CDU-Politiker Friedrich Merz spricht über seine Corona-Infektion: «Symptome, die ich nicht gekannt habe»

Von Covid-19 genesen, äussert sich der Hoffnungsträger der Konservativen in der CDU und mögliche Kanzlerkandidat Friedrich Merz im Gespräch zur Kanzlerin und zum Virus.

Christoph Reichmuth aus Berlin
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Hat Covid-19 überstanden - und feuert gegen seinen Kontrahenten Armin Laschet: CDU-Mann Friedrich Merz.

Hat Covid-19 überstanden - und feuert gegen seinen Kontrahenten Armin Laschet: CDU-Mann Friedrich Merz.

Michael Kappeler / DPA

Er aspiriert auf den CDU-Vorsitz, doch eine Infektion mit dem Coronavirus zwang Friedrich Merz in die Quarantäne. Nun meldet sich der Hoffnungsträger der Konservativen in der deutschen CDU im Video-Gespräch zu Wort.

Friedrich Merz über seine Corona-Erkrankung

Die Corona-Infektion bei dem 64-jährigen CDU-Politiker wurde Mitte März diagnostiziert. «Ich habe keine schwere Erkrankung gehabt», so Merz in einem Video-Gespräch mit ausländischen Journalisten. «Ich hatte Halskratzen, Halsschmerzen, ziemlich starke Ohrenschmerzen. Und hinter den Augen tat es mir weh», so Merz, der von Grippesymptomen berichtet, «die ich davor gar nicht kannte.» Die Erkrankung habe acht Tage angedauert, am Ende hatte Merz eigenen Angaben zufolge starken Schnupfen. Heute fühlt sich der einstige CDU-Fraktionschef wieder gesund. Dass er so gut durch die Erkrankung gekommen sei, schreibt Merz seiner «guten Grundkonstitution» zu. «Ich hatte wirklich Glück.»

Merz über das Rennen um den CDU-Vorsitz

Der Sonderparteitag im April, auf dem die CDU den Nachfolger für CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer bestimmen wollte, fällt wegen der Coronapandemie ins Wasser. Vermutlich wird der neue CDU-Chef erst im Dezember gekürt. Um den Vorsitz bewerben sich der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet, 59, der CDU-Aussenpolitiker Norbert Röttgen, 54 und Friedrich Merz. Laschet geniesst in der Corona-Krise aufgrund seines Exekutivamtes am meisten mediale Präsenz; um Merz und Röttgen ist es zuletzt still geworden. Zu seinen Chancen äussern wollte sich Merz in der Video-Konferenz nicht, er lässt aber durchschimmern, dass er den Kampf um den Vorsitz längst noch nicht aufgegeben hat. «Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen ist jeden Tag als aktiv handelnder Aktivist präsent. Norbert Röttgen ist praktisch gar nicht präsent und ich bin irgendwo dazwischen.» Dies sei aber eine «Momentaufnahme». Zum jetzigen Zeitpunkt sei eine Aussage zu seinen Chancen nicht möglich. «Es wird in den nächsten Wochen und Monaten noch so viel geschehen, dass darüber eine Aussage heute objektiv nicht möglich ist.» Nach der Coronakrise stehe die Debatte über die Bewältigung der Wirtschaftskrise auf der Agenda. «Darauf bereite ich mich vor.» Merz sieht sich als Verfechter der Europäischen Union. «Ich bin von allen Kandidaten der mit der grössten und tiefsten europäischen Prägung», so der Ex-EU-Abgeordnete.

Merz über Krisenmanagerin Angela Merkel

Einst hatte Merz den Machtkampf gegen Angela Merkel verloren, jetzt lobt er die Krisen-Politik der Bundeskanzlerin explizit. Er sei «der Meinung, dass das Prinzip, wie sich die Kanzlerin dem Problem nähert, richtig ist. Lieber vorsichtig sein und etwas langsamer öffnen und dadurch nicht das Risiko in Kauf nehmen, höhere Infektionszahlen zu sehen und die Bewegungsfreiheit wieder einschränken zu müssen.» Auf Distanz geht Merz zu seinem Gegenspieler um den CDU-Vorsitz, Laschet. Der Regierungschef von Nordrhein-Westfalen fordert die Bundesregierung dazu auf, die Massnahmen rascher wieder zu lockern. Dazu Merz: «Ich sehe die Argumente von Herrn Laschet, aber ich teile sie nicht.»