Terror in London
Betroffene Moschee spielte bei Radikalisierung junger Muslime eine wichtige Rolle

Jahrelang galt sie als Symbol für islamistischen Hass, jetzt ist sie womöglich Ziel eines Muslim-Hassers geworden: Die Finsbury-Park-Moschee im Norden Londons sieht sich laut ihrer Leitung als Opfer eines "Terroranschlags" mit mindestens zehn Verletzten und womöglich einem Toten, nachdem ein Mann einen Lieferwagen in eine Gruppe von Muslimen lenkte.

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Diese Moschee in der Nähe des Finsbury Parks wurde angegriffen.
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Ein Zelt der forensischen Einheit der Polizei steht neben dem Van, mit dem ein Mann in Gläubige gerast ist.
Die blutige Fahrt direkt in eine Gruppe von Muslimen ist vor dem Muslim Welfare House, einem kleinen Gebetshaus im Norden Londons, passiert. Um die Ecke gibt es in der direkten Nachbarschaft noch die grössere Finsbury-Park-Moschee.
Aus beiden muslimischen Einrichtungen strömten die Menschen in der Nacht zum Montag nach ihrem Gebet heraus, als der gemietete Lieferwagen auf die Menge zusteuerte. Dabei kam ein Mensch ums Leben, zehn Personen erlitten Verletzungen.
Forensiker sichern am Tatort Beweise.
Am Tatort legen die Londoner Blumen nieder.
London hat erneut eine blutige Nacht hinter sich.
Die Van-Attacke ereignete sich vor einer Moschee im Stadtteil Finsbury.
Polizisten sichern den Tatort.
Gläubige beten nach der Todesfahrt vor der Moschee.
Kopie von London Moschee-Raser
Aufgebrachte Menschen beobachten die Szenerie.
Bilder des Vorfalls.

Diese Moschee in der Nähe des Finsbury Parks wurde angegriffen.

Wikipedia/Salim Fadhley

In den 1990er Jahren wurde die Moschee nahe dem gleichnamigen Finsbury Park international bekannt. Seit 1995 war der Imam in dem roten Ziegelbau mit Minarett der frühere Afghanistan-Kämpfer Abu Hamza. Der Einäugige machte nicht nur mit seiner Metallhaken-Prothese an der rechten Hand von sich reden, sondern vor allem mit Brandreden gegen den "amerikanischen Satan".

Unter Hamza spielte die Moschee bei der Radikalisierung junger Muslime eine wichtige Rolle. Zu ihren Besuchern gehörten etwa der britische "Schuhbomber" Richard Reid sowie der Franzose Zacarias Moussaoui, der an den Vorbereitungen für die Terroranschläge vom 9. September 2001 beteiligt war.

Bei einer nächtlichen Razzia im Jahr 2003 beschlagnahmten die Ermittler in der Moschee Waffen, rund hundert gestohlene oder gefälschte Pässe sowie Schutzanzüge gegen chemische Angriffe. Ein Jahr später wurde Hamza auf US-Antrag verhaftet.

In London wurde er wegen Aufrufs zum Rassenhass und zu Mordanschlägen 2006 zu einer siebenjährigen Haftstrafe verurteilt. 2012 wurde er in die USA ausgeliefert, wo er drei Jahre später zu lebenslanger Haft wegen Verwicklung in eine Geiselnahme im Jemen und Unterstützung des Terrorismus in Afghanistan verurteilt wurde.

Ruf wiederherstellen

Inzwischen ist die neue Leitung der Moschee bemüht, den Ruf als Hort des Islamismus abzulegen und die Moschee auch für Andersgläubige zu öffnen. Wenige Wochen nach den Attentaten von Paris im Januar 2015 nahm die Gemeinde an einem Tag der offenen Tür teil, der vom britischen Muslimrat MCB organisiert wurde.

"Wir arbeiten daran, unsere Moschee und unsere Aktivitäten für die Allgemeinheit zu öffnen", sagte einer der Moschee-Verwalter, Khalid Oumar. Trotz aller Bemühungen erhielt die Gemeinde nach den islamistischen Anschlägen von Paris zahlreiche Drohbriefe und -Mails.

Nach dem mutmasslichen Anschlag mitten im Fastenmonat Ramadan ist die Gemeinde nun "unter Schock", wie der Vorsitzende des Moscheevereins, Mohammed Kozbar, sagt: "Unsere Gedanken und Gebete sind mit denen, die getroffen wurden."