Terror
Bin Ladens Tochter behauptet: Osama lebend gefasst, dann erschossen

Eine Tochter von Al- Kaida- Chef Osama bin Laden hat nach pakistanischen Medienberichten die Erschiessung ihres Vaters hautnah miterlebt. Sie erhebt nun schwere Vorwürfe. Die UNO verlangt inzwichen eine Abklärung der Todesumstände.

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Die Tochter Bin Ladens heisst Safia und ist 12 alt. Und sie will alles hautnah miterlebt haben, wie die pakistanische Zeitung "The News" unter Berufung auf Sicherheitskreise schreibt. Nach Aussage des zwölfjährigen Mädchens sei Osama bin Laden bei der Kommandoaktion in der Stadt Abbottabad zunächst lebend gefasst und wenig später vor den Augen seiner Familie erschossen worden. Die Leiche sei von den Amerikanern abtransportiert worden.

Nach Aussage der Tochter sei eine zweite Person von den US- Truppen in einem Hubschrauber mitgenommen worden, schreibt «The News» weiter. Dabei soll es sich um einen Sohn Bin Ladens gehandelt haben. Unklar sei allerdings, ob dieser zu diesem Zeitpunkt noch am Leben war.

Tochter in Hand pakistanischer Behörden

Dem Bericht zufolge befindet sich die Tochter mit anderen Familienmitgliedern in der Hand der pakistanischen Behörden. Darunter seien zwei Frauen und sechs Kinder im Alter zwischen zwei und zwölf Jahren sowie weitere, nicht näher benannte Personen. Pakistanische Sicherheitskräfte hätten nach Ende des US-Einsatzes insgesamt 16 Menschen lebend und mit gefesselten Händen in dem Haus angetroffen.

Was in der Nacht in Abbottaba genau vorgefallen ist, das wollen inzwischen auch die Vereinten Nationen genauer wissen. Die Uno-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, hat weitere Aufklärung zu den Todesumständen von Terroristenführer Osama Bin Laden gefordert. Ihr Sprecher Rupert Colville bestätigte, dass Pillay sich mit dieser Bitte an die Regierung in Washington gewandt habe. «Es handelte sich um eine sehr schwierige Operation, und es wäre hilfreich, wenn wir die genauen Fakten der Umstände seiner Tötung kennen würden», betonte Pillay.

Reagiert Uno auf Druck?

Nach Ansicht von Beobachtern reagiert die Uno-Menschenrechtskommissarin damit auf den Druck von Menschenrechtsgruppen, die in der Tötung des unbewaffneten Topterroristen eine Verletzung von Menschenrechten sehen.

Pillay hatte in der Vergangenheit immer wieder betont, dass auch im Kampf gegen den Terrorismus Menschenrechte streng eingehalten werden müssten. Die Anfrage an die US-Regierung sei übermittelt worden, bevor das Weisse Haus am Dienstagabend eine neue Version der Umstände vorgelegt habe, sagte Colville. Das Weisse Haus hat eingeräumt, dass bin Laden entgegen ersten Angaben nicht bewaffnet war.

Nach offiziellen US-Angaben hatte eine Spezialeinheit Bin Laden in der Nacht zu Montag auf einem Anwesen rund 60 Kilometer nördlich der pakistanischen Hauptstadt Islamabad aufgespürt und getötet. Pakistan wurde nach US- Angaben erst nach dem Einsatz der amerikanischen Sondereinheit informiert. Laut Präsident Asif Ali Zardari war in Pakistan auch nicht bekannt, dass sich Bin Laden in Abbottabad aufhält. (rsn)