen Klee.

Der Senator aus Vermont sei ein Kämpfer, ein Mann, der sich buchstäblich seit Jahrzehnten für die Verwirklichung seiner politischen Ideen einsetze, schrieb Biden. Sanders sei es dabei gelungen, eine Volksbewegung aus dem Boden zu stampfen – eine Bewegung, die sich für ein «besseres Amerika» einsetze, und dabei Ideen wälze, die anfänglich auf Widerstand stiessen. Und wenn er auch mit Sanders nicht immer gleicher Meinung sei, verfolge er doch das gleiche Ziel, schrieb Biden: Auch er setze sich für eine gerechtere Gesellschaft ein. 

Sanders sagt, er habe den «ideologischen Kampf» gewonnen

Diese Stellungnahme zeigt, wie sehr Biden immer noch auf Sanders und seine Anhänger angewiesen ist, will er im kommenden Herbst als Sieger aus dem Duell gegen den Amtsinhaber hervorgehen. Zwar gewann der ehemalige Vize von Präsident Barack Obama und langjährige Senator die letzte Runde der demokratischen Vorwahlen am 17. März und erzielte in den Bundesstaaten Arizona, Florida und Illinois deutlich mehr Stimmen; im Gegensatz zu Sanders löst Biden aber unter progressiven Aktivisten keine Begeisterungsstürme aus. Sie werfen ihm vor, er sei zu alt und zu kompromissbereit, um echte Reformen durchzusetzen.

Auch zeigten Nachwahlbefragungen im Februar und März regelmässig auf, dass junge Demokratinnen und Demokraten den Senator aus Vermont im Verhältnis zwei zu eins bevorzugten. Auf diese Wähler ist Biden aber angewiesen, will er im November den republikanischen Amtsinhaber aus dem Weissen Haus vertreiben.

Sanders machte in seiner Abschiedsrede, die «live from Burlington, Vermont» ausgestrahlt wurde, auf diese Kluft aufmerksam. Er sagte: Ihm und seinen Anhängern sei es gelungen, den «ideologischen Kampf» in der Demokratischen Partei zu gewinnen und Ideen mehrheitsfähig zu machen, die noch vor einigen Jahren als revolutionär bezeichnet worden seien – zum Beispiel die Forderung, dass arbeitende Amerikaner mindestens 15 Dollar pro Stunde verdienen sollten. Dies sei ein Erfolg. Er und seine Berater aber seien dennoch zur Einsicht gekommen, dass es angesichts der Krise, die Amerika derzeit in Beschlag hielt, nicht angebracht sei, den Wahlkampf um das Weisse Haus fortzusetzen, sagte der Senator.

Nette Worte für Biden

Sanders verdeutlichte damit, dass er gerne weitergekämpft hätte, auch wenn seines Siegeschancen mittlerweile gering waren. Dazu passt, dass er auf einen Wahlaufruf zugunsten seines Ex-Kontrahenten verzichtete und seine Anhänger darauf aufmerksam machte, sein Name stehe weiterhin auf den Wahlzetteln. (Die verbleibenden Vorwahlen der Demokraten werden allerdings wohl frühestens im Juni stattfinden.)

Gleichzeitig fand der selbsternannte Demokratische Sozialist nette Worte für Biden («a good man»), obwohl zwischen den beiden doch ein ideologischer Graben klafft. Auch verkündete Sanders, dass er mit dem designierten Präsidentschaftskandidaten der Demokraten zusammenarbeiten werde, weil Amerika im November den «gefährlichen» Amtsinhaber unbedingt loswerden müsse.

Das ist ein heikler Balanceakt. Sanders weiss, spätestens seit seiner ersten Präsidentschaftskandidatur im Jahr 2016, dass er grossen Einfluss auf die Gestaltung des Parteiprogramms ausüben kann – wiewohl diese programmatischen Schriften dem gemeinen Wähler letztlich egal sind. Andererseits kann er kein Interesse daran haben, sich erneut dem Vorwurf auszusetzen, seine Anhänger seien Steigbügelhalter Trumps. Und er weiss, dass die Republikaner alles daransetzen werden, die beiden Parteiflügel der Demokraten gegeneinander auszuspielen. Sanders zeigte sich bereits vor Wochen, als er auf diese Taktik des Präsidenten angesprochen wurde, ungerührt. Jeder, sagte der Senator sinngemäss, dass Trump ein krankhafter Lügner sei. 

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