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BÜRGERKRIEG: «Russlands Stiefel auf syrischem Boden»

Die Belege häufen sich, dass Russland dem wankenden Assad-Regime kriegerische Waffenhilfe leistet. Das Weisse Haus hält dieses Eingreifen für «kontraproduktiv».
Ein russischer Panzer auf syrischem Boden: Russland dementiert jedoch den Einsatz eigener Streitkräfte in dem Bürgerkriegsland. (Bild: Screenshot Youtube)

Ein russischer Panzer auf syrischem Boden: Russland dementiert jedoch den Einsatz eigener Streitkräfte in dem Bürgerkriegsland. (Bild: Screenshot Youtube)

Man sieht die neuesten Schützenpanzer der russischen Armee vom Typ BTR-82A und die neuen Tiger-Geländewagen, die bei der russischen Invasion auf der Krim berühmt wurden. Man hört russische Kommandos und einen russischen Funkspruch: «Pfau, Pfau, wir fahren los!» Die britische Zeitung «Times» präsentierte am Freitag einen dreiminütigen Filmbericht des syrischen Staatsfernsehens, das offenbar russische Truppen zeigt, die sich im Kampfgebiet nahe der Hafenstadt Latakia im Norden Syriens bewegen.

Offenbar fährt russisches Militär inzwischen im syrischen Bürgerkrieg herum. Es sei unklar, ob es sich um Soldaten der regulären russischen Armee handle oder um Söldner, sagte der Londoner Militärexperte Igor Sutjagin der «Times». Aber in den letzten Tagen häufen sich Belege und Anzeichen, dass Russland dem wankenden Regime Baschar al-Assads kriegerische Waffenhilfe leistet.

Militärbasis und Strassensperren

Die Russen hätten bei dem Städtchen Slanfeh etwa 40 Kilometer westlich von Lakatia mehrere Strassensperren errichtet, sagte ein Sprecher der «Freien Syrischen Armee» laut «Times». Nach Angaben der Rebellenwebsite syria.net seien die russischen Truppen am Aufbau einer neuen Verteidigungslinie der Assad-Streitkräfte beteiligt. Die regierungsnahe Zeitung «Al-Watan» hatte Ende August berichtet, die Russen errichteten eine Militärbasis in Gabla, 25 Kilometer südlich von Lakatia.

Anfang dieses Monats veröffentlichte der syrische El-Kaida-Ableger Front al-Nusra vier Fotos einer Flugdrohne und mehrerer Düsenjäger, die sehr an russische Schlachtflieger erinnern. Sie sollen westlich der Stadt Idlib aufgenommen worden sein. Kurz zuvor meldete die israelische Zeitung «Ynet» das Eintreffen russischer Kampfflugzeuge in Syrien, die Angriffe auf die Aufständischen fliegen sollen, auch auf die Kämpfer des terroristischen Islamischen Staates (IS).

Und das türkische Marineportal «Bosporus Naval News» publizierte Fotos von Kamas-Militärlastern und getarnten Panzerfahrzeugen, die am 20. August auf dem russischen Kriegsschiff «Nikolai Filtschenkow» bei der Fahrt durch den Bosporus Richtung Mittelmeer fotografiert worden waren. Das Fachportal «Oryx Block» schliesst nicht aus, dass auch sie bei Lakatia eingesetzt werden sollten. Und das amerikanische Nachrichtenportal «Daily Beast» titelt: «Russland stellt seine Stiefel auf syrischen Boden.»

Russland mit eigener Version

Moskau will das nicht bestätigen. «Glauben Sie diesen Meldungen nicht», dementierte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Mittwoch mögliche Schläge russischer Streitkräfte gegen den IS in Syrien. «Es gibt russische Militärberater und Ausbildner in Syrien», sagt Adschar Kurtow vom Russischen Institut für Strategische Studien unserer Zeitung. Bei den vermeintlichen Kampftruppen im Raum Lakatia handle es sich aber nicht um russische Kampftruppen, sondern eher um Instrukteure, die Waffen und Kampfwagen an die Syrier überführten und diese einwiesen. «Das gilt natürlich auch für Kampfjets.» Ausserdem bedürfe Assad keines direkten militärischen Eingreifens Russlands, da ja schon iranische Einheiten seine Regierungstruppen unterstützten.

Andererseits geben auch russische Experten zu, dass deren militärische Lage kritisch ist, da auch die Hauptstadt Damaskus inzwischen wieder mit Granatwerfern beschossen wird. Und nachdem der Kreml seit über einem Jahr seine Militärintervention in der Ostukraine ableugnet, glaubt man im Westen russischen Dementis nur noch sehr bedingt. Ein Sprecher des Weissen Hauses bezeichnete die Militärhilfe für Syrien am Donnerstag als «destabilisierend und kontraproduktiv».

Präsident Wladimir Putin aber versicherte am Freitag in Wladiwostok erneut, die Teilnahme russischer Streitkräfte am Kampf gegen den IS sei verfrüht. Allerdings verhandle er seit einiger Zeit unter anderem mit den Führern der USA, der Türkei und Saudi-Arabiens über die Bildung einer gemeinsamen Front gegen die Terroristen. «Es herrscht Übereinstimmung, dass die Vereinigung der Anstrengungen im Kampf gegen den Terrorismus mit einem politischen Prozess in Syrien einhergehen muss», sagte Putin. Bleibt allerdings unklar, wozu dabei die Präsenz russischer Truppen im Kriegsgebiet dienen soll.

Stefan Scholl, Moskau

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