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BORIS JELZIN: Der Vater des neuen Russland

Er war der Mann auf dem Panzer. Beim August-Putsch 1991 verteidigte Jelzin die zarten Pflänzchen russischer Demokratie – und trat dann wieder darauf herum. Eine Bilanz zum zehnten Todestag.
Friedemann Kohler (dpa)
Boris Jelzin beim Putsch gegen Gorbatschow im Jahr 1991. (Bild: Peter Andrews/Reuters (Moskau, 22. August 1991))

Boris Jelzin beim Putsch gegen Gorbatschow im Jahr 1991. (Bild: Peter Andrews/Reuters (Moskau, 22. August 1991))

Friedemann Kohler (DPA)

An Boris Jelzin scheiden sich in Russland die Geister. Der Sibirier, der nach dem Zerfall der Sowjetunion Ende 1991 als erster Präsident Russlands regierte, starb vor zehn Jahren am 23. April 2007.

«Eine Diktatur Jelzins gab es nicht und wird es nicht geben, und andere Diktaturen lasse ich nicht zu», sagte er 1996 über sich. Fünf Stationen auf Jelzins aussergewöhnlichem Weg:

Konkurrent für Gorbatschow

Jelzin, geboren 1931, machte Karriere als Parteichef seiner Heimatregion Swerdlowsk (heute Jekaterinburg) in Sibirien. Als Michail Gorbatschow 1985 Generalsekretär wurde, wechselte Jelzin nach Moskau. Glasnost (Transparenz) und Perestroika (Umgestaltung) waren die Schlagworte für Gorbatschows Reformen. Er musste nicht nur mit den Parteikonservativen kämpfen, sondern auch mit denen, die wie Jelzin schneller voran wollten.

Der Mann auf dem Panzer

Im August 1991 putschten die Konservativen in Partei, Militär und Geheimdienst gegen Gorbatschow, sie setzten ihn auf der Krim fest. Doch die Machtübernahme scheiterte an Jelzin. Hunderttausende strömten in Moskau zusammen. Vor dem Weissen Haus, dem Sitz des russischen Parlaments, stand Jelzin mutig auf einem Panzer und rief zum Widerstand auf. Der Putsch brach in sich zusammen. Doch der Zerfall der Sowjetunion in ihre einzelnen Republiken liess sich nicht mehr stoppen. Ende 1991 musste Gorbatschow seinen Schreibtisch im Kreml für Jelzin räumen.

Schüsse auf das Weisse Haus

Knapp zwei Jahre später, im Oktober 1993, liess Jelzin selber das Weisse Haus, nun Sitz des Obersten Sowjets, beschiessen. Der Machtkampf kostete 123 Menschen das Leben. Zu den Schattenseiten von Jelzins Herrschaft zählt auch der Krieg in Tschetschenien ab 1994.

Durch die Privatisierung fiel das Staatsvermögen in die Hände weniger Neureicher, das Volk verarmte. Nur mit Geld der Oligarchen sicherte Jelzin sich 1996 die Wiederwahl.

Freundschaft mit Helmut Kohl

Deutschlands damaliger Bundeskanzler, Helmut Kohl, war eigentlich mit Gorbatschow befreundet gewesen, mit dem er die Wiedervereinigung Deutschlands 1990 ausgehandelt hatte. Doch auch zwischen Kohl und Jelzin wuchs eine Freundschaft.

Die Jelzin-Jahre brachten die grösste Annäherung Russlands an den Westen. 1998 wurde aus der Siebenergruppe von Industriestaaten mit Russland die G8.

Ein unerwarteter Rücktritt

«Ich gehe, ich gehe vorzeitig», verkündete Jelzin zu Silvester 1999 unerwartet dem russischen Fernsehpublikum. Die Macht überliess er dem unbekannten Ministerpräsidenten Wladimir Putin. «Bewahren Sie Russland!», gab Jelzin Putin mit auf den Weg. Dieser brachte das abtrünnige Tschetschenien wieder unter Kontrolle und wurde im März 2000 zum Präsidenten gewählt.

Auf dem Altenteil hielt sich Jelzin politisch zurück. Nur manchmal liess er durchblicken, dass ihm der autoritäre Kurs seines Nachfolgers nicht passte.

Der erste russische Präsident habe viele Fehler gemacht, schreibt die Geschichtswebsite Russkaja Semjorka. «Doch sein Hauptstreben war, einen starken, freien Staat zu schaffen.»

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