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Blumen und faule Kröten

Sebastian Borger, London

Britische Regierung Wäre es nicht viel schöner, eine Prinzessin zu sein als Premierministerin? Dann bekäme Theresa May dauernd Blumen überreicht, wie diese Woche die Royals Kate und Charlotte bei ihrer Ankunft in Berlin. Ihre öffentlichen Gespräche bestünden entweder aus freundlichem Smalltalk oder der gegenseitigen Versicherung, wie lieb sich Briten und Deutsche/Polen/Holländer trotz des Brexit doch eigentlich haben.

Während die Windsors unterschiedlicher Generationen seit der Brexit-Entscheidung vor Jahresfrist unentwegt in eines der 27 EU-Partnerländer reisen, um dort für gut Wetter zu sorgen, muss sich die konservative Regierungschefin May wieder mit den impertinenten Fragen von Oppositionsabgeordneten herumschlagen. Sein Wahlkreis Coventry sei ja das Zentrum der Forschung im Bereich des fahrerlosen Mobils, erläuterte der Labour-Abgeordnete Geoffrey Robinson und fügte unter dem Gejuchze seiner Fraktion hinzu: «Vielleicht will die sehr ehrenwerte Dame ihre Regierung nach Coventry verlegen?» Die Anspielung auf den chaotischen Eindruck, den das Kabinett in den vergangenen Tagen hinterlassen hat, überhörte die Konservative genauso wie die Frage eines anderen Labour-Mannes, der provokant von May als Interim-Premier und von deren temporärem Finanzminister Philip Hammond sprach.

Abweichler vom harten Brexit-Kurs

In Wirklichkeit wirkt die vor sechs Wochen von der Wählerschaft abgestrafte Tory-Minderheitsregierung insgesamt wie ein Unternehmen auf Zeit, dem auch die teuer erkaufte Unterstützung durch Nordirlands Unionisten nicht wirklich geholfen hat. Hauptgrund für die täglich in den Medien ausgetragenen Kabinetts-Streitigkeiten ist Grossbritanniens Ausstieg aus der EU. Offiziell begannen am Montag in Brüssel die ersten echten Verhandlungen zwischen dem 98 Menschen starken Team GB und der EU-Truppe um Chefunterhändler Michel Barnier. In Wirklichkeit wachsen auf dem Kontinent die Zweifel, ob die Briten selbst eigentlich wissen, welche Ziele sie haben. Die bei sechs verschiedenen Londoner Ministerien bestehenden 18 Arbeitsgruppen begnügen sich offenbar bisher weitgehend mit Problembeschreibungen – Lösungsvorschläge halten die Beamten wohl für problematisch, solange sich die politische Spitze nicht einig ist.

Offiziell gilt weiterhin Mays harter Brexit-Kurs mit Austritt aus Binnenmarkt und Zollunion. Auf Drängen der Wirtschaftsverbände legen sich aber Hammond und Wirtschaftsminister Greg Clark für mindestens zweijährige Übergangsregelungen ins Zeug, in denen die Bestimmungen des Binnenmarktes weiterhin gelten sollen. Dies bekämpfen EU-Feinde wie Boris Johnson, Andrea Leadsom und Michael Gove; Brexit-Minister David Davis gibt sich hingegen in letzter Zeit pragmatischer, offenbar in der Hoffnung, die angeschlagene May in der Downing Street beerben zu können.

Rauer Umgangston bei den Konservativen

Prompt richten die Brexit-Fanatiker ihr Feuer nicht mehr auf Hammond, sondern auf Davis: Der sei «eine faule Kröte, dämlich wie Hackfleisch und eitel wie Narziss», hat ein enger früherer Mitarbeiter des als intrigant bekannten Umweltministers Gove zu Protokoll gegeben. Ohnehin herrscht unter Torys beim Thema Brexit ein rauer Umgangston: Gegenseitig bezeichnen sich die Adepten des harten und weichen Brexit unter anderem als «Wichser» (wankers). Die Kämpfe in den Medien müssten aufhören, mahnte May diese Woche im Kabinett, sonst werde ihr Erbe am Ende Labour-Mann Jeremy Corbyn sein. Der neuerdings sehr selbstbewusst auftretende Labour-Oppositionsführer tadelte im Unterhaus milde «Zank und Verleumdungen im Kabinett» und eine «zerstrittene Regierung ohne Führungskraft», worauf May die Patriotismuskarte zog: Corbyn mache das Land schlecht. Gelächter im Saal. Mühsam schleppt sich die Regierungschefin in die heute beginnenden Parlamentsferien, beim Wanderurlaub in der Schweiz will sie über den Sommer neue Kraft tanken. Vielleicht findet sich dort eine gnädige Seele, die der erschöpften Engländerin einen Blumenstrauss überreicht wie den Prinzessinnen dauernd in Berlin, Heidelberg und Hamburg.

Sebastian Borger, London

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