BREXIT: Wird Nigel Farage Donald Trump Europa erklären?

Einem Trump-Vertrauten zufolge soll der frühere Ukip-Chef Nigel Farage inoffizieller Berater des neuen US-Präsidenten werden.

Remo Hess/Brüssel
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Der ehemalige Ukip-Vorsitzende Nigel Farage. (Bild: Frank Augstein/AP)

Der ehemalige Ukip-Vorsitzende Nigel Farage. (Bild: Frank Augstein/AP)

Es ist ein Szenario, das in der EU für Unwohlsein sorgt: Der neue US-Präsident Donald Trump lässt sich von Nigel Farage, dem britischen Rechtspopulisten und Ex-Anführer der Brexit-Partei Ukip, erklären, wie der alte Kontinent funktioniert. Eine Äusserung von Phil Bryant, dem republikanischen Gouverneur von Mississippi und Trump-Vertrauten, befeuerte nun diese Befürchtungen. Es gäbe eine «Möglichkeit für ihn (Farage), direkt mit dem Präsidenten zusammenzuarbeiten», sagte Bryant gegenüber britischen Medien am Rande einer Trump-Party in Washington. Er beschrieb diese Beziehung dabei als «eng, aber inoffiziell». Farage geniesse bei Trump grosses Vertrauen, und er sei sich sicher, dass in Sachen Brexit niemand ein besserer Berater des US-Präsidenten wäre, so Bryant.

Dass Farage privilegierten Zugang zum US-Präsidenten hat, zeigte sich bereits kurz nach Trumps Wahlsieg im November. Als erster britischer Politiker erhielt er eine Audienz im Trump-Hochhaus in New York. Wenige Tage später empfahl Trump Farage sogar per Twitter als neuen Botschafter Grossbritanniens in den USA. Die britische Regierung sah sich in der Folge zu einer spitzen Erklärung genötigt, dass sie ihre Botschafter immer noch selbst ernenne und zurzeit «keine Stelle» frei wäre.

Der EU-Abgeordnete und ehemalige Rohstoffhändler Farage gilt in der britischen Politik wegen seiner populistischen Positionen als Paria. Seine auf EU-Ebene erfolgreiche Unabhängigkeitspartei spielt in der nationalen Politik keine Rolle und war auch nicht Teil der offiziellen Brexit-Kampagne «Vote Leave». Grossbritanniens Regierung wird denn auch nicht müde, Farages Rolle für die offizielle US-Politik als «irrelevant» zu bezeichnen. Und auch aus EU-Kommissionskreisen ist zu erfahren, dass man die Bedeutung Nigel Farages, der der EU nach eigenen Angaben «mit der Abrissbirne zu Leibe rücken will», bloss nicht überschätzen soll. Angesichts der Tatsache, dass Trump gern Konventionen hinter sich lässt und bei der Ernennung seiner Berater auch auf umstrittene Persönlichkeiten setzt, müsste jedoch selbst ein informelles Engagement Farages die Brüsseler Alarmglocken läuten lassen. Beobachter weisen zudem darauf hin, dass Trumps Aussagen im Interview mit der «Bild»-Zeitung, wo er unter anderem vermutete, dass weitere Länder die EU verlassen werden, stark nach Farage klingen. Der Ukip-Mann wird sich in Zukunft aber ohnehin vermehrt in den USA aufhalten: Am Freitag wurde bekannt, dass der konservative TV-Sender Fox News Farage eine Stelle als fester politischer Kommentator verschafft hat.

Remo Hess, Brüssel