BRÜSSEL: Anti-Terror-Beauftragter warnt vor Angriffen auf Atomanlagen

Der Anti-Terror-Beauftragte der Europäischen Union, Gilles de Kerchove, hat vor einem Angriff auf belgische Atomanlagen gewarnt.

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Das Atomkraftwerk in Tihange in Belgien. Der EU-Anti-Terror-Koordinator warnt vor Anschlägen auf Atomkraftwerke. (Bild: EPA/JULIEN WARNAND)

Das Atomkraftwerk in Tihange in Belgien. Der EU-Anti-Terror-Koordinator warnt vor Anschlägen auf Atomkraftwerke. (Bild: EPA/JULIEN WARNAND)

«Ich wäre nicht überrascht, wenn in den nächsten fünf Jahren das Internet genutzt würde, um einen Angriff zu verüben», sagte de Kerchove der belgischen Zeitung «La Libre Belgique» vom Samstag.

Durch einen Hacker-Angriff könnten Attentäter laut dem EU-Koordinator die Kontrolle über die Schaltzentrale eines Atomkraftwerks übernehmen. Auch sei ein Angriff auf ein Kontrollzentrum für den Flugverkehr oder eine Schaltanlage für den Schienenverkehr denkbar.
 
Die Cyber-Abwehr des belgischen Verteidigungsministeriums schätzte de Kerchove als «recht gut» ein. Zwar seien die USA, Grossbritannien und Frankreich besser aufgestellt. «Aber ich denke, im Falle eines Angriffs ist unser Verteidigungsministerium recht gut», sagte der Belgier.
 
De Kerchove äusserte sich inmitten der Sorge um die Sicherheit der belgischen Atomanlagen Tihange und Doel. Nachdem bereits eine Reihe von Pannen Zweifel an der Sicherheit ausgelöst hatten, wuchs die Sorge nach den Anschlägen von Brüssel am Dienstag weiter.
 
Die belgischen Behörden hatten nach den Anschlägen am Flughafen und in der U-Bahn das Personal der Atomkraftwerke teils vorsorglich evakuiert und die Sicherheit um die Anlagen verstärkt.

AKW-Wachmann erschossen

Die belgische Zeitung «La Dernière Heure» berichtete am Samstag, dass am Donnerstag ein Wachmann an einer Nukleareinrichtung in der Gegend des südbelgischen Charleroi erschossen worden sei. Der Dienstausweis des Opfers sei gestohlen worden. Von offizieller Seite wurden die Angaben zunächst nicht bestätigt.
 
Im Februar war bekannt geworden, dass die belgische Polizei bei Ermittlungen zu den islamistischen Anschlägen von Paris vom November Aufnahmen einer Überwachungskamera gefunden hatte, die einen Mitarbeiter der belgischen Atomindustrie zeigen.

Atomforscher ausspioniert

«La Dernière Heure» berichtete am Donnerstag, die Brüder Khalid und Ibrahim El Bakraoui - zwei der Brüsseler Selbstmordattentäter - hätten eine versteckte Kamera vor dem Haus des Direktors des belgischen Atom-Forschungs- und Entwicklungsprogramms kurz nach den Pariser Attentaten entfernt.
 
Die mit der Kamera gefilmten Aufnahmen seien im Dezember bei einem der Verdächtigen der Pariser Anschläge, Mohamed Bakkali, sichergestellt worden. Die Zeitung schloss daraus, dass die Brüder womöglich einen Anschlag auf Belgiens Atomkraftwerke geplant hatten.

sda/afp