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BREXIT: Nigel Farage: «Ich kann nirgends mehr hin»

Der frühere Ukip-Vorsitzende Nigel Farage gilt als Architekt des Brexit. Im Interview erklärt er, warum er die derzeitige Stärke der EU für eine Wahrnehmungsstörung hält – und warum er auf die Schweiz neidisch ist.
Remo Hess, Brüssel
Der EU-Parlamentarier und frühere Ukip-Vorsitzende Nigel Farage. (Bild: Patrick Seeger/EPA (Strassburg, 14. Juni 2017))

Der EU-Parlamentarier und frühere Ukip-Vorsitzende Nigel Farage. (Bild: Patrick Seeger/EPA (Strassburg, 14. Juni 2017))

Interview: Remo Hess, Brüssel

Nigel Farage, Ihr Ziel ist es, die EU zu zerstören. Heute scheint sie jedoch stark wie nie. Sie haben verloren.

Das stimmt nicht. Diese Woche hat eine EU-weite Studie gezeigt, dass nur ein Drittel aller Bürger mit der Arbeit der Europäischen Union zufrieden sind. Nein, die EU ist nicht in einer starken Po­sition. Sie fühlt sich stark, weil sie eine Schwäche bei der britischen Premierministerin erkennt. Mehr ist es nicht.

Theresa May muss beim EU-Gipfel mit dem Kindertisch vorliebnehmen. Haben Sie Mitleid mit ihr?

Es ist etwas schwierig, mit ihr mitzufühlen, weil sie eine sehr gute Position hatte und mit den Parlamentswahlen ihre Mehrheit verspielt hat. Ich habe kein Mitleid mit ihr, aber ich denke, dass sie heute sehr stark auftreten muss.

Die Schweiz hat mit den bilateralen Abkommen vieles, was Grossbritannien gern auch hätte. Sind Sie neidisch?

Ich bin neidisch. Obwohl die Schweizer Regierung auch Fehler gemacht hat, wie das Schengen-Abkommen zu unterzeichnen. Das war dumm, und ich weiss, dass die Schweizer das irgendwann vielleicht rückgängig machen werden. Doch grund­sätzlich ist die unabhängige Rolle in der Welt, wie sie die Schweiz einnimmt, das, was ich mir für das Vereinigte Königreich wünsche.

Aber die Schweiz übernimmt gefühlte 95 Prozent aller EU-Gesetze.

Das ist wegen der Politiker. Die möchten gegenüber der EU so gefällig sein wie irgendwie möglich. Ich sehe die Zukunft Grossbritanniens nach dem Brexit so, dass wir so konkurrenzfähig wie möglich sein können.

Bei den britischen Wahlen wurde Ihre Ukip-Partei praktisch ausradiert. Kehren Sie an die Parteispitze zurück?

Ich führe eine Fraktion hier im EU-Parlament und begleite den Brexit-Prozess in dieser Funktion. Ich war froh, als ich mich aus der britischen Innenpolitik zurückziehen konnte. Aber ich denke darüber nach und wäge meine Optionen ab.

Können Sie in London noch ein Bier trinken gehen, ohne beleidigt zu werden?

Ich erfahre weniger Abneigung als Zustimmung. Aber ja, der Brexit hat die Emotionen so angeheizt, dass mein normales Leben ausgesetzt ist. Ich kann eigentlich nirgends mehr hingehen.

Manche behaupten, Sie seien ein Agent von Donald Trump und der Mittelsmann zu Julian Assange.

Ach Gott, verschonen Sie mich. Das zeigt, wie verzweifelt die Demokraten und die linken Medien sind. Sie kochen die ganze Zeit diese Russland-Geschichten hoch, um Trump zu diskreditieren. Mit General Michael Flynn meinten sie, die grosse Kiste zu haben. Doch er wurde von schuldhaftem Verhalten freigesprochen. Was meine angebliche Funktion angeht: Das ist absurd.

Zur Person

Nigel Farage (53) ist EU-Parlamentarier und ehemaliger Vorsitzender der britischen Unabhängigkeitspartei (Ukip).

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