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Betrug auf dem Mount Everest

Mehr als jede dritte Bergrettung am höchsten Berg der Erde in diesem Jahr sei unnötig gewesen, sagt die nepalesische Regierung und verspricht bessere Kontrollen.
Ulrike Putz, Singapur
Verletzte oder kranke Bergsteiger werden per Helikopter vom Mount Everest geflogen. Bild: AFP (Mong La, 17. April 2018)

Verletzte oder kranke Bergsteiger werden per Helikopter vom Mount Everest geflogen. Bild: AFP (Mong La, 17. April 2018)

Mehrere internationale Versicherer haben der nepalesischen Regierung ein Ultimatum gestellt: Wenn Kathmandu nicht endlich gegen betrügerische Bergrettungen durchgreife, würden sie aufhören, Besteigungen des Mount Everest zu versichern, drohte eine Allianz von Versicherungen, zu denen die britischen Traveller Assist und True Traveller und die US-Firma Global Rescue zählen. Damit reagiert die Branche auf einen Skandal, der die Sommersaison am höchsten Berg der Welt in diesem Jahr überschattet hat. Eine Untersuchung seitens der nepalesischen Regierung hatte im Juni ergeben, dass von den über 1600 Helikopterrettungen bis zur Jahresmitte etwa 35 Prozent unnötig waren und die Unternehmen mehr als vier Millionen Franken kosteten.

Die offiziellen Ermittlungen zeichnen das Bild einer Bergrettungsmafia, die in den vergangenen fünf Jahren Tausende kerngesunde oder nur unter minimalen körperlichen Beschwerden leidende Bergsteiger dazu genötigt habe, sich per Helikopter vom Berg bringen zu lassen. Dabei habe es mindestens einen vermeidbaren Todesfall gegeben. In einigen Fällen hätten korrupte Bergführer ihren Kunden gar Abführmittel verabreicht, um Krankheitssymptome auszulösen, sagte Ermittler Prakash Sharma Dhakal der Nachrichtenagentur AFP.

Neue Richtlinien sollen Betrug verhindern

Für die Evakuierung würden den Versicherungen stark überhöhte Summen in Zahlung gestellt. Oftmals werde derselbe Flug mehrfach abgerechnet, obwohl mehrere Personen an Bord gewesen seien. Hüttenbetreiber und Bergführer, Trekkingunternehmen und Helikopterfirmen, sogar Krankenhäuser und Hotels steckten unter einer Decke.

Neue Richtlinien sollen dem Treiben nun ein Ende machen: Anfang September erliess das nepalesische Tourismusministerium Richtlinien, wonach jede Bergrettung künftig von der Polizei untersucht werden soll. Die Versicherer äusserten sich jedoch skeptisch, ob das reichen wird, der Abzocke am Berg Einhalt zu gebieten. Sie wollen einen Mechanismus einführen, wonach Rettungsflüge erst vom Versicherer genehmigt werden müssen und maximal 4000 Franken kosten dürfen. Ein Rückzug der Versicherer aus Nepal wäre ein harter Schlag für die örtliche Tourismusindustrie. Nepal will bis 2020 die Zahl seiner Besucher auf zwei Millionen im Jahr verdoppeln. Die Versicherer hatten einen eigenen Undercover-Ermittler an den Everest geschickt, um dem Treiben der Bergmafia auf die Schliche zu kommen. Um seine Reaktion zu testen, klagte Danny Kaine seinem Führer gegenüber über Kopfschmerzen. «Sofort sagte er, wir brauchen einen Hubschrauber, wir müssen dich rausholen», sagte der Trekker gegenüber dem britischen «Guardian».

Kaine wurde in ein Privatkrankenhaus in Kathmandu geflogen, wo er einer Reihe von Tests unterzogen wurde. Die Rechnung belief sich auf umgerechnet über 12000 Franken. Dutzende von Kaine Befragte schilderten ähnliche Erlebnisse. In den vergangenen Jahren haben sich viele unseriöse Trekkingunternehmen unter die am Everest operierenden Anbieter gemischt. Laut der nepalesischen Regierung bieten sie Touren bis zum Basislager unter Preis an und machen ihr Geld, wenn sie die Wanderer wegen angeblicher gesundheitlicher Probleme ausfliegen. Einige Bergsteiger seien in die Masche eingeweiht und täuschten freiwillig Krankheit vor, um so zu einem billigen Himalaja-Abenteuer zu kommen, heisst es in Kathmandu.

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