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BONN: «Die Welt ist zusammengerückt»

Der angekündigte Ausstieg der USA aus der Klimavereinbarung bremst die Anstrengungen kaum, sagen Konferenzteilnehmer. Doch von den Pariser Zielen ist die Weltgemeinschaft noch weit entfernt.
Christoph Reichmuth, Berlin
Der illuminierte Riesenglobus beim Veranstaltungsort der Klimakonferenz in Bonn. (Bild: Philipp Guelland/EPA (7. November 2017))

Der illuminierte Riesenglobus beim Veranstaltungsort der Klimakonferenz in Bonn. (Bild: Philipp Guelland/EPA (7. November 2017))

Christoph Reichmuth, Berlin

Zwei Jahre nach dem bemerkenswerten Klimaabkommen von Paris zeigt sich, dass die Weltgemeinschaft nach wie vor weit von ihrem damals gesteckten Ziel entfernt ist, die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Momentan steuert die Welt auf eine Erderwärmung von mehr als 3 Grad Celsius zu.

Nichtsdestotrotz konnte die heute zu Ende gehende Klimakonferenz von Bonn, die eher als ein vorbereitendes Treffen für einen Klimagipfel im nächsten Jahr in Polen zu betrachten ist, einige Fortschritte verzeichnen. Eine Allianz, angeführt von Grossbritannien, Kanada und den Marshallinseln, hat Pläne für den vollständigen Ausstieg aus der klimaschädlichen Kohle vorgestellt. Umweltverbände werten diese Initiative als wichtiges Signal. Für die Umsetzung der Pariser Ziele sei es notwendig, dass der Energiesektor bis Mitte des Jahrhunderts ohne Kohle, Öl und Gas auskommt.

Unverbindlichkeit bezüglich Kohleausstieg

Die Bonner Klimakonferenz war die erste seit dem von den USA angekündigten Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen. Befürchtungen, wonach die Weltgemeinschaft durch das amerikanische Ausscheren auseinanderdividiert werden könnte, bestätigten sich nach Einschätzung von Jochen Flasbarth, Umweltstaatssekretär der deutschen Regierung, nicht.

«Der Geist von Paris ist zu spüren, und ironischerweise ist es ja so, dass die Ansage von US-Präsident Donald Trump, das Klimaabkommen verlassen zu wollen, das Gegenteil bewirkt hat. Die Welt ist näher zusammengerückt», sagte Flasbarth am Rande der Konferenz. Trotz des positiven Geistes zeigt sich, dass die Staaten noch zu wenig leisten, um das Klimaziel von Paris zu erreichen. Weltweit sind nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Germanwatch zwar positive Trends bei den erneuerbaren Energien wie Wind- und Sonnenenergie zu verzeichnen, allerdings konterkariere der weltweite Anstieg bei Erdgas und Erdöl die Reduzierung beim Kohleverbrauch. Gerade auch Deutschland gehört zu den Top-Nationen bei der Kohleförderung. Kanz­lerin Angela Merkel wollte bei ihrem Auftritt in Bonn am Mittwoch kein verbindliches Ziel für den Kohleausstieg nennen. Das freilich hängt mit den nach wie vor laufenden Koalitionsverhandlungen für eine neue Bundesregierung zusammen.

Nichtsdestotrotz fordert die Konferenzteilnehmerin Rixa Schwarz von Germanwatch gerade von Deutschland ein starkes Signal an die Weltgemeinschaft. «Wir erhoffen uns von der neuen Bundesregierung ein klares Bekenntnis zum raschen Ausstieg aus der Kohle. Innerhalb von zwei Jahren müssen die schmutzigsten Kohlewerke vom Netz», fordert Schwarz auf Anfrage. Einen vollständigen Ausstieg aus der Kohle bis ins Jahr 2020 sei für Deutschland unrealistisch. «Wir müssen zufrieden sein, wenn sich die neue Regierung auf das Ausstiegsziel wohl bis 2030 einigen kann.» Laut Schwarz könne Deutschland bei der Klimapolitik auch eine Führungsfunktion übernehmen, zumal sich die USA unter Donald Trump von den Klimavereinbarungen verabschieden wird. «Wir würden uns wünschen, dass Deutschland mit gutem Beispiel vorangeht.» Schwarz verweist darauf, dass auch bei der in Deutschland stark verankerten Automobilindustrie ein Umdenken – weg vom Verbrennungsmotor hin zu Elektromobilität – stattfinden müsse.

Die von manchen Experten geäusserte Erwartung, dass sich in Bonn China als die neue Führungsmacht im Kampf gegen die Erderwärmung präsentieren werde, liess sich laut Schwarz nicht beobachten. Weder die in Bonn anwesenden US-Delegierten noch die Vertreter Chinas hätten in Bonn die letzten zwei Wochen «eine besonders sichtbare Rolle» in den Verhandlungen übernommen. Immerhin: Die Volksrepublik investiert mehr in alternative Energien als jeder andere Staat. Indes wird in China nach wie vor in hohem Masse in Kohlekraftwerke investiert.

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