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Bluttat in Belgien: Täter galt als psychisch labil und gewaltbereit

Der Mann, der am Dienstag in Lüttich drei Menschen tötete, war nach einem Freigang aus dem Gefängnis nicht zurückgekehrt. Berichte, laut denen der Täter islamistische Motive hatte, bestätigen die Behörden nicht.
Remo Hess, Brüssel
Polizeikräfte untersuchen den Tatort in Lüttich. (29. Mai 2018, Julien Warnand/EPA

Polizeikräfte untersuchen den Tatort in Lüttich. (29. Mai 2018, Julien Warnand/EPA

Lüttich, Dienstagmorgen, 10.30 Uhr: zwei Polizistinnen befinden sich auf Streife, als sie von einem Mann von hinten mit einem Messer attackiert werden. Der Angreifer fügt ihnen im Bereich des Rückens mehrere Stichwunden zu und bemächtigt sich ihrer Dienstwaffen. Daraufhin erschiesst er die am Boden liegenden Beamtinnen. Er flüchtet und feuert wenige Meter weiter auf einen 22-jährigen Unbeteiligten, der auf dem Beifahrersitz eines parkierten Autos sitzt. Auch dieser erliegt seinen Verletzungen. Der Angreifer setzt seine Flucht fort und verbarrikadiert sich in einer nahe gelegenen Schule, wo er eine Angestellte als Geisel nimmt. Nach einem Schusswechsel einer Sondereinheit, bei dem vier Polizisten verletzt werden, wird er getötet. Dies, nachdem er aus seinem Versteck auf die Polizisten losgestürmt ist und das Feuer eröffnet hat. Die evakuierten Schüler sowie die Geisel blieben unverletzt.

Es sei eine Tat «feiger und blinder Gewalt», so Premierminister Charles Michel, der sich umgehend mit König Philippe und Innenminister Jan Jambon ein Bild vor Ort macht. Michel: «All unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen». Auf Medienberichte, der Täter habe «Allah Akbar» gerufen, wollte er nicht eingehen. Es sei zu früh, um über das Motiv zu spekulieren. Der Staatsanwalt bestätigte aber, dass es Elemente gebe, «die in Richtung eines terroristischen Anschlags» deuten.

Weiteren Mord begangen?

Derweil sind erste Informationen zum Täter durchgesickert. Demnach handelt es sich um den 36-jährigen Gefängnisinsassen Benjamin H. Dieser habe sich auf einem Freigang befunden, von dem er nicht zurückgekehrt sei. Am Montagabend sei er zur Suche ausgeschrieben worden. H. verbüsste eine Strafe wegen Diebstahl und Drogenhandel. Möglicherweise hat er in der Nacht auf Dienstag in On in der Nähe seiner Heimatstadt Rochefort ein weiteres Tötungsdelikt an einem 30-jährigen Bekannten begangen. Medien spekulierten zudem, das H. am Überfall auf ein Juweliergeschäft in Rochefort beteiligt gewesen sein könnte, der ebenfalls in der Nacht auf Dienstag stattfand. H. habe als psychisch labil und gewaltbereit gegolten. Den Behörden war er nicht als Islamist bekannt. Möglich ist, dass er sich im Jahr 2017 bei seinem Aufenthalt im Gefängnis Lantin bei Lüttich radikalisiert haben könnte. So berichtet es ein Mitinsasse dem belgischen Sender RTBF.

Gemäss Justizminister Koen Geens habe H. bereits von elf eintägigen und 13 zweitägigen Freigängen profitiert. Diese hätten sich ohne Zwischenfälle abgespielt. Geens: «Es war schwierig vorauszusehen, dass es beim 14-mal schiefgehen könnte». Die Terrorwarnstufe, die erst im Januar nach drei Jahren auf dem Maximum heruntergesetzt wurde, werde nicht erhöht, hiess es.

Seit den Brüsseler IS-Anschlägen am Flughafen Zaventem und in der Metrostation Malbeek vom März 2016 hat es in Belgien mehrere Angriffe gegen Beamte und Polizisten gegeben, die als terroristisch eingestuft werden. Letztmals im August 2017, als ein 30-jähriger Mann im Brüsseler Hauptbahnhof einen Soldaten attackierte.

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