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BURMA: Mönch Ashin Wirathu: Buddhas Brandstifter

Der buddhistische Mönch Ashin Wirathu hetzt gegen seine muslimischen Landsleute. Auch internationale Hilfsorganisationen sind ihm ein Dorn im Auge.
Buddhistischer Mönch und Extremist: Ashin Wirathu. (Bild: Getty)

Buddhistischer Mönch und Extremist: Ashin Wirathu. (Bild: Getty)

Vor knapp drei Wochen ergriff Ashin Wirathu bei einer Demonstration in der burmesischen Hauptstadt Yangon das Wort. Gekleidet war er in die orangenen Tücher des buddhistischen Mönches, was er zum Vortrag brachte, war jedoch keine Botschaft des Friedens: Internationale Hilfsorganisationen, die den muslimischen Rohingya in Burma hülfen, seien allesamt «Terroristen», wetterte der Geistliche. Das Militär täte gut daran, endlich das Kriegsrecht in dem von der Minderheit bewohnten Gebiet zu verhängen. Täte die Armee das nicht, würde Burma bald von Muslimen überrannt und verlöre seine Identität, hetzte Wirathu.

Dass der 49-jährige Mönch solch martialische Töne anschlägt, ist an sich nichts Ungewöhnliches. Seit rund 15 Jahren ist Wirathu Wortführer der buddhistischen Extremisten in Burma. Seine «969» genannte Organisation und deren politischer Zweig Ma Ba Tha sind das Sammelbecken für rechtsnationale Burmesen, die ganz offen sagen, dass sie ihr Heimatland «muslimrein» machen wollen. Dafür schrecken Wirathu und seine Gesinnungsgenossen auch nicht vor Massnahmen zurück, die die Vereinten Nationen als «ethnische Säuberungen» und Beobachter als «Völkermord auf Raten» bezeichnen. Hunderte Toter gehen – zumindest indirekt – auf das Konto Wirathus: 2012 zettelte er Unruhen an, bei denen über 200 Menschen getötet und 140 000 Muslime aus ihren Dörfern vertrieben wurden. Auch für die jetzigen Gewalt­exzesse des Militärs, vor denen in den letzten drei Wochen mehr als 430 000 Ro­hingya nach Bangladesch geflohen sind, hat er die geistige Urheberschaft, die Armee ist das ausführende Organ.

Das Besondere an Wirathus jüngstem Auftritt in Yangon war, dass er dem Hassprediger verboten worden war. Im März verhängte der staatliche buddhistische Rat von Burma, der Sangha, ein Redeverbot gegen Wirathu. Dem Rat ist er zu radikal. Dass Wirathu es wagte, sich darüber hinwegzusetzen und trotzdem zum Mikrofon zu greifen, zeigt, wie sicher er sich seiner Sache ist. Wenn der kahlgeschorene Mann mit Mondgesicht, der bis 2012 wegen Anstiftung zu Hass-Verbrechen acht Jahre lang in Haft sass, spricht, hören ihm die Massen zu. Eine Messlatte für Wirathus Selbstbewusstsein mag die Verachtung sein, die er dem Dalai Lama entgegenbringt. Der bekannteste buddhistische Würdenträger der Welt hat den Fundamentalisten mehrfach scharf kritisiert. Zuletzt sagte der Dalai Lama im Zusammenhang mit der jetzigen Flucht­welle, «Buddha hätte den armen Muslimen geholfen».

Zwischen seinen Auftritten zieht sich Wirathu in sein Hauptquartier nach Mandalay zurück. Der dortige Tempelkomplex ist die Kaderschmiede, in welcher der extremistische Nachwuchs ideologisch geschult wird. Mit welchem Geschick der Menschenfänger die Saat des Zorns sät, hat der Schweizer Filmemacher Barbet Schroeder jetzt in einem Dokumentarfilm beschrieben. «The Venerable W.» (dt. «Der ehrwürdige W.») sorgt derzeit auf Filmfestivals in aller Welt für Beklommenheit beim Publikum: Denn der Mann macht seinem Spitznamen «Burmas bin Laden» und «Buddhas Terrorist» alle Ehre.

Ulrike Putz, Singapur

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